Shadowrun 5 Seattle

Ein schneller Run
05.06.2075

Aus Zagroschims unveröffentlichten Tagebüchern,
später bekannt als die Chroniken von Zagroschims Wundertaten

Es war ein trüber Montag, erfüllt von einer eher plätschernden Debatte mit Fedge über Urban Brawl und lauwarmem Bier, als sich ein neuer Auftrag anbahnte. Diesmal ging es schnell, sehr schnell, denn es sollte schon heute Abend beginnen. Was es auch immer war …

Ein wenig aufgeregt legte ich meinen besten Anzug an und sorgte dafür, dass der schäbige Look in neuem Glanz erstrahlte. Es sollte ins Bavaria Alm gehen, ein Etablissement, in dem ich früher ab und an vorbei geschaut hatte. Nicht unbedingt mein Stil, aber immerhin eine der Topadressen der Stadt und keine mittelmäßige Absteige.
Ein Taxi fuhr mich die letzten Meter bis dorthin und kaum stieg ich aus, erblickte ich zu meiner Freude und Verwunderung, Isabeaux, diesmal nicht in schäbiger Straßenkleidung, sondern gewandet in ein Kleid, ihre Haare frisiert und sogar mit manikürten Nägeln, überraschender Weise erinnerte nicht einmal ihr Gang noch an ihr sonst so unpassendes Auftreten. Selbstverständlich reichte ich ihr meinen Arm und geleitet die Lady, vorbei an einer wenig bemerkenswerten Sicherheitskontrolle ins Innerte, wo uns eine recht annehmbare Bewirtung und Bedienung zuteil wurde.

Als Hawk auftauchte, empfing uns unser Gastgeber in einem ziemlich stillosen mattweißen Raum, in dem zu unserer Erbauung ein ausgezeichnetes Mahl auf uns wartet. Auch unser Gastgeber, jener Johnson, der auch für den letzten Run verantwortlich war, tauchte auf, um uns Gesellschaft zu leisten und, wie es sich gehört, den Schein geselliger Freundschaft zu pflegen. Er war groß, ziemlich dürr und irgendwie eine Spur unheimlich, keiner, dem man gern begegnet und doch von unleugbarer Faszination. Mag es an seinem untrüglichen Gespür für Zeit und Augenblick, seinem perfektem Gebaren, oder seiner Gabe die Magie zu beherrschen liegen, war es mir doch kaum möglich, Isabeaux die ihr zustehende Aufmerksamkeit zu schenken.

Recht bald kamen wir auf den Auftrag zu sprechen. Eine Untergrundauktion, in der einen Datenchip versteigert werden sollte. Jenen Chip sollten wir besorgen und abliefern. Alles in allem recht einfach, wären da nicht die Details. Die Black Sharks veranstalteten solche Auktionen recht regelmäßig ein bis zweimal im Jahr, waren also Profis. Der Ort der Auktion war nicht bekannt, dazu kam die Tatsache, dass neben unserem Chip auch noch buchstäblich tausende weiterer Artikel versteigert wurden. Da musste man kein Genie sein um zu erraten, dass das Budget für Sicherheit dementsprechend ausfallen würde.
Kurz erlaubte ich mir zu zweifeln, dann straffte ich meine Schultern, ich hatte schließlich einen Ruf zu wahren. Immerhin war und bin ich, Zagroschim der Wunderbare.

Da die Versteigerung schon heute Nacht beginnen sollte, war wahrlich nicht viel Zeit. Ein paar Anrufe später, wusste Isabeaux, wo wir hinmussten und Hawk hatte die Liste der Versteigerungsartikel entschlüsselt und durchforstet. Unser Stick war ein Aztec Produkt, welches meist für Firmeninterna genutzt wurde. Nur lesbar mit einem entsprechenden Modul und wahrscheinlich Teil einer ganzen Reihe gestohlener Module, denn jenes, welches wir diesmal kaufen sollten, ähnelte jenem, dass unser Mister Johnson dem extrahierten Wissenschaftler aus der Brust geschnitten hatte. Ein interessantes Detail, aber, wie mir die anderen erklärten, uninteressant für unseren Auftrag. So fuhren wir also in Wheelz! Auto hinüber zur Versteigerung, welche im großen zerfallenen Stadion in Puyallup in den Barrens liegt.

Vor Ort erlebten wir eine Überraschung, obwohl weder die Matrix, noch unsere Connections viel zu sagen wussten, lief hier ein fröhliches Volksfest, eine Mischung aus Einheimischen Gelegenheitsgaunern und erfahrenen Hehlern, die ihre Waren lautstark an den Mann zu bringen versuchten. Allesamt nutzloser Tand und Kleinkram, dennoch ließen sich Isabeaux und Hawk ablenken und nur meinem vehementen Auftreten war es zu verdanken, dass wir den Auftrag nicht aus den Augen verloren.
Für ein wenig Geld erhielten wir Einlass ins Stadion und einen kleinen Würfel, mit dem wir auf den Auktionen bieten konnten. Recht nützlich wie sich später herausstellen sollte.
Im Stadion verliefen sich die vier bis fünf Tausend Besucher förmlich und vom dichten Gedränge war nicht mehr viel zu spüren. Kein wunder das der aufmerksamen doch leider wieder in Straßenkleidung gehüllten Isabeaux sogleich ein alter Bekannter ins Auge fiel. Jener Meistermagier aus dem Magic Corner schien nicht bloß dort seine Finger im Spiel zu haben, nein er gehörte auch zu den Black Sharks, die hier mit ihrer Versteigerung reichlich Umsatz machten. Ein ziemlich unangenehmer Nebeneffekt, denn wir waren uns alle sicher, dass dieser es uns persönlich übel nahm, dass wir ihn beim letzten Treffen beinahe ins Jenseits befördert hätten.

Für heute war unser Blick jedoch auf den Datenstick gerichtet, dessen Eröffnungsgebot bei knapp 70.000 Nuyen liegen würde, wenn er am dritten Tag der Auktion verkauft werden würde. Die Idee den Stick später dem zukünftigen Besitzer abzunehmen lockte sehr, doch waren wir uns gewiss, dass dieser sich nicht freiwillig davon trennen würden und sorgten uns darum, dass rechte Zeitfenster zu verpassen. Also schlug Hawk kurzerhand vor, wir könnten ja jetzt mal reingehen und nachsehen, was wir so finden. Ein ziemlich unausgegorener Plan, dazu noch viel zu riskant.
Just zu diesem Zeitpunkt musste ich hören, wie Isabeaux Hawk erklärte, ich wäre nicht fähig drei Personen mit einer Verbesserten Unsichtbarkeit zu belegen. Eine Beleidigung und zugleich eine Herausforderung. Ganz sicher war ich nicht dumm genug einfach zu behaupten mir wäre dies ein Leichtes, denn drei gute Illusionen zu handhaben, hat schon seine Tücken und so erklärte ich, vielleicht ein wenig großspurig, solange die Geister uns entdecken könnten, würden die drei Zauber, die natürlich gar kein Problem seien, nutzlos.
Dumm nur dass die hübsche Isabeaux dies geschickt auszunutzen wusste. Wir könnten ja einen Geist beschwören, der uns abschirmt und so die Entdeckung verhindert. Nun war guter Rat teuer, einzugestehen, dass ich dies nicht vollbringen könnte, schied von vornherein aus, aber ein mächtiger Geist und drei Illusionen, war wirklich harter Tobak, es half alles nichts, wollte ich nicht wie ein Angeber dastehen, mussten die Zauber gelingen.

Um unsere Vorbereitungen zu tarnen, gingen wir gemeinsam zu den sanitären Anlagen, augenscheinlich ein sehr verliebtes Grüppchen mit amourösen Absichten. Dort wirkte ich meine Magie und obwohl ich unter der Last, all diese Zauber zu halten, doch ein wenig den Überblick verlor, gelang es mir, jeden einzelnen zauber, samt dem geist perfekt zu gestalten, es blieb sogar noch Luft dem Geist zu befehlen, mich im Fall einer Konfrontation zu schützen.
Geduldig warteten wir vor der Tür zum Unterbau des Stadions bis diese sich öffnete und wir hineinschlüpfen konnten. Ungeduldig nahm mich Hawk auf seinen Arm, angeblich weil ich gestolpert wäre und viel zu laut sei, aber ich denke, er war einfach von meiner Macht so beeindruckt, dass er es für angemessen heilt mir solcherart seinen Respekt zu bekunden.
Nun wurde ich also durch die Gänge getragen und musste für nichts weiteres Sorge tragen, als dass die Zauber nicht verschwammen. Noch nie hatte ich einen so leichten Run erlebt, wir marschierten vorbei an Wachen geistern und Kameras, überwanden eine Sicherheitstür und gelangten beinahe unbehelligt ans Ziel. Ein einziger geist bemerkte etwas und für den war es zu spät, als Isabeaux, erfüllt von einem ihrer Schreckenswölfe, diesen zerfetzte.
Nun gut, ein wenig Nervenkitzel war es schon, insbesondere als die Wachen mit den Schallsuchern kamen, aber mehr als ein paar Tropfen Schweiß kostete es nicht, hinausschleichen und in der Menge unterzutauchen. So glatt war der Run gelaufen, dass wir sogar noch genug Zeit hatten, uns den Auktionen zu widmen und die ein oder andere Sache zu ersteigern.

Ein paar Stunden später übergaben wir den geforderten und die anderen Sticks, strichen einen saftigen Bonus für Pünktlichkeit und die weitere Ware ein und machten uns mit prall gefüllten Taschen zufrieden auf den Heimweg.

In dieser Nacht schlief ich zum ersten Mal seit Jahren tief und fest. Sollte die Welt ruhig spotten, Zagroschim war wieder da und seine Bühne waren die Schatten.

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Politik
12.06.2075

Aus Zagroschims unveröffentlichten Tagebüchern,
später bekannt als die Chroniken von Zagroschims Wundertaten

Es war beinahe wie früher, beisammensitzen in geselliger Runde und über Politik und die wahrhaft wichtigen Dinge der Welt philosophieren. Nun nicht ganz wie früher, denn die Perspektive hatte sich gewandelt, aber zumindest ähnlich, denn an unseren Fäden, würde die Politik tanzen.

Doch ich greife vor. Jester rief uns ein paar Tage später an, er klang ein wenig angespannt, obwohl er wie stets, seine Stimmung wohl verborgen hielt. Sein Kontakt, Stadtrat Hess, der wohl bei mehr als einem unserer Runs vertrauliche Informationen beigesteuert hatte, war an ihn herangetreten und hatte sich nun seinerseits Unterstützung erbeten. Die Wahl in Seattle war nur noch zehn Tage hin und wollte er seinen Bezirk sicher gewinnen, mussten noch einige Rädchen bewegt werden. Dies allein wäre ja nun kein Problem, doch zugleich durfte Herr Müller, dem Spitzenkandidaten der Sozialisten, kein Haar gekrümmt werden, nicht einmal durfte dessen Ruf geschädigt werden, oder seine Karriere auch nur ein bisschen stocken. Die beiden waren Freunde, aber der Stadtrat zog es vor, selbst in freundschaftlichem Gerangel um einen Posten die besseren Karten zu besitzen. Ein kluger Mann, wie ich hier anmerken möchte.

Schon seit Jahren hatte ich mich nicht mehr mit Politik befasst, wozu auch und so dauerte es ein wenig die Situation voll zu erfassen.
Stadtrat Hess und seine Konservative Partei hatte ungefähr 37% der Stimmen, die Sozialisten hinter Stadtrat Müller ebenso. Unterstützt wurden die Konservativen vom metamenschenfeindlichen Humanis Policlub und die Sozialisten, von den radikal angehauchten Umweltaktivisten.
Somit gab es in Renton ein Kopf an Kopf Rennen, dass wir zu entscheiden hatten.
Metamenschen Vandalismus um die Konservativen zu stärken schoss uns durch den Kopf, vielleicht als Illusion, gemischt mit einer Truppe Narren, die die Polizei dann verhaften konnte.
Falsche Nachrichten lancieren, entweder gegen die anderen, oder gegen Stadtrat Hess, um dann von einer Schmutzkampagne gegen ihn zu sprechen und einen öffentlichen Widerruf zu erzwingen.
Wahlwerbung manipulieren, indem man die AR ein wenig umgestaltet, oder den ein oder anderen Slogan ändert. Oder aber einfach die Wahlagentur der Sozialisten mit ein paar Fehlern diskreditieren. Die Wahlrede Stadtrat Müllers aus der letzten Wahlperiode, Wahlpräsente die bereits abgelaufen oder von minderer Qualität waren.

Alles gute Ideen, aber noch nicht der zündende Funke, der die Wahl entscheiden würde. Dann war es Jester, der den ersten Volltreffer landete. Die freiwilligen Wahlhelfer, jene die in der Stadt das Rückgrat der Sozialisten waren, jene die ihre Mitmenschen mitrissen und die Wahl katalysierten ausschalten. Manche gewannen im Preisausschreiben, andere fingen sich einen Salmonellen Virus ein und weitere ähnlich gelagerte Möglichkeiten standen im Raum.

Dann war es an mir zu brillieren. Schon zuvor hatte ich vorgeschlagen ein politisch brisantes Werk zu fälschen und den richtigen Stellen zuzuspielen, um z. B. die Umweltaktivisten in Verruf zu bringen und somit indirekt die Wahl zu entscheiden. Doch dabei gab es zu vieles zu bedenken, die Fälschung musste gut sein, das würde kosten und außerdem mussten die Wählerströme prognostiziert werden, schließlich wollten wir ja einen positiven Effekt erzielen und nicht aus Versehen den Wahlkampf der Sozialisten ankurbeln.
Warum dann nicht direkt die Sozialisten angehen? Zu riskant, dass würde sicherlich Stadtrat Müllers Ruf schaden und Stadtrat Hess hatte sehr klar gemacht, dass er solches nicht dulden würde.
Endlich dann der Durchbruch. Redmond!!!
Ihr fragt euch jetzt sicher, was denn der Nachbarbezirk mit der Wahl in Renton zu tun hat und werdet gleich überrascht aufstöhnen. Was wenn in Redmond ein internes Parteipapier erscheinen würde, dass vorschlägt Bezirke zusammenzulegen, um angeblich Verwaltungskosten zu sparen. Eine Datei die vorschlägt Renton und Redmond zu vereinen. Ausgerechnet Redmond, einen der ärmsten Bezirke, wo jeder anständige Bürger sofort fürchten müsste, dass seine sauer verdienten Steuern armen Schluckern in den Rachen geworfen würden. Vielleicht ja auch gekoppelt mit der subtilen Andeutung dafür sorgen zu wollen, SINlose erneut in die Gesellschaft einzugliedern. Ein Fass ohne Boden, dass jeden anständigen Bürger schocken und in die Arme der artig wartenden Konservativen treiben würde.
Der Gedanke wurde gar noch besser, als ein kurzer Blick in die Matrix ofenbarte, dass eine sozialistische Menschenrechtlerin Bürgermeisterin Redmonds war. Die fingierte Datei läge direkt auf ihrer Linie, wäre also umso glaubhafter und wenn die Presse in Redmond einfallen würde, wäre beinahe garantiert, dass sie die Gelegenheit nutzen würde, um sich zu profilieren und ihre ziele voranzutreiben. Selbst wenn sie so zurückhaltend und diplomatisch wäre, wie nur denkbar, wären ihre Worte so radikal, dass es einfach zu einer Wählerwanderung kommen musste, einer Wählerwanderung hin zu den Konservativen, die all diesen radikalen Unsinn ablehnten, wohingegen die Sozialisten ja nun offenkundig mit dieser Wahnsinnigen liebäugelten.
Als kleines Bonbon obenauf kam die Tatsache, dass ein solcher Run eher ein Spaziergang werden würde. Das Wahlbüro in Redmond war ganz sicher nur rudimentär bewacht, die Hardware veraltet und niemand würde sich besonders darum bemühen unsere Datei als externe Fälschung zu entlarven, nicht wo sie doch so gut ins Parteiprogramm passte.

Jester grinste über beide Ohren und auch mir stahl sich ein selbstzufriedenes Lächeln aufs Gesicht. Bald würden wir auf der Siegesfeier des neuen Bürgermeisters stehen und uns, über ein Glas edlen Wein hinweg, zuprosten.

Beglückt nahm ich zur Kenntnis, wie mir Jester eine Flasche edlen Whiskey reichte, einen Tropfen, den ich seit fast fünf Jahren nicht gekostet hatte und den ich mir für einen ganz besonderen Augenblick aufheben würde, um ihn dann gemeinsam mit meinen neuen Freunden zu genießen.

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Das Licht der wahren Welt

Aus Zagroschims unveröffentlichten Tagebüchern,
später bekannt als die Chroniken von Zagroschims Wundertaten

Der nächste Auftrag ließ auf sich warten und so blieb mir viel Zeit mich den wichtigen Dingen der Welt zu widmen. Gesellige Stunden in Fedges Kneipe, oder mit den neuen Freunden in ihrem geräumigen Haus. Nun gut, es war eigentlich ein recht bescheidener Bau in einer noch bescheideneren Gegend, aber nach den Jahren in Fedges Hinterzimmer, wirkte es wie ein Palast.
Erfüllt von dem Gefühl des Erfolges und der Freude an der Magie, wie ich sie lange nicht gekannt hatte und dem neu gewonnenen Reichtum, so bescheiden er auch sein mochte, fühlte sich alles wie ein neues Leben an. Als allererstes gönnte ich mir ein wenig Luxus. Kleidung, nicht die abgelegten schäbigen Fetzen, auf die ich seit Jahren angewiesen war, sondern ein Anzug, wie er einem Magier wie Zagroschim dem Wunderbaren zusteht. Es war fast wie früher und damit kamen auch die Gedanken an damals, an Miss Helena, mit der ich kürzlich einen wundervollen Abend verbrachte, aber auch an Darokin, dieses Aas, dass aus Neid mein Leben ruinierte. Ihm würde ich zu gegebener Stunde meine Rache eiskalt servieren, doch bis dahin blieb mir nichts, als Erinnerungsfetzen mit Bier zu betäuben, denn noch lange war Zagroschim der Wunderbare nicht wiedergeboren. Mochte ich meine Gefährten mit meiner Zauberkunst auch noch so verblüffen, es galt noch vieles neu zu entdecken, was mir damals so leicht fiel.

In dieser gemütliche Eintracht fiel die Ankunft von Wheelz Bruder. Nun Ja, was er so Bruder nannte. Ein Ganger, der ein paar Jahre bei der Fremdenlegion verbrachte. Still zurückhaltend, aber nicht unangenehm. Sicherlich eine gute Ergänzung für das Team, auch wenn mir jemand mit Manieren lieber gewesen wäre.

Da schien es fasst, als wären meine Gedanken lebendig geworden, denn unser nächster Auftrag, oder wie sie in den Schatten sagen Run, führte uns zurück ins Licht des wahren Lebens.
Jester stritt sich mal wieder mit Hawk und der niedlichen Lady Isabeaux, diesmal über die Belanglosigkeit von Filmen. Echt oder vergangen in kümmerlich krümeliger zweidimensionaler Ausführung. Beides Unsinn, das Leben spielte jetzt und nichts was aufgenommen und bearbeitet war, konnte dem Wert einer realen Aufführung nahe kommen. Jedes dieser Filmchen konnte ich innerhalb von Minuten, weit besser und kreativer mit meiner Magie vorführen, doch davon wollte niemand dieser Kretins etwas wissen. Einzig Jester stimmte zu, kein Wunder, er kommt nicht aus der Gosse, sondern war wie ich Teil der wahren Welt.

Da wurden die ausdrucksstarken Augen der Lady Isabeaux trüb und jeder, der eine Spur Auffassungsgabe besaß, spürte, wie sie sich angesichts einer neuen Aufgabe versteifte. Minuten später war klar, es gab Arbeit, dazu noch von einem neuen Johnson, den wir nicht kannten und von dem wir auch kaum etwas erfuhren, geschweige denn von der Aufgabe die uns zugedacht war.
So kam es also, dass wir uns mit unserem Mr. Johnson in einer schmuddeligen Arbeiterkneipe treffen sollten. Dieser hatte von Höflichkeit und Umgangsformen so wenig Ahnung, wie es sonst nur Nacktschnecken vermögen. Zuerst ließ er uns in dieser Absteige warten, dann zitierte uns einer seiner Lakaien herbei und zu allem Überfluss wurden wir mit Waffen und Drohnen empfangen. Nun gut, was soll man auf der Straße erwarten.
Zumindest war der Auftrag ebenso simpel wie erfreulich. Wir sollten aus einer Kunstsammlung, die in einem gehobenen Hotel ausgestellt wurde, eines der unbedeutenderen Exponate entwenden. Ein Collier von einigem Wert, aber recht wenig Stil, überfrachtet mit Gold und Edelsteinen, ein typisch russisches Prunkstück. Der russische Mäzen stellte im Swansee in Downtown zum Anlass seines Geburtstags seine Sammlung aus und hatte ausschließlich den unwichtigeren Teil der Oberschicht eingeladen, wie mir Miss Helena sehr zu Recht empört berichtete.

Nun standen wir vor der Aufgabe uns zuerst einmal einen Überblick zu verschaffen. Die ansehnliche Miss Isabeaux an meiner Seite, beschloss ich vom Abklatsch meines früheren Ruhmes zu zehren. Als Zagroschim der Wunderbare betrat ich das Hotel, um dort einen angemessenen Saal zu mieten. Nichts als Show, aber gut genug uns die Räumlichkeiten anschauen zu können, einzig den großen Saal, in dem bereits Vorbereitungen für die Feier liefen, konnten wir nicht in Augenschein nehmen.
Hawk ließ derweil seinen Geist durch den unwirklichen Matrixdschungel gleiten und brachte uns weitere Kleinigkeiten, die das Bild ergänzten. Am ehesten wäre es wohl sinnvoll, sich am ersten Tag der öffentlichen Veranstaltung einen Überblick über die Wachen zu verschaffen um dann recht bald mit klaren Vorstellungen planen zu können. Nichts desto trotz ließen uns unsere letzten Erfolge kühn werden, warum nicht auf der Geburtstagsfeier, direkt unter den Augen des Gastgebers?
Bald aber zerschlugen sich diese Hoffnungen, obwohl Hawk kühn in die Verwaltung des Hotels einstieg und dort weitere Informationen erbeutete, war die Zeit einfach zu knapp und die Informationslage zu ungenau, um jetzt schon loszuschlagen.
So blieb wenig, als zu rekapitulieren und uns ein wenig zu gedulden. Es gab viele Ansätze, da war die junge Frau des Gastgebers, über die wir vielleicht Druck ausüben konnten, die Hoteltechnik kontrollierte Licht und Anordnung der modularen Räume, war also ein guter Ort, um unsere Bemühungen zu unterstützen. Die Wachen in den Räumen waren eher nachlässig verteilt und sicherten das Collier nur unzureichend. Dazu gab es gleich mehrere Eingänge, jenen von Außen, der dem breiten Publikum offenstand aber auch ein Verbindungsgang ins Hotel hinein, wo das Gedränge sicherlich weit weniger dich sein würde.
Dem entgegen stand die recht kleine, aber gut aufgestellte Sicherheitsmanschaft der Firma N.Thorn sowie ein handelsüblicher Sicherheitskontrakt samt einiger Klauseln mit Ares Security.

Neben all diesen ermüdenden Kleinigkeiten die es zu erledigen galt, gelang es uns, einen weiteren unserer Mitstreiter in die Kunst der Bekleidung und der Etikette einzuführen. Hawk ließ sich, verführt von Jesters Geld, nur zu bereitwillig in einen chicen Anzug kleiden und würde sicherlich, wenn wir noch ein paar Monate an ihm arbeiteten, die gröbsten Höflichkeitsformen erlernen, um in einer Gesellschaft zumindest nicht sofort als Außenseiter hervorzustechen.
Unser Neuer war zumindest bemüht und hatte, für seinen Anspruch auch gutes Händchen bewiesen, denn er erschien nach einer Weile mit einem dieser fürchterlichen, doch sehr angesagten Anzüge, die ärmellos und abgewetzt den Stil der Straße mit dem der Society in Einklang zu bringen versuchen. Scheußlich, aber irgendwie auch angemessen für einen Soldaten.

Damit waren wir bereit und vollzählig und zu meiner großen Freude stand uns ein Tag in der Kunstausstellung bevor. Ein Tag, an dem man nicht abgerissene Bettler, sondern wahre Menschen traf, mit ihnen plauderte und sich dem Genuss eines guten Glases Champagner hingab, derweil man mit den Damen kokettierte und mit den Herren über die Gesellschaft philosophierte.

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Unvorhersehbare Probleme

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Es wurde, auch mit der Auflage, sich zumindest ein wenig mit der Sicherheit der Ausstellung zu befassen, ein wundervoller Tag. Die Gesellschaft, die Konversationen, die Kunst …
Die Gelegenheit endlich mal wieder mit einer Dame, abgesehn von Miss Isabeaux, deren Manieren selbstverständlich nahezu untadelig sind, zu kokettieren und mit ein paar Herren zu reden, deren Sprache nicht bloß grobschlächtiges Werkzeug ist, sondern ein Mittel der Welt Farbe zu verleihen. Auch hier muss ich meinen Gefährten Jester ausnehmen, dessen Ausdruck und Wissen um die wichtigen Dinge im Leben dem meinen kaum nachsteht und der mich, allein durch seine strahlende Anwesenheit das Dunkel der Schatten ein wenig leichter ertragen lässt.
Doch ich schweife ab. Die Ausstellung war, wie ich sogleich bemerkte, durch einen Hüter gesichert. Das Wachpersonal, acht rotierende Sicherheitsmänner, war strategisch recht gut verteilt, hielt aber sein Augenmerk, selbstverständlich eher auf den wichtigen Stücken als auf jenem Collier, dessen Wert im Vergleich zu Faberge-Eiern nichtig war. Um die Exponate gab es Trittschallsensoren und jedes einzelne davon befand sich hinter bruchsicherem Glas. Wie Hawk, der, endlich einmal stilvoll gekleidet, nicht weiter auffiel, bemerkte, gab es einige Sicherheitskameras, die den Raum abdeckten, ohne sogleich die Öffentlichkeit zu bedrängen. Für uns am Entscheidendsten war die Tatsache, dass die Exponate auf versenkbaren Sockeln standen, bei Alarm also einfach eingefahren wurden und somit im Sicherheitsbereich gut verborgen gegen unser Vorhaben gesichert waren.

Wosznik, der Mäzen der Ausstellung und seine junge und überaus attraktive Frau, schienen uns nicht die rechten Personen, um unseren Run voran zu treiben und so machten iwr uns,ausgestattet mit einigen Gebäudeplänen und noch weit mehr Gedanken auf den Rückweg, schon halb bereit den Coup durchzuziehen.

Kaum zu hause erhielt ich eine Nachricht von Miss Helena, jener schönsten aller Rosen, die mein Herz besitzt und deren Liebe ich voller Hingabe erwidere. Empört war sie, aber auch ein wenig neugierig, immerhin sprach die Presse von der Rückkehr Zagroschim des wunderbaren. Für Miss Helena aber mindestens ebenso wichtig, war die Tatsache, dass sich Miss Isabeaux, als wir das Hotel erkundeten, als meine zukünftige Gemahlin ausgegeben hatte und mit Freude im Herzen, aber auch ein wenig schlechtem Gewissen, nahm ich die Eifersucht der einzig wahren Dame meines Herzens zur Kenntnis. Natürlich sandte ich ihr tausend liebende Worte und ein paar Krumen als Erklärung, nicht mehr als nötig, denn ich wollte sie nicht gefährden.

Als ich meinen Gefährten überaus stolz die Bilder aus der Matrix zeigte, die Zagroschims Rückkehr belegten und auch sie, am Glanz meines Ruhms teilhaben ließen, waren diese zu meinem Entsetzen nicht bloß nicht erfreut, sondern zornig und aufgebracht. Als hätte es nicht ihr klägliches Kleben im Schatten aufgewertet, einmal zumindest ein wenig im Licht der Öffentlichkeit zu stehen.
Nachher versuchten sie es mir zu erklären und mir alle Schuld an einem nicht vorhandenen Vergehen in die Schuhe zu schieben. War es meine Schuld, dass Miss Isabeaux und Jester von Konzernen verfolgt wurden, war es meine Schuld, dass ihre illegalen Sins, die ohnehin bei jeder Straßenkontrolle auffielen, nun im Licht der Öffentlichkeit, nicht länger taugten?
Erbost fuhren sie mich an, sprachen davon, ich sollte ihnen alle Kosten für die Entfernung ihrer Bilder aus der Matrix und all den Ärger ersetzen.
Ärger! Bloß weil sie das Glück hatten an Zagroschims Ruhm teilzuhaben.
Nun ja, ein wenig konnte ich sie ja verstehen, aber statt sich zu grämen, hätten sie besser um meinen Rat gebeten, dann wären wir ganz sicherlich schneller zu einer Lösung gekommen. Zumal ja offenkundig war, dass mein Ruhm ihnen die Türen der Ausstellung öffnen würde und zudem einige wohlplatzierte Interviews unsere leeren Kassen reichlich füllen würden.
Einzig Wheelz verstand mich und so feierten wir ausgelassen Zagroschims Rückkehr, auch wenn ich schon an diesem Abend befürchtete, dass es vielleicht eines der kürzesten Comebacks der Geschichte werden würde.

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Zagroschims Tod

Aus Zagroschims unveröffentlichten Tagebüchern,
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Am nächsten Morgen, noch leicht verkatert von der ausgelassenen Feier, wurde ich erneut mit Vorwürfen und Anschuldigungen überhäuft. Alle redeten wirr durcheinander, ich sollte einen Plan machen um alles auszubügeln, all das Geld ranschaffen und zugleich noch meine Sin verbrennen, indem ich Zagroschim sterben ließ. Sterben! Jetzt wo ich zurück war!
Es dauerte doch eine ganze Weile, aber zuletzt musste ich einsehen, dass wenn ich mein Geld im Zwielichtreich der Schatten verdienen wollte, es wohl besser war, Zagroschims Spuren zu verwischen. Immerhin war jetzt noch nicht der rechte Augenblick um diesen verdammten Darokin zu erledigen und bis ich genug Geld hätte und einen narrensicheren Plan, konnte ich nur darauf hoffen unerkannt zu bleiben.
Welch hartes Los. Unerkannt! Ein Licht in der Finsternis, dem verboten wird zu strahlen. Eine Motte, wo ich doch der extravaganteste Schmetterling war.

Nachdem meine Entscheidung gefallen war und dabei hatten mich Hawks doch recht rüden Drohungen weit weniger bewegt als Miss Isabeaux einfühlsamen Hinweise, bat ich diese mir über Rose, unsere Schieberin, eine Sin zu bestellen, damit Zagroschim, am Abend seiner Wiederkehr, erneut verschwinden würde. Der größte Trick von allen sollte es werden.

Schnell war geplant, wie wir dieses Problem lösen konnten, derweil Hawk dankenswerter Weise in der Matrix spazieren ging, um digitalen Fährten zu folgen. Er murmelte so unwichtige Dinge, wie das ein unbekannter seine Netzpräsenz hatte verschwinden lassen und er nun unbedingt wissen müsste, welcher unbekannte Gönner dies für ihn erledigt hatte.
Derweil fanden Isabeaux scharfer Verstand und mein Gespür für Dramatik zueinander. Wir würden, über die Verbindung zu Bezirksbürgermeister Hess, Zagroschims DNA mit der einer Gnomenleiche, die Miss Isabeaux aus zwielichtigen Quellen besorgte, vertauschen und später diese Leiche dann bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, am Tatort zurücklassen. Niemand würde wissen, dass nicht Zagroschim den Tod fand. Nun gut, zumindest niemand, der darüber reden würde.
Sam mussten wir einweihen, da er die Rechte an Zagroschims Rückkehr erhalten sollte, natürlich mit bescheidenen Tantiemen für uns. Miss Helena musste es wissen, damit sie sich nicht zu Tode grämte und damit sie Jester, der meinen Manager spielte, ein wenig unterstützen konnte.

So war der Plan ebenso einfach wie brillant, mein Manager besprach mit Wosznik die Details eines Auftritts in den Kostbarkeiten seiner Ausstellung. Eine Westernshow, mit Raubüberfall und humoristischen Aspekten, zwar bloß in bescheidenem Rahmen, da die Möglichkeiten fehlten, aber ein wundervoll kleiner Auftritt.
Derweil alle Augen auf mich gerichtet waren und Jester mich aus dem Publikum mit Hinweisen und Stichworten unterstützte, schlichen sich Isabeaux und Hawk, gemeinsam mit Shooter hinab in den Sicherheitsbereich, wo sie das Collier, nach einer recht blutigen Schießerei, erbeuteten. Von dort ging es weiter, direkt durch den Boden des Hotels in die Tunnel des Orkuntergrundes, die uns für ein horrendes Honorar in Sicherheit führen würden.
Derweil bemerkte ich, oben während meiner Show, dass das Collier nicht wie gewünscht auftauchte, vermutete Raub und machte mich, sehr zum Verdruss der Sicherheitsfirma und des Publikums, unter der gespielten Panik meines Managers, auf, die Diebe zu stellen. Ich war ihnen nah auf den Versen, als dieser übereifrige Shooter seine Rolle ein wenig zu genau nahm und mich in die Schulter schoss. Hölle welch brennender Schmerz, noch dazu so ganz und gar unnötig.
Meine Kameraden verschwanden durch ein mit Phosphorgranaten gebranntes Loch und ich folgte nur Sekunden später, angeblich den gemeinen Dieben auf der Fährte. Dort im Loch lag die Gnomenleiche, direkt neben einer weiteren Phosphorgranate, die diese bis zur Unkenntlichkeit versengen würde und die zugleich den Tunnel für einige Sekunden unpassierbar machen würde.
Hinter uns die Flammen der Granate, trafen wir auf einen schweigsamen Ork, der uns durch die Tunnel, durch enge Stollen, ekelige Abwasserrohre und mehr als einen Umweg bis in die Barrons führte. Fünf Stunden harter Fußmarsch! Ekelig! Widerlich!
Ein Wunder dass sich die Wunden meiner Gefährten nicht entzündeten!

Als ein paar Tage später die Wunden geheilt waren, fuhren Hawk und Isabeaux zur Übergabe mit unserem Mister Johnson. Ich selbst blieb zurück, da mir gesagt wurde, ich solle lieber noch eine Weile von der Bildfläche verschwunden bleiben.
So kam es aber auch, dass ich nicht zur Stelle war, als meine Gefährten betrogen und niedergeschossen wurden. Dieser Bastard eines Johnsons krallte sich das Collier und seine Handlanger mähten mit ihren Sturmgewehren meine vertrauensseligen Gefährten nieder.
Zum Glück erlitt keiner von ihnen mehr als bloß einige unangenehme Blessuren. Ganz sicher hätte ich mich daran gemacht diesen Verräter zu fassen und zu erledigen, aber Miss Isabeaux hielt mich zurück. Sie sagte in den Schatten ticke die Welt ein wenig anders, es wäre an unserer Schieberin sich um das Problem zu kümmern, da es unserem Ruf schaden könne, wenn wir den Mr. Johnson, so gerecht es auch wäre, erledigen würden.
Was für eine Narretei, wir verloren unser Gesicht, wenn wir uns, ohne mit der Wimper zu zucken, anschießen ließen. Die paar Nuyen waren verschmerzbar, aber so eine Dreistigkeit hinzunehmen, lag außerhalb der Vernunft, zumindest jener, die in der wahren Welt herrschte.

Aber da ich nun einmal auf Gedeih und Verderb an meine neuen Gefährten gebunden war, blieb mir nichts als einzuwilligen Ruhe zu bewahren. Derweil machte ich mich daran zu planen, wie denn das Image des neuen Zagroschim in den Schatten so werden sollte. Ein Umhang? Vielleicht eine Spur zu extravagant, aber eine Rose war doch ein schönes Markenzeichen und zugleich ein Versprechen, irgendwann zurückzukehren und meine Rose, die wunderbare Miss Helena, auf immer in die Arme zu schließen.

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Verdammter Montag

Aus Zagroschims unveröffentlichten Tagebüchern,
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Es war ein verdammter Montag, nach zwei Wochen Flaute im Geschäft und horrenden Kosten für eine Sim, die ich nur benötigte, weil Zagroschim sterben musste, hielt ich es für das Beste, den ganzen Frust zu Fedge zu tragen und dort bei ein paar Bier ausführlich hinunterzuspülen.

Die übrigen im Haus waren ohnehin nicht gut auf mich zu sprechen und insbesondere Hawk schien sich darauf zu versteifen, mich lehren zu müssen. So waren wir in einer Squatter Einkaufsmeile gewesen, eher einem Flohmarkt für Dinge zweiter Hand. Es war laut dreckig und stillos, also genau sein Metier. Wenigstens nötigte er mich nicht Flohverseuchten Kram zu kaufen, noch musste ich meine letzten Nuyen für etwas so widerwärtiges wie gebrauchte Straßenkleidung ausgeben, aber es genügte schon, dass er ganz ofenkundig vorhatte mir vorzuführen, wie elend das Leben sein kann. Als ob ich dies nicht nach drei langen Jahren bei Fedge längst verinnerlicht hätte. Bloß weil ich mich ungern in den Schmutz begebe, heißt das nicht, ich wäre blind für die unerfreulichen Tatsachen eines Lebens auf der Straße.

Wenigstens schien sich Wheelz! nicht zu sehr durch Zagroschims Tod verändert zu haben, denn langsam ging mir dieses ZigZag ganz schön auf die Nerven. Warum mussten wir diese Scharade jetzt auch noch im Haus spielen. Nun gut, es machte Sinn sich daran zu gewöhnen, aber gefallen musste es mir ja nicht.
Zum Glück hatten die anderen genug zu tun, insbesondere Jester und Isabeaux schienen beschäftigt einen magischen Zirkel zu gründen und Hawk verschwand ja stets für ein paar Tage nach Hause, ehe er dann wieder hereinschneite, um mich zu belästigen.

Nun aber zurück zu diesem unerfreulichen Montag, der unser aller Leben durcheinander wirbelte. Wie ich später erfuhr, war ich nicht der einzige, dem an diesem Tag Unerfreuliches widerfuhr und so möchte ich kurz abschweifen, um zu berichten, was die anderen erlebten, obwohl ich selbst davon erst weit später erfuhr.

Hawk hatte Post von seinem Matrixgeist bekommen. Direkt auf sein Deck, ohne Spuren oder Absender, ein unberechtigter scheinbar unmöglicher Zugriff. Nun ja, er schien angemessen verärgert zu sein, was mich insgeheim dann doch erheiterte.
Sein geheimer Wohltäter hatte einen Auftrag für ihn, irgendwelche Daten besorgen, direkt aus einem Lonestar Cluster.

Isabeaux wurde von Mr. Cursed, unserem Lieblingsjohnson, angefordert, nur um bei der Beerdigung ihrer Mutter zuschauen zu dürfen. Wie ich erfuhr, war sie schon als kleines Kind fortgelaufen und nun, nach einiger Zeit in den Schatten, traf sie der Verlust ihrer Mutter gleich doppelt hart. Als wäre dies nicht genug, stellte sich heraus, dass es auch noch ein heimtückischer Mordanschlag war. Ein Kerl mit großer Flinte hatte ihren Eltern nach einem Restaurantbesuch aufgelauert und gnadenlos abgedrückt, mitten in Bellevue. Ihr Vater hatte verletzt überlebt, aber durch Zufall oder mit Absicht ließ sich aus der Ferne nicht ermitteln.
An sich schon übel genug, aber mein Verstand galoppierte schon weiter, welchen Grund hatte Mr. Cursed Isabeaux diese Information zuzuspielen.

Zum gleichen Zeitpunkt wurde Jester von John Hess, dem Bezirksbürgermeister angesprochen, ob er nicht, für einen Kollegen von ihm, einen Mord ausführen könnte. Wetwork, wie es hier in den Schatten heißt. Eigentlich nicht ganz unser Stil, aber die Flaute hatte unsere Ressourcen angegriffen und zudem schien das Ganze ein Wirrwar von Fäden zu sein, die scheinbar doch verbunden waren. Wir mussten einfach mehr wissen.

Mir aber wurde wohl die größte Unannehmlichkeit zuteil. Ich spazierte auf Fedges Kneipe zu, sozusagen das einzige Licht an diesem düsteren Montag, als ein stechender Schmerz in meine Brust fuhr und die Lichter verloschen.
Es war wohl eine ganze Weile später, als ich erwachte und in das besorgte Gesicht von Isabeaux blickte. Neben ihr ein Straßendoc, dessen Fähigkeiten wohl seinen unangenehmen Stil vergessen ließen. Scary war das erste was mir einfiel, aber als ich dann auf das Loch in meiner Burst blickte und erstaunt feststellte, dass ich schon wieder, oder besser gesagt, noch immer unter den Lebenden weilte, schien es mir angemessen die Rechnung für diesen, mit einem kleinen Bonus versüßt, zu bezahlen.
Miss Isabeaux berichtete mir von einem Scharfschützen, der von einem fernen Dach auf mich geschossen hatte und natürlich kam mir gleich diese Natter von Darokin in den Sinn, denn wer sonst sollte mit solch ekelhaft unzivilisierten Methoden arbeiten. Derweil Jester den Ort des Geschehens untersuchte, eilte Hawk zielstrebig zur vermeintlichen Position des Mörders, um, da dieser ganz sicher weg war, zumindest ein paar Spuren zu finden.
Eine ziemlich unvorsichtige Idee, wie ihm Jester nachdrücklich mitteilte und wie bestätigt wurde, als wir alle über Comlink hörten, wie Hawk von einer Mine zerfetzt wurde. Sekunden später waren wir unterwegs. Miss Isabeaux mittels eines in sie gefahrenen Geistes, der sie mit ungeheurer Geschwindigkeit dahinjagen ließ, wir anderen etwas ruhiger mit Wheelz! Auto.

Kaum waren wir unterwegs, hörten wir die zweite Detonation, eine weitere Mine, die Hawk trotz größter Vorsicht auslöste. Kurz darauf dann eine noch heftigere, die Treppe war mit Sprengstoff ausgestattet worden und nur Miss Isabeauxs übernatürliche Geschwindigkeit rettete ihren hübschen Hintern.
Endlich auch vor Ort, kraxelte ich, noch immer leicht benommen von meiner Wunde, ins Gebäude und nahm mittels ein wenig Squatterblut die astrale Fährte auf. Unser versuchter Mörder hatte einige von ihnen verletzt und vertrieben und vielleicht war das die Spur die uns zu ihm führte. Ein Geist würde den Squatter schon finden.
Hawk und Isabeaux fanden nicht viel, außer einem Geist der sie aus großer Höhe beobachtete und anscheinend zu unserem Mörder gehörte. Ganz offensichtlich besaß dieser viele Talente.

Erneut in Wheelz! Wagen kam es zu einer etwas unglücklichen Auseinandersetzung zwischen mir und Hawk, der es mir wohl übel nahm, dass ich seine Bemühungen mit spitzer Zunge kommentierte. Im Nachhinein tat es mir schon ein wenig leid, aber wer konnte auch ahnen, dass Hawk gleich beleidigt davon stapfen würde.
Derweil also Miss Isabeaux vom Tod ihrer Mutter erzählte, lief Hawk allein durch die Gassen, nur um von unserem Mörder hinterrücks niedergeschossen zu werden. „Falsche Freunde!“, war der einzige Kommentar.
Es war pures Glück, dass unsere Verbindung noch offen war und wir die Schüsse hörten, aber ohne genauen Ort konnten wir nicht mehr tun, als uns auf ein schnelles Eingreifen vorzubereiten. Glück war es auch, dass die Crows, die örtliche Gang just zu diesem Zeitpunkt aufkreuzte und den Mörder unter Beschuss nahm, ehe er Hawks Lebenslicht auspusten konnte. Endlich konnte er uns ein Signal senden und wir waren unterwegs. Wie der Blitz schoss ich aus dem Auto, beäugte erschrocken Hawks mannigfaltige Wunden und machte mich sogleich daran, diese zu verbinden. Wie gut, dass ich mich mehr als nur ein wenig mit diesem Thema befasst hatte, derweil ich erforschte, ob es nicht doch einen Weg gibt Entzug zu mildern.
Nach einem abrundenden Heilzauber sah die Welt schon wieder freundlicher aus und wir machten uns daran, den Ort des Geschehens zu verlassen. Hier war es zu unsicher und zu allererst mussten wir herausfinden, wer es da auf uns abgesehen hatte.
Hawks Matrixkünste brachten recht bald eine Antwort, jemand hatte ein Kopfgeld auf mich ausgesetzt und anscheinend hatte ein Profi den Auftrag gesichert. Eigentlich eine ziemlich unerfreuliche Sache, aber zumindest die Höhe des Kopfgelds stimmte mich versöhnlich. 150.000 Nuyen!!!

Nun gut, ich konnte mir denken, wer da so viel Geld bezahlt hatte. Dieser Wurm Darokin gab sich wohl nicht damit zufrieden, dass Zagroschim tot war, jetzt sollte mein Tod endgültig werden.

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Katerstimmung

Aus Zagroschims unveröffentlichten Tagebüchern,
später bekannt als die Chroniken von Zagroschims Wundertaten

Eine Woche deren Montag schon so scheußlich begann, konnte einfach nicht gut werden. Es kam wie es kommen musste, es wurde schlimmer.
Miss Isabeaux nahm mich und Wheelz! beiseite, um uns nachdrücklich zu erklären, dass der Name Zagroschim nun endgültig tabu war. Vielleicht hatte sie ja sogar recht, aber so darauf herumzureiten reizte mich einfach dazu, ihr vehement zu widersprechen. Ich war nun einmal Zagroschim der Wunderbare und nicht dieser namenlose Zigzag. Andererseits reifte in meinem Kopf schon eine Idee, wie ich diesen glanzlosen Namen mit Witz und Esprit füllen könnte.

Aber zuerst galt es wichtigeres zu bedenken. Ein bis zwei Mörder mussten gefasst werden, dazu wollte dieser Lonestareinsatz angegangen sein und wenn Jester zurückkam, wollte dieser sicher auch seinen Wetworkauftrag vorantreiben.

Derweil wir also planten, machte sich Hawk daran, bei Lonestar einzudringen, um schon einmal einige Daten zu finden. Kein leichtes Unterfangen und als er zurückkam, sah er aus, wie ich mich ohne mein morgendliches Bier fühlte.
Zumindest hatte es sich gelohnt, wir wussten nun, dass der Mord an Isabeaux Mutter von derselben Gruppe ausgeführt wurde, wie jener Mordanschlag auf meine Person. Schwarz vermummte Gestalten mit Tiermasken vor den Gesichtern. Nur leider wusste nicht einmal die hübsche Rose uns mehr zu sagen, als dass diese Kerle wohl alle paar Jahre auftauchen, einen Sackvoll käuflicher Morde abliefern, um dann zu anderen Weidegründen weiterzuziehen.
Laut Hinweisen, die wir uns aus dem Polizeibericht zusammenreimten, gab es bei unseren Feinden wahrscheinlich auch einen recht erfolgreichen Decker, neben unserem Adepten zumindest noch einen Sam und wie wir vermuteten und wie sich später bewahrheiten sollte, einen Magier. Genug also, um meinen herrlichen kleinen Plan noch eine Spur gewagter zu machen.

Nicht gerade ungefährlich für uns, andererseits blieb uns eh keine Wahl, als uns mit diesen Profis anzulegen. So reifte in mir schnell ein recht guter, aber auch riskanter Plan. Warum nicht Informationen lancieren, ich sei in den Barrons untergetaucht und würde dort auf Informationen warten. Dann wären sie sicher so begierig, zumindest einen Späher vorbeizuschicken, dem wir verfolgen konnten, oder einen Geist, den man an sich binden konnte, um endlich auch einen Trumpf gegenüber dem Feind zu haben.
Zur Sicherheit machte ich mich daran, einen Geist zu beschwören, der uns im Zweifelsfall den Hintern retten konnte, doch irgendwie war dies nicht mein Tag, die ersten Geister erschienen nicht, die nächsten gingen wieder und zuletzt versagte ich gar darin den Geist zu binden und verbrannte einen ganzen Sack kostbarster Reagenzien.

Ein wenig erschöpft genehmigte ich mir, nachdem die Nervensägen und Klugscheißer, die riefen, der Arzt hätte erwähnt ich solle nicht trinken, im Bett waren, ein oder zwei, nun genauer gesagt drei Bier und das nächste, was ich wusste, war, dass ich in meinem Bett wieder erwachte und Miss Isabeaux mich mit einem strafenden doch auch irgendwie verstehenden Blick bedachte, als ich am nächsten Mittag die Treppe heruntertorkelte.

Auch Hawk war nicht wesentlich glücklicher, er stromerte in der Matrix herum, erflehte ein paar Gefallen und versuchte in eines der Schattennetzwerke zu gelangen, um brauchbare Informationen auszugraben. Langwieriger Kram, der einzig dadurch erträglich wurde, dass der sonst so selbstbewusste, manchmal gar schroff auftretende Hawk vor Ärger fluchte und mal hier mal dort erzählte, was ihm wieder über die Leber lief. Nicht die langweiligen technischen Details, die eh keiner verstand, sondern seine Version von Zahlenrätseln, zusammenfallenden Orten und verborgenen Türen.
Der nächste Tag, das nächste Unheil. Mal wieder dabei einen Geist zu beschwören, gelang es mir, ausgerechnet mir, dem wunderbaren Zagroschim, mich von meinem eigenen Hilfsgeist verbrennen zu lassen. Mal wieder erwachte ich im Beisein der hübschen Miss Isabeaux, die mich zu ihrem merkwürdigen doch recht interessanten Dr. Facilier, geschleppt hatte. Halbwegs geheilt fühlte ich mich noch scheußlicher als am Tag zuvor, einziger Lichtblick in all diesem Unheil, war die hübsche Miss Isabeaux, die meine Probleme wohl weit besser verstand, als sie es gern zugab. Sie hatte mehr erfragt und wusste nun, dass die Nanobots in meinem Körper, die mir dieser idiotische Straßendoc verabreicht hatte, sich mit Alkohol nur bedingt vertrugen, aber es zumindest möglich war, ab und an an einen Bierchen zu nippen, ohne gleich wieder größeres Unheil zu beschwören. Dazu war sie clever genug auch die anderen beiseite zu ziehen, denn weder ihnen, noch mir stand der Sinn nach einer Kur, derweil ich unabkömmlich für die Verteidigung gegen diese Killergang war.

Nun gut es kam ein wenig anders als geplant, aber das Ergebnis war zumindest brauchbar. Statt einem Späher schickten sie ein mit Sprengstoff vollgepumptes Auto, das mitten in unseren Unterschlupf raste. Zum Glück war die hübsche Miss Isabeaux geistesgegenwärtig genug, mit mir aus dem rückwärtigen Fenster zu springen und dort wegzukommen, ehe die Flammen und Schrapnellsplitter uns ernsthaft erwischen konnten. Sicher in den schützenden Armen der mächtigen Kriegerin, in die sich Miss Isabeaux von einem Augenblick zum nächsten verwandelte, war ich geistesgegenwärtig genug, mich nicht nur auf die Flucht zu konzentrieren, sondern zugleich nach dem Feind Ausschau zu halten. So fand ich im Astralraum die Präsenz des feindlichen Magiers und verharrte genau so lange, wie ich brauchte, um dessen Aura zu askennen und sie mir einzuprägen. Das nächste Spiel, würde dann vielleicht im Hinterhof unserer Gegner stattfinden.

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Licht am Ende des Tunnels

Aus Zagroschims unveröffentlichten Tagebüchern,
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Was als unmögliche Woche begann, nahm mit weiterem Desaster seinen Lauf, um dann doch noch, mit ein wenig Glück, versöhnlich zu enden.
Nachdem wir unseren Feinden noch einmal von der Schippe gesprungen waren und endlich sicher daheim waren, machte ich mich sogleich daran den Magier mittels eines Geistes zu suchen. Es dauerte kaum eine halbe Stunde, dann kehrte dieser zurück und berichtete, dass nicht eine Spur von dessen Signatur zu finden sei.
Verdammt fluchte ich, abgeschirmt hinter dem schützenden Vorhang eines Refugiums. Oder zumindest soweit gesichert, dass selbst mein mächtiger Luftgeist nichts zu finden vermochte. Andererseits konnte auch niemand immer nur hinter seiner astralen Mauer hocken, nicht wenn es galt noch weitere Morde auszuführen und vorzubereiten. Irgendwann musste er sein heim verlassen und dann würde einer meiner Geister, die ich regelmäßig losschickte, Erfolg haben und dann würden wir zuschlagen.

Bis es soweit war, kamen uns, wie so oft in dieser Woche, gleich zwei Dinge in die Quere. Rose wollte uns für einen weiteren Auftrag. Eine kniffelige Übergabe, bei der unsere Kampfkraft aber auch unsere taktischen Fähigkeiten gefordert wurden. Zumindest stimmte hier das Bild. Mr. Cursed, mal wieder unser Johnson, hatte uns zum Finale des Urban Brawl ins Stadion geladen, um dort alle Einzelheiten zu besprechen. Bis dahin blieben uns zwei Tage, das ein oder andere Problem von unserer Liste zu streichen.
Doch statt Probleme zu streichen, eröffneten sich neue, als Jester den von Bürgermeister Hess vermittelten Auftrag anging und sich mit dessen freund traf. Dieser wollte nicht einen Mord, sondern gleich vier. Das an sich war ja schon schlimm genug, aber ehe wir auch nur Luft schnappen konnten, prasselten die widerlichen Details dieses Auftrags über uns hernieder. Hauptziel war ein junger hart arbeitender Mann, der nichts Schlimmeres getan hatte, als ein Techtelmechtel mit der Tochter unseres Johnsons anzufangen. Doch es sollte noch weit schlimmer kommen, dieser aufrechte junge Mann kümmerte sich, seit dem Tod seiner Eltern, um seine drei jüngeren Geschwister. 8,11 und 17 Jahre alt, die ebenso ermordet werden sollten. Und als wäre dies nicht widerlich genug, sollte es auch noch einen Bonus für einen qualvollen Tod geben und einen weiteren, wenn wir die älteste Schwester zu finsteren Zwecken irgendwo ablieferten.
Zu viel für die meisten von uns. Jester wollte rein gar nichts mit der Sache zu tun haben, ich schwieg die meiste Zeit von Ekel erfüllt. Isabeaux war bereit den Mann zu erschießen, wollte den Kindern aber nichts tun, ebenso wie es auch Reaper und Shooter hielten. Einzig Hawk und Wheelz waren frei jeglicher Skrupel. Mir wäre es lieber gewesen, wir hätten diese Entscheidung als Team gefunden und Abstand von diesen Morden genommen, aber da sich die beiden auch durch rechtschaffene Worte nicht aufhalten lassen wollten, überließen wir es ihnen ihre Seelen für ein paar Nuyen zu verkaufen.
Ein paar Stunden später war alles geschehen, die Morde erledigt, das Geld übergeben und alle konnten wieder ruhig schlafen. Zumindest alle, deren Seele bereits an den Teufel verkauft war.

Kaum war ich gegen 2 Uhr nachts dann doch in einen unruhigen Schlummer gesunken, weckte mich mein geist, mit der hektisch überbrachten Nachricht, er hätte mein Ziel gefunden. Es dauerte einen Herzschlag, dann setzte mein verstand ein und ich sprang auf, hämmerte an Isabeaux Tür und gleich darauf an die von Wheelz! der Magier fand sich ind er Nähe der Skybridge, vielleicht konnte uns John Dealer näheres verraten. Außerdem benötigte ich Wheelz! Drohnen, denn diese konnten einen Magier viel unauffälliger beobachten, als selbst der beste Geist.
Als ich endlich deren Aufmerksamkeit hatte, hatte Wheelz! auch schon alle anderen mit einem Alarmruf geweckt. Wir trafen und zwei Minuten später im Wohnzimmer und drei weitere Minuten später, nachdem ich alle Details so schnell als möglich weitergegeben hatte,fanden wir uns in Wheelz! Wagen wieder und waren mit quietschenden Reifen unterwegs.
Kaum im Zielgebiet sandte ich einen geist los, schickte Wheelz! seien Drohnen aus und warteten wir anderen nervös bebend im wagen. Sobald wir eine Richtung hatten würden wir uns trennen. Ein Trupp aus Jester Isabeaux und mir würde durch Unsichtbarkeitszauber geschützt zum Haus sprinten und zuvor versuchen in den verglasten Fenstern etwas mit dem Lasermikrofon zu belauschen. Reaper Shooter und Hawk wurden sich auf anderem Wege dem Haus nähern, durch den Eingang eindringen und sich nach oben vorarbeiten, wo in der obersten noch intakten Etage unsere Zielperson lauerte. Auf andere Wege würde sich ihnen Jester später wieder anschließen, derweil Isabeaux, mit mir auf dem Rücken einfach hoch schweben würde, um sich vor dem Fenster zu positionieren. Von dort würden sie, gemeinsam mit unseren geistern, die Manabarriere zerschlagen und in das Refugium eindringen, so dass wir den Feind von zwei Seiten unter Beschuss nehmen konnten.
Unsere Feinde hatten zwar ihren Eingang und wie wir später leidvoll feststellten auch die Fenster mit Claimore Minen gesichert, aber dafür auf jegliche Überwachungssensorik oder Wachgeister verzichtet. So gelang es unserem Team Zwei vor der recht schlichten Tür in Stellung zu gehen und dann gemeinsam loszuschlagen.
Jester öffnete die Tür, doch statt eines erfolgreichen Erstschlages, wurden unsere Jungs von einem Schrapnellhagel eingedeckt, der keinen von ihnen unbeschadet ließ und Shooter sogar vollends niederstreckte. Kaum noch bei Bewusstsein war unser erster Mitstreiter gefallen, ehe der Kampf auch nur begonnen hatte.
Jesters Pistolenschuss traf einen der drei vollkommen überraschten Feinde, vermochte aber wenig anzurichten, Reaper Salve aus seinem leichten Mg war da schon weit wirksamer und entledigte uns unseres ersten Feindes. Der feindliche Magier sprang auf, wirkte eine Barriere um sich zu schützen und rief zwei Geister, die diesem Deckung boten. Zeitgleich schlug Isabeaux das Fenster ein, wir rollten uns in den Raum und Isabeaux ging zum Angriff über, derweil ich meine Geister lossandte.
Schnell und hart ging es hin und her und ich war dankbar für meine Reflexe, die mir in diesem Chaos doch weit mehr Reaktionsfreiheit verschafften, als es mir zuvor möglich war. So gelang es mir, mit meinen Geistern einen der anderen geister auszuschalten und den zweiten Geist mit meinem Versuch ihn zu bannen zu beschäftigen.
Gemeinsam streckten Isabeaux und Hawk den zweiten feind nieder und wollten sich gerade dem Magier zuwenden, als dieser mit einem gekonnten Satz durchs Fenster sprang um sich in Sicherheit zu bringen. Dies sollte ihm allerdings nicht viel nützen, Isabeaux war, ebenso wie mein Feuergeistchen, sogleich auf seinen Versen und nur Sekunden später folgte der Magier seinen Gefährten in die ewigen Jagdgründe. Ein wenig schade, denn Isabeaux hatte diesen noch befragen wollen, hatte aber einmal mehr ihre Kraft unterschätzt und diesem unbeabsichtigt das Genick gebrochen.
Als wir uns nun daran machten nach Spuren zu suchen, stellten wir überrascht fest, dass doch einiges fehlte, der Magier trug nur einen Spielzeugfokus mit sich herum, keiner der Feinde trug Komlinks und auch das Scharfschützengewehr, mit dem ich niedergestreckt wurde, fand sich nicht, geschweige denn Geld oder andere bedeutende Wertsachen. Zumindest fanden sich die Masken der Verbrecher und so konnten wir den Mörder von Isabeauxs Mutter identifizieren und feststellen, dass uns der gefährlichste unserer Feinde, eben jener Scharfschütze mit der Wolfsmaske, entgangen war. Zumindest fehlte ihm nun ein guter Teil seiner Unterstützung!

Getragen von Hochgefühl endlich zurückgeschlagen haben, verwischten wir alle astralen Spuren und kehrten dann nach Hause zurück.

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Sitten und Gebräuche einer merkwürdigen Welt

Aus Zagroschims unveröffentlichten Tagebüchern,
später bekannt als die Chroniken von Zagroschims Wundertaten

Endlich mal ein wenig Erfolg und Glück! Mit nicht mehr als ein paar Minuten Aufwand, haben wir, dank Hawk und dessen Kontakt, eine recht erkleckliche Summe verdient. Fast 50.0000 Nuyen, nur weil er einen Tipp bekommen hat und Shooter einen Kontakt bei Lonestar hatte, der unsere Mission zu einem Spaziergang werden ließ.
Mit Hawk im Schlepptau besuchte Shooter die Lonestar Zentrale und während er von einem Kollegen auf höchst legale Art und Weise Informationen über unsere Gegenspieler mit den Tiermasken erhielt, erbeutete Hawk, auf äußerst illegale Weise, jene Datenpakete, die unsere mauen Kassen klingeln ließen. Endlich konnten wir Rose ausbezahlen und daran denken wieder ein wenig zu leben, als bloß zu existieren.
Einzige Merkwürdigkeit an der Angelegenheit war Hawk Beschluss Totem Pole einen Anteil zu verschaffen. Nicht dass ich etwas dagegen hätte, immerhin hätten wir ohne ihn gar nicht erst von den Daten gewusst, aber war es nicht sehr merkwürdig jemanden, den ein solcher Gewinn ganz offensichtlich nicht lockte, auszubezahlen?
Nun ja, zumindest darf Hawk in Zukunft wieder mit seinem mysteriösen Freund Fragespiele spielen und ganz vielleicht ist er ja erfolgreicher als beim letzten Mal.

Kaum war das erledigt, kamen aber schon wieder unerfreuliche Nachrichten. Die Maskenleute hatten meinen Mordkontrakt zurückgehen lassen. Soweit gut, bloß dass der Kontrakt nun wieder offen war und es genug Abschaum gab, der sich mit Zagroschims Tod eine goldene Nase verdienen würde. 150.000 Nuyen, immerhin ließ sich der elende Darokin nicht lumpen. Wenn er etwas wollte, dann wusste er auch, wie er es bekam, bloß dass ich dieses Mal beschlossen hatte, nicht der zu sein, der am Ende in der Gosse lag.

Als ob das nicht genug wäre, bekam Reaper eine Nachricht über sein Satellitentelefon. Sein Leutnant, oder welchen Rang es da auch immer in der Fremdenlegion gab, saß tief in der Scheiße. Natürlich war ich sofort bereit zu helfen, musste aber lernen, dass dies nicht ganz so selbstverständlich war, wie es mir erschien. Hawk zumindest ließ durchblicken, dass er seinen Hintern nicht aus reiner Freundschaft in die Schusslinie stellen wollte.
Aber waren wir nicht ein Team?
Konnte nicht jeder von uns, wenn er es nur wollte, alle anderen ans Messer liefern. Ein Anruf bei gewissen Konzernen, schon würden Jester und die hübsche Miss Isabeaux eingesammelt werden. Ein paar Worte in ein falsches Ohr und von Hawk wunderschönen Leben blieben nichts als Trümmer.
Waren wir nicht längst auf Gedeih und Verderb aneinander gekettet?
Ganz sicher hätte ich es schlechter treffen können. Wer in der Hölle der Schatten vegetiert, darf nicht auf das Glück hoffen, dort gute und treue Freunde zu finden. Freunde, nicht bloß nützliche Kollegen.

Andererseits schien dies nicht für alle von uns zu gelten, oder zumindest auf eine Logik, die sich nur jenen erschließt, die in den Schatten leben. Lange genug leben, um all die kruden Gesetze zu kennen, die das Räderwerk der Finsternis am laufen hielten.
Kaum ein paar Tage zuvor, hatten Hawk und Wheelz! diesen Wetwork Auftrag durchgezogen. Einen Auftrag, mit dem keiner von uns anderen zu tun haben wollte, ging es doch darum Kinder hinterrücks zu ermorden und diese am besten noch zu foltern, oder zu weiß was zu einem Leben in der perversen Welt zu verdammen.
Wir anderen waren sehr zurückhaltend, wollten mit der Geschichte am liebsten gar nichts zu tun haben, oder waren, wie einige von uns, äußerstenfalls dazu bereit den jungen Mann zu töten, statt auch Jagd auf Kinder zu machen.
Die Situation war also klar, wir wollten nicht!
Trotzdem beschied mir Miss Isabeaux, wir dürften unseren Kollegen nicht verbieten ihr Ding durchzuziehen und sei es auch noch so widerlich. Jeder hätte das Recht für sich zu entscheiden.
Vielleicht ja schon, aber galten wir in den Schatten nicht längst als Team. Strahlten nicht alle Taten meiner Gefährten auch auf die anderen aus. Würde nicht in Zukunft mein Name verbunden sein mit dem Mord an Kindern. Warum hatte Hawk das Recht meinen Namen mit so etwas zu besudeln, derweil er sich fürchterlich darüber aufregte, dass ich ihn mit meiner Anwesenheit gefährden würde. Warum durfte er darüber entscheiden, mit welchem Namen ich auf den Straßen aktiv war, schließlich war es, nach derselben Logik, allein meine Entscheidung.
Gefährdete er nicht uns alle, indem er Jester Zuflucht im Alkohol suchen ließ. Nun versteht mich nicht falsch, gegen den ein oder anderen Tropfen gibt es nun wirklich nichts zu sagen, wenn man es, wie ich, im Griff hat. Aber Jester war angeschlagen und dies kann in einem Job wie dem unseren, zwischen Leben und Tod entscheiden.
Wo lag also diese Grenze, ein Team zu sein, gemeinsam zu entscheiden und zu (über-)leben?

Doch zurück zu Reaper und seinem ehemaligen Vorgesetzten. Dieser steckte mächtig in der Scheiße. Tief in den Pujallup Barrons, inmitten des Gebietes der Laesa. Elfen, deren Rassenfimmel dem der Policlubs in nichts nachstand. Verdammte Irre, warum konnten sie denn nicht einsehen, dass wir alle Menschen waren.
Viel wussten wir nicht, außer einem Treffpunkt und der Tatsache, dass es kein Sonntagsausflug werden würde. Der Leutnant steckte in der Klemme und wenn schon ein Mann der Schlacht angezählt in den Seilen hing, sollte man sich Gedanken machen, wie man den Flug der Kugeln ein wenig zu seinen Gunsten manipulieren konnte. Leider blieb uns dafür wenig Zeit, immerhin wollte auch Mr. Cursed unsere Dienste.

So fuhren wir zum Stadion, wo wir das Finale der World League von einer Loge aus verfolgen durften. Sozusagen umsonst. Ausgestattet nur mit dem Nötigsten, diskret gepanzerter Kleidung und einiger Kleinigkeiten am Gürtel, trafen wir dort ein. Die Kontrollen waren kein Problem und auch der Auftrag den uns Mr. Cursed, wegen eines schlechten Bauchgefühls, vermittelte, schien durchaus machbar.
Wir sollten, zwei Etagen tiefer, ein kleines Kästchen mit einem Aztec Datenchip entgegen nehmen und hierher zu Mr. Cursed bringen. Als ob sich dies nicht leicht genug anhörte, versicherte uns unser Johnson auch, dass der Freund, von dem er dieses Paket bekommen sollte, absolut zuverlässig sei und dass von dieser Seite keine Gefahr drohe. Wir mussten also nur darauf Acht geben, dass nicht ein Rudel schießwütiger Fremder hier hereinstürmte, den Boten niedermähte und mit dem Datenchip verschwand. An sich schon eine ziemlich lächerliche Vorstellung, hier inmitten Hunderter, wenn nicht Tausender Wachleute, Wachgeister und einem Sicherheitsüberwachungsnetz, welches zwar diskret, aber ebenso wirksam war. Nun gut, wir würden uns nicht beklagen, wenn nichts passierte.
Schnell waren wir uns mit Mr. Cursed einig. Wenn nichts geschah, würden wir hier das Spiel gucken, uns an den köstlichen Snacks satt essen und zufrieden heimwärts ziehen. Sollte es anderes kommen, würde er uns für unsere Mühen angemessen entlohnen.
Erstaunt betrachteten wir, wie er uns Schutzwesten aushändigte, die uns als Sicherheitspersonal des Stadions oder zumindest einer angegliederten Einheit auswiesen, dazu schwere Pistolen, deren Smartsignal ebenso legal erschien.
Ein hübscher kleiner Trick, der sogar mich beeindruckte!

Was mich weit weniger beeindruckte, war die Unprofessionalität meiner Gefährten. Hawk und Reaper wollten lieber da Spiel sehen, statt sich ein Bild der Lage zu machen. Ich redete mir den Mund fusselig, wir sollten doch die Gänge abschreiten, vielleicht sogar die Loge unserer Zielperson infiltrieren, aber auf jeden Fall vor Ort sein, um bei eventuellen Unregelmäßigkeiten eingreifen zu können.
Warum nicht ein turtelndes Paar auf dem Korridor? Oder ein Streitgespräch unter Kollegen?
Es kam wie es kommen musste, da die Übergabe erst kurz nach der Halbzeitpause stattfinden sollte, machten wir uns zwar überpünktlich auf den Weg, aber von Vorbereitung oder Ähnlichem war nichts zu spüren. Wir können ja eh nur auf das reagieren was passiert! Pah!!!
Kein Wunder also, dass wir, kaum in der Nähe, Schüsse hörten und die ersten neidergeschossenen Wachleute erblickten. Nun endlich rannten wir, aber es war wohl reines Glück, dass unsere Nachlässigkeit keine Folgen hatte, oder zumindest nur geringfügige.
In der Loge lagen vier Angreifer mit Tiermasken, genau solche, wie an dem Attentat auf mich beteiligt gewesen waren und ein toter Mensch mit der Aura eines Bären. Niedergestochen, fast ausgeweidet und ganz offensichtlich tot, bis auf die merkwürdige Tatsache, dass seine Aura nicht verblasste. Uns unsicher, ob es noch etwas zu helfen gab und ob sich das Objekt der Begierde vielleicht noch hier befand, scherten Isabeaux und ich aus, derweil Jester Hawk und Reaper weiterstürmten, um die beiden übrigen Mörder zu stellen.
Als ich später dazukam, musste ich mit Grauen feststellen, dass meine Gefährten recht ramponiert aus der Geschichte herausgekommen waren. Reaper mit einem Schnitt quer über den Rücken und Hawk mit einem Loch im Bauch, dass ganz offensichtlich von einem Kampfzauber stammte. Der dazugehörige Sam lag oben an der Treppe, erledigt von einem Blattschuss Jesters, der Magier lag ein paar Etagen tiefer, halb aufgeschlitzt von einer schweren Klinge.
Natürlich beugte ich mich gleich über meine Gefährten, verband die Wunden, natürlich weit besser als diese Idioten von der Stadionsicherheit und ließ danach meine Macht durch meine Finger fließen, um aus verheerenden Wunden Kratzer zu machen, die innerhalb von Tagen, wenn nicht gar Stunden, verschwinden würden.
Derweil fiel es Jester wie so oft zu, für uns zu sprechen. Dem Sicherheitspersonal klar zu machen, dass wir ihren Job erledigt hatten und uns nun zurückziehen würden, in der Hoffnung, dass es nun keine weiteren Probleme gäbe.

Zurück bei Mr. Cursed gab es einiges zu berichten. Der tote Bär, war nach nur wenigen Augenblicken einfach aufgestanden, hatte sich die Klingen aus der Haut gerissen und war weggetrottet. Ganz offensichtlich war dieser Mensch mit der Aura eines Bären ein Gestaltwandler und ebenso offensichtlich hatten diese Geschöpfe Fähigkeiten die über das was ein Normalsterblicher zu leisten vermochte, weit hinaus gingen. Das war wohl auch der Grund, warum uns Mr. Cursed vorher lächelnd beschieden hatte, wir bräuchten uns um seinen Freund keine Sorgen machen. Danke auch, vielleicht sollten wir Mr. Cursed beim nächsten Treffen genauer auf den Zahn fühlen, statt uns einfach so mit halb garen Informationen losschicken zu lassen.
Doch eigentlich war ich gar nicht zornig auf Mr. Cursed, er war noch einer von den besseren Johnsons, eigentlich wütend war ich auf meine Kollegen, die es schafften, statt mit einer hübschen Stange Geld, mit leeren Händen aus dieser Geschichte herauszukommen.
Einige plädierten dafür, aus reiner Freundlichkeit und aus Gefälligkeit für Mr. Cursed kein Honorar zu nehmen. Was ein Unsinn, selbst ich weiß, dass es in den Schatten nichts umsonst gibt! Andere wollten mehr über die Maskentypen wissen. An sich eine ziemlich gute Idee, aber ganz offenkundig wollte uns unser Mr. Johnson dazu nichts sagen, noch sich in die Karten gucken lassen. So war also auch der Versuch, Informationen statt Geld zu erringen, zum Scheitern verurteilt.
Angeschlagen, aber um keinen Nuyen reicher, kamen wir aus dem Stadion. Nun ja, zumindest war diesmal nicht ich es, der mit einem Loch im Bauch zu kämpfen hatte.

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Teamfähigkeit

Aus Zagroschims unveröffentlichten Tagebüchern,
später bekannt als die Chroniken von Zagroschims Wundertaten

Es war ein trister Morgen. Ich hatte alle einbestellt, um die unrühmlichen Taten der letzten Wochen zu sprechen. Zwar bin ich ganz sicher kein Taktiker und die Kunst anderen ein Stück Stahl in den Körper zu pflanzen reizt mich wenig, aber sogar ich konnte sehen, dass wir in letzter Zeit mehr geschluckt als ausgeteilt hatten und da mir meine Freunde ans Herz gewachsen waren, dachte ich, es sei an der Zeit sie aufzurütteln. Ich stellte also, kaum dass sich, mit einiger Verspätung alle eingefunden hatten und das müde Murren auf ein erträgliches Niveau gesunken war, meine Flipchart auf, um meine Gedanken zu präsentieren.

Das Leben ist zu kurz …

Taktik im Kampf

Fragen der Bewaffnung und Ausrüstung:
Schild? Helm? Panzerkleidung? + Waffen und APDS
Was können wir im Auto in der Nähe griffbereit lagern?
Technische Möglichkeiten der Kommunikation

Fragen des Vorgehens und der Gegneraufteilung:
Stärken der einzelnen Teammitglieder erkennen + gegen Schwächen der anderen setzen

Lerneffekte:
Stärken der Teammitglieder gezielt fördern
Wer könnte etwas nützliches lernen, oder sich spezialisieren?

Einige Beispiele um unsere Schwächen zu untermauern:
Reinstürmen? Warum nicht draußen warten bis sie rauskommen?
Passierschläge? Erschießen und dann weiter. Gegner war ein Nahkämpfer!
Magier? Verfolgung durch einen einzelnen, keine magische Unterstützung
Übervorsicht und Disziplin? Keine Geister, trennen im Feindgebiet

Anführertum und Teamgeist

Alle einig, dass Jester uns sehr gut vertritt, aber ganz offensichtlich keine Kampferfahrung
Besser koordinieren, wenn es hart auf hart kommt
Gebiete klarer benennen und durch Spezialisten ausführen lassen (Kampf Verhandlung usw.)
Teamgeist (sind wir ein Team oder nicht?) Shooter helfen, ohne wenn und aber!!!
Was einer tut, fällt auf alle zurück (mir habt ihr das erklärt!)

Verhandlungen und Geldübergaben

Der subtilen Stimme aus dem OFF zuhören!!!
Professionalität und bessere Absprachen
Immer das ganze Team! Keine Nachlässigkeiten,
Orte wirklich vorbereiten/ sondieren

Nun hatte ich nicht mit Freudenausbrüchen gerechnet, noch mit Lobeshymnen, aber die fast vollständige Verweigerung hat mich dann doch überrascht. Anscheinend war ich der einzige, der Probleme gesehen hat. Nun gut, um fair zu sein, Jester war durchaus einsichtig und die hübsche Isabeaux, zumindest in manchen Bereichen interessiert es besser zu machen, aber Reaper war bereits in Gedanken bei seinem Colonel und Hawk zu perfekt um noch etwas lernen zu können, oder sich Gedanken zu machen.
Es war ein einziges Fiasko, statt meine Gefährten anzuspornen über Taktik zu diskutieren und in Richtung einer Rundoktrin zu gehen, die uns sicherlich das Leben erleichtert hätte, kamen so Ausrufe wie. „So etwas lässt sich eh nicht planen!“ „Wieso, dass machen wir doch sowieso schon.“ „Nein einen Anführer braucht ein Team nicht.“

Bald schon war ich bereit alles an die Wand zu werfen, aber es sollte noch schlimmer kommen. Der Punkt Teamgeist erbrachte gar wundersame Ansichten. Wir sind ein Team und gehen durch dick und dünn, aber was abseits des Teams passiert geht nur den jeweils einzelnen an. Als ob das nicht ausstrahlen würde!
Ein paar unbedachte Worte oder Taten und das ganze Team konnte in Probleme kommen. Mein Ruf als Teammitglied mit Kindermord verbunden zu sehen, für mich ein herber Rückschlag. Es wurde laut und lauter, manche forderten, dass es zumindest einige wenige Grenzen geben sollte, andere wollten nicht akzeptieren, dass man als Teil eines Teams Teil eines Teams ist. Fantastisch! Wir einigten uns darauf uns nicht zu einigen und als ob das nicht genug wäre, eröffneten Hawk und Wheelz uns, dass sie uns nach Strich und Faden belogen hatten und erklärten das mit Jesters Aussage, er wolle mit der Geschichte nichts zu tun haben.
Gut das wir ein Team sind …

Einmal mit all dem Unsinn durch, kam ich auf mein zweites Anliegen zu sprechen, mir waren Zusammenhänge in den Sinn gekommen, die gar nicht mal so abwegig waren und die erklären könnten, warum die Maskenindianer uns nicht mochten und vor allen Dingen, worum es in Mr. Cursed Plänen ging. Frei nach der Maxime Wissen ist Macht war ich vollkommen überzeugt davon, dass es für uns wichtig und interessant sei, solchen Gedanken zu folgen.
Pustekuchen!

… um sich verarschen zu lassen

Was Mr. Cursed so treibt, eine zagroschimeske Theorie

Maskenindianer und er mögen sich nicht
(belegt durch Teufel, er kennt diese auch, hat sich verraten)
Es geht um Aztec Datenchips
(ein ganzer Satz von wer weiß wie vielen)
Vor drei Jahren haben die Maskenindianer ziemlich viele Runner erledigt
(keine Auftragsmorde, sondern dort haben sie Leute getötet, die zu viel wussten)
Nun sind sie wieder hier und haben uns/Zagroschim aufs Korn genommen
Erst wenn alle Daten beisammen sind, können diese genutzt werden.
Es gibt einen ganzen Indianerstamm, denn sie konnten sehr schnell Reserve heranführen, bzw. sind ziemlich viele.
Mr. Cursed ist kein Norm (zu korrekt, spielt eine Rolle und diese zu genau)

Vor drei Jahren wurden von einem Runnerteam die Daten extrahiert
Die Indianer stürmen los, vernichten alle Runner die davon wissen, konnten aber nicht verhindern, dass die Daten in Umlauf gerieten und verloren die Spur.

Vor ein paar Monaten fing Mr. Cursed an die Daten zu sammeln. (Wahrscheinlich erneut)
Wir erbeuteten sie für ihn.
Die Indianer stürmen los um scheinbar Zagroschim den gar aus zu machen.
(Was wenn die 150.000 Nuyen von Totem Pole gedeckelt wurden
und die Masken einfach nur Zagroschim und das ganze Team töten wollten?)
(Was wenn Isabeaux Eltern mit drin hingen, weil auch sie mit den Daten Kontakt hatten.)

Was ich wissen will!

Wo wohnen die Indianer
Was geschah vor drei Jahren wirklich
Welche Verbindung gibt es zu Isabeaux Mutter

Was ich plane

Wir sammeln die Masken der Toten ein und bringen sie zu dem Stamm, eine Geste des Respekts. Wir haben Krieg geführt, es war eine ehrenhafte Schlacht, doch es besteht kein Grund für weiteren Krieg, denn wir sind nicht ihre Feinde.
Dafür wünschen wir mehr zu erfahren, über die Daten, aber auch über Mr. Cursed

Was für uns wichtig ist

Wollen wir das
Wir gehen ein Risiko ein, unser ach so netter Mr Cursed mag das nicht so gerne.
Wir verzichten eventuell auf eine ganze Menge Geld, die wir von ihm bekommen.
Andererseits haben wir, wenn wir wissen worum es geht die Möglichkeit mehr zu fordern.

Es war ganz einfach, Miss Isabeaux hatte viel zu viel Angst vor Mr. Cursed und dessen Wissen über sie, so viel Angst, dass selbst der Gedanke, herauszufinden aus welchem Grund ihre Mutter gestorben ist, sie nicht beflügeln konnte. Reaper war noch immer bei seinem Colonel und Hawk hielt jeden Satz und Gedanken von mir für puren Unsinn. Nicht weil er eine andere Theorie hatte, oder zumindest aufzeigen konnte, was nun falsch war, sondern einfach weil es falsch war.
Um fair zu sein, zumindest Jester zeigte sich aufgeschlossen und schien sehr daran interessiert herauszufinden, warum wir unseren Hals in die Schlinge gesteckt hatten. Ich war ja sehr versucht privat daran weiterzuforschen, immerhin gab es noch andere Decker als Hawk, aber mein Ehrgefühl verbot es mir, denn ich war sicher, dass mein Handeln Auswirkungen auf alle hätte, selbst wenn ich privat agieren würde …

Vollkommen frustriert ließ ich die anderen zuerst einmal planen und Gedanken verpulvern, wie und wo man in die südlichen Barrons einsickern könnte, wie man zum Treffpunkt gelangte und wie man Wheelz! mit Dozer rechtzeitig vor Ort schaffen könnte und ebenso, wie es möglich wäre schnell genug abzuhauen, ohne das ganze Laesa-Syndikat auf den Versen zu haben.
Eine Stealthdrone später, hatten wir zumindest die Möglichkeit uns einen Überblick zu verschaffen und mit der Teamfrequenz des Colonels auch die Möglichkeit in frühzeitig zu kontaktieren.
Wir beschlossen frühzeitig einzusickern und meine Idee, den Fluss als Fluchtroute zu nutzen und die sperrigen Teile unserer Ausrüstung mittels eines Geistes zu importieren wurden zwar begrüßt, aber dann zumindest großteils verworfen.
Der Fluss war unwahrscheinlich, weil wir ja doch mit heftigsten Feuer rechnen mussten und zudem waren Atemgeräte unerschwinglich. Der Geist war fast sofort obsolet, denn schließlich war es kein Problem eine Panzerjacke als Bündel mit sich herum zu tragen und nebenher sein Sturmgewehr, oder ein Scharfschützengewehr im Koffer mit sich zu führen. Außerdem konnte er ja viel zu leicht im Flug gebannt werden.
Wären es nicht meine Kollegen, zum Teil gar meine Freunde, würde ich ihnen wünschen, dass die Laesa sie für diese Dummheit schnappen würden, so kann ich nur beten, dass trotzdem alles gut geht.

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