Shadowrun 5 Seattle

Zagroschims Tod

Aus Zagroschims unveröffentlichten Tagebüchern,
später bekannt als die Chroniken von Zagroschims Wundertaten

Am nächsten Morgen, noch leicht verkatert von der ausgelassenen Feier, wurde ich erneut mit Vorwürfen und Anschuldigungen überhäuft. Alle redeten wirr durcheinander, ich sollte einen Plan machen um alles auszubügeln, all das Geld ranschaffen und zugleich noch meine Sin verbrennen, indem ich Zagroschim sterben ließ. Sterben! Jetzt wo ich zurück war!
Es dauerte doch eine ganze Weile, aber zuletzt musste ich einsehen, dass wenn ich mein Geld im Zwielichtreich der Schatten verdienen wollte, es wohl besser war, Zagroschims Spuren zu verwischen. Immerhin war jetzt noch nicht der rechte Augenblick um diesen verdammten Darokin zu erledigen und bis ich genug Geld hätte und einen narrensicheren Plan, konnte ich nur darauf hoffen unerkannt zu bleiben.
Welch hartes Los. Unerkannt! Ein Licht in der Finsternis, dem verboten wird zu strahlen. Eine Motte, wo ich doch der extravaganteste Schmetterling war.

Nachdem meine Entscheidung gefallen war und dabei hatten mich Hawks doch recht rüden Drohungen weit weniger bewegt als Miss Isabeaux einfühlsamen Hinweise, bat ich diese mir über Rose, unsere Schieberin, eine Sin zu bestellen, damit Zagroschim, am Abend seiner Wiederkehr, erneut verschwinden würde. Der größte Trick von allen sollte es werden.

Schnell war geplant, wie wir dieses Problem lösen konnten, derweil Hawk dankenswerter Weise in der Matrix spazieren ging, um digitalen Fährten zu folgen. Er murmelte so unwichtige Dinge, wie das ein unbekannter seine Netzpräsenz hatte verschwinden lassen und er nun unbedingt wissen müsste, welcher unbekannte Gönner dies für ihn erledigt hatte.
Derweil fanden Isabeaux scharfer Verstand und mein Gespür für Dramatik zueinander. Wir würden, über die Verbindung zu Bezirksbürgermeister Hess, Zagroschims DNA mit der einer Gnomenleiche, die Miss Isabeaux aus zwielichtigen Quellen besorgte, vertauschen und später diese Leiche dann bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, am Tatort zurücklassen. Niemand würde wissen, dass nicht Zagroschim den Tod fand. Nun gut, zumindest niemand, der darüber reden würde.
Sam mussten wir einweihen, da er die Rechte an Zagroschims Rückkehr erhalten sollte, natürlich mit bescheidenen Tantiemen für uns. Miss Helena musste es wissen, damit sie sich nicht zu Tode grämte und damit sie Jester, der meinen Manager spielte, ein wenig unterstützen konnte.

So war der Plan ebenso einfach wie brillant, mein Manager besprach mit Wosznik die Details eines Auftritts in den Kostbarkeiten seiner Ausstellung. Eine Westernshow, mit Raubüberfall und humoristischen Aspekten, zwar bloß in bescheidenem Rahmen, da die Möglichkeiten fehlten, aber ein wundervoll kleiner Auftritt.
Derweil alle Augen auf mich gerichtet waren und Jester mich aus dem Publikum mit Hinweisen und Stichworten unterstützte, schlichen sich Isabeaux und Hawk, gemeinsam mit Shooter hinab in den Sicherheitsbereich, wo sie das Collier, nach einer recht blutigen Schießerei, erbeuteten. Von dort ging es weiter, direkt durch den Boden des Hotels in die Tunnel des Orkuntergrundes, die uns für ein horrendes Honorar in Sicherheit führen würden.
Derweil bemerkte ich, oben während meiner Show, dass das Collier nicht wie gewünscht auftauchte, vermutete Raub und machte mich, sehr zum Verdruss der Sicherheitsfirma und des Publikums, unter der gespielten Panik meines Managers, auf, die Diebe zu stellen. Ich war ihnen nah auf den Versen, als dieser übereifrige Shooter seine Rolle ein wenig zu genau nahm und mich in die Schulter schoss. Hölle welch brennender Schmerz, noch dazu so ganz und gar unnötig.
Meine Kameraden verschwanden durch ein mit Phosphorgranaten gebranntes Loch und ich folgte nur Sekunden später, angeblich den gemeinen Dieben auf der Fährte. Dort im Loch lag die Gnomenleiche, direkt neben einer weiteren Phosphorgranate, die diese bis zur Unkenntlichkeit versengen würde und die zugleich den Tunnel für einige Sekunden unpassierbar machen würde.
Hinter uns die Flammen der Granate, trafen wir auf einen schweigsamen Ork, der uns durch die Tunnel, durch enge Stollen, ekelige Abwasserrohre und mehr als einen Umweg bis in die Barrons führte. Fünf Stunden harter Fußmarsch! Ekelig! Widerlich!
Ein Wunder dass sich die Wunden meiner Gefährten nicht entzündeten!

Als ein paar Tage später die Wunden geheilt waren, fuhren Hawk und Isabeaux zur Übergabe mit unserem Mister Johnson. Ich selbst blieb zurück, da mir gesagt wurde, ich solle lieber noch eine Weile von der Bildfläche verschwunden bleiben.
So kam es aber auch, dass ich nicht zur Stelle war, als meine Gefährten betrogen und niedergeschossen wurden. Dieser Bastard eines Johnsons krallte sich das Collier und seine Handlanger mähten mit ihren Sturmgewehren meine vertrauensseligen Gefährten nieder.
Zum Glück erlitt keiner von ihnen mehr als bloß einige unangenehme Blessuren. Ganz sicher hätte ich mich daran gemacht diesen Verräter zu fassen und zu erledigen, aber Miss Isabeaux hielt mich zurück. Sie sagte in den Schatten ticke die Welt ein wenig anders, es wäre an unserer Schieberin sich um das Problem zu kümmern, da es unserem Ruf schaden könne, wenn wir den Mr. Johnson, so gerecht es auch wäre, erledigen würden.
Was für eine Narretei, wir verloren unser Gesicht, wenn wir uns, ohne mit der Wimper zu zucken, anschießen ließen. Die paar Nuyen waren verschmerzbar, aber so eine Dreistigkeit hinzunehmen, lag außerhalb der Vernunft, zumindest jener, die in der wahren Welt herrschte.

Aber da ich nun einmal auf Gedeih und Verderb an meine neuen Gefährten gebunden war, blieb mir nichts als einzuwilligen Ruhe zu bewahren. Derweil machte ich mich daran zu planen, wie denn das Image des neuen Zagroschim in den Schatten so werden sollte. Ein Umhang? Vielleicht eine Spur zu extravagant, aber eine Rose war doch ein schönes Markenzeichen und zugleich ein Versprechen, irgendwann zurückzukehren und meine Rose, die wunderbare Miss Helena, auf immer in die Arme zu schließen.

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Unvorhersehbare Probleme

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Es wurde, auch mit der Auflage, sich zumindest ein wenig mit der Sicherheit der Ausstellung zu befassen, ein wundervoller Tag. Die Gesellschaft, die Konversationen, die Kunst …
Die Gelegenheit endlich mal wieder mit einer Dame, abgesehn von Miss Isabeaux, deren Manieren selbstverständlich nahezu untadelig sind, zu kokettieren und mit ein paar Herren zu reden, deren Sprache nicht bloß grobschlächtiges Werkzeug ist, sondern ein Mittel der Welt Farbe zu verleihen. Auch hier muss ich meinen Gefährten Jester ausnehmen, dessen Ausdruck und Wissen um die wichtigen Dinge im Leben dem meinen kaum nachsteht und der mich, allein durch seine strahlende Anwesenheit das Dunkel der Schatten ein wenig leichter ertragen lässt.
Doch ich schweife ab. Die Ausstellung war, wie ich sogleich bemerkte, durch einen Hüter gesichert. Das Wachpersonal, acht rotierende Sicherheitsmänner, war strategisch recht gut verteilt, hielt aber sein Augenmerk, selbstverständlich eher auf den wichtigen Stücken als auf jenem Collier, dessen Wert im Vergleich zu Faberge-Eiern nichtig war. Um die Exponate gab es Trittschallsensoren und jedes einzelne davon befand sich hinter bruchsicherem Glas. Wie Hawk, der, endlich einmal stilvoll gekleidet, nicht weiter auffiel, bemerkte, gab es einige Sicherheitskameras, die den Raum abdeckten, ohne sogleich die Öffentlichkeit zu bedrängen. Für uns am Entscheidendsten war die Tatsache, dass die Exponate auf versenkbaren Sockeln standen, bei Alarm also einfach eingefahren wurden und somit im Sicherheitsbereich gut verborgen gegen unser Vorhaben gesichert waren.

Wosznik, der Mäzen der Ausstellung und seine junge und überaus attraktive Frau, schienen uns nicht die rechten Personen, um unseren Run voran zu treiben und so machten iwr uns,ausgestattet mit einigen Gebäudeplänen und noch weit mehr Gedanken auf den Rückweg, schon halb bereit den Coup durchzuziehen.

Kaum zu hause erhielt ich eine Nachricht von Miss Helena, jener schönsten aller Rosen, die mein Herz besitzt und deren Liebe ich voller Hingabe erwidere. Empört war sie, aber auch ein wenig neugierig, immerhin sprach die Presse von der Rückkehr Zagroschim des wunderbaren. Für Miss Helena aber mindestens ebenso wichtig, war die Tatsache, dass sich Miss Isabeaux, als wir das Hotel erkundeten, als meine zukünftige Gemahlin ausgegeben hatte und mit Freude im Herzen, aber auch ein wenig schlechtem Gewissen, nahm ich die Eifersucht der einzig wahren Dame meines Herzens zur Kenntnis. Natürlich sandte ich ihr tausend liebende Worte und ein paar Krumen als Erklärung, nicht mehr als nötig, denn ich wollte sie nicht gefährden.

Als ich meinen Gefährten überaus stolz die Bilder aus der Matrix zeigte, die Zagroschims Rückkehr belegten und auch sie, am Glanz meines Ruhms teilhaben ließen, waren diese zu meinem Entsetzen nicht bloß nicht erfreut, sondern zornig und aufgebracht. Als hätte es nicht ihr klägliches Kleben im Schatten aufgewertet, einmal zumindest ein wenig im Licht der Öffentlichkeit zu stehen.
Nachher versuchten sie es mir zu erklären und mir alle Schuld an einem nicht vorhandenen Vergehen in die Schuhe zu schieben. War es meine Schuld, dass Miss Isabeaux und Jester von Konzernen verfolgt wurden, war es meine Schuld, dass ihre illegalen Sins, die ohnehin bei jeder Straßenkontrolle auffielen, nun im Licht der Öffentlichkeit, nicht länger taugten?
Erbost fuhren sie mich an, sprachen davon, ich sollte ihnen alle Kosten für die Entfernung ihrer Bilder aus der Matrix und all den Ärger ersetzen.
Ärger! Bloß weil sie das Glück hatten an Zagroschims Ruhm teilzuhaben.
Nun ja, ein wenig konnte ich sie ja verstehen, aber statt sich zu grämen, hätten sie besser um meinen Rat gebeten, dann wären wir ganz sicherlich schneller zu einer Lösung gekommen. Zumal ja offenkundig war, dass mein Ruhm ihnen die Türen der Ausstellung öffnen würde und zudem einige wohlplatzierte Interviews unsere leeren Kassen reichlich füllen würden.
Einzig Wheelz verstand mich und so feierten wir ausgelassen Zagroschims Rückkehr, auch wenn ich schon an diesem Abend befürchtete, dass es vielleicht eines der kürzesten Comebacks der Geschichte werden würde.

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Das Licht der wahren Welt

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Der nächste Auftrag ließ auf sich warten und so blieb mir viel Zeit mich den wichtigen Dingen der Welt zu widmen. Gesellige Stunden in Fedges Kneipe, oder mit den neuen Freunden in ihrem geräumigen Haus. Nun gut, es war eigentlich ein recht bescheidener Bau in einer noch bescheideneren Gegend, aber nach den Jahren in Fedges Hinterzimmer, wirkte es wie ein Palast.
Erfüllt von dem Gefühl des Erfolges und der Freude an der Magie, wie ich sie lange nicht gekannt hatte und dem neu gewonnenen Reichtum, so bescheiden er auch sein mochte, fühlte sich alles wie ein neues Leben an. Als allererstes gönnte ich mir ein wenig Luxus. Kleidung, nicht die abgelegten schäbigen Fetzen, auf die ich seit Jahren angewiesen war, sondern ein Anzug, wie er einem Magier wie Zagroschim dem Wunderbaren zusteht. Es war fast wie früher und damit kamen auch die Gedanken an damals, an Miss Helena, mit der ich kürzlich einen wundervollen Abend verbrachte, aber auch an Darokin, dieses Aas, dass aus Neid mein Leben ruinierte. Ihm würde ich zu gegebener Stunde meine Rache eiskalt servieren, doch bis dahin blieb mir nichts, als Erinnerungsfetzen mit Bier zu betäuben, denn noch lange war Zagroschim der Wunderbare nicht wiedergeboren. Mochte ich meine Gefährten mit meiner Zauberkunst auch noch so verblüffen, es galt noch vieles neu zu entdecken, was mir damals so leicht fiel.

In dieser gemütliche Eintracht fiel die Ankunft von Wheelz Bruder. Nun Ja, was er so Bruder nannte. Ein Ganger, der ein paar Jahre bei der Fremdenlegion verbrachte. Still zurückhaltend, aber nicht unangenehm. Sicherlich eine gute Ergänzung für das Team, auch wenn mir jemand mit Manieren lieber gewesen wäre.

Da schien es fasst, als wären meine Gedanken lebendig geworden, denn unser nächster Auftrag, oder wie sie in den Schatten sagen Run, führte uns zurück ins Licht des wahren Lebens.
Jester stritt sich mal wieder mit Hawk und der niedlichen Lady Isabeaux, diesmal über die Belanglosigkeit von Filmen. Echt oder vergangen in kümmerlich krümeliger zweidimensionaler Ausführung. Beides Unsinn, das Leben spielte jetzt und nichts was aufgenommen und bearbeitet war, konnte dem Wert einer realen Aufführung nahe kommen. Jedes dieser Filmchen konnte ich innerhalb von Minuten, weit besser und kreativer mit meiner Magie vorführen, doch davon wollte niemand dieser Kretins etwas wissen. Einzig Jester stimmte zu, kein Wunder, er kommt nicht aus der Gosse, sondern war wie ich Teil der wahren Welt.

Da wurden die ausdrucksstarken Augen der Lady Isabeaux trüb und jeder, der eine Spur Auffassungsgabe besaß, spürte, wie sie sich angesichts einer neuen Aufgabe versteifte. Minuten später war klar, es gab Arbeit, dazu noch von einem neuen Johnson, den wir nicht kannten und von dem wir auch kaum etwas erfuhren, geschweige denn von der Aufgabe die uns zugedacht war.
So kam es also, dass wir uns mit unserem Mr. Johnson in einer schmuddeligen Arbeiterkneipe treffen sollten. Dieser hatte von Höflichkeit und Umgangsformen so wenig Ahnung, wie es sonst nur Nacktschnecken vermögen. Zuerst ließ er uns in dieser Absteige warten, dann zitierte uns einer seiner Lakaien herbei und zu allem Überfluss wurden wir mit Waffen und Drohnen empfangen. Nun gut, was soll man auf der Straße erwarten.
Zumindest war der Auftrag ebenso simpel wie erfreulich. Wir sollten aus einer Kunstsammlung, die in einem gehobenen Hotel ausgestellt wurde, eines der unbedeutenderen Exponate entwenden. Ein Collier von einigem Wert, aber recht wenig Stil, überfrachtet mit Gold und Edelsteinen, ein typisch russisches Prunkstück. Der russische Mäzen stellte im Swansee in Downtown zum Anlass seines Geburtstags seine Sammlung aus und hatte ausschließlich den unwichtigeren Teil der Oberschicht eingeladen, wie mir Miss Helena sehr zu Recht empört berichtete.

Nun standen wir vor der Aufgabe uns zuerst einmal einen Überblick zu verschaffen. Die ansehnliche Miss Isabeaux an meiner Seite, beschloss ich vom Abklatsch meines früheren Ruhmes zu zehren. Als Zagroschim der Wunderbare betrat ich das Hotel, um dort einen angemessenen Saal zu mieten. Nichts als Show, aber gut genug uns die Räumlichkeiten anschauen zu können, einzig den großen Saal, in dem bereits Vorbereitungen für die Feier liefen, konnten wir nicht in Augenschein nehmen.
Hawk ließ derweil seinen Geist durch den unwirklichen Matrixdschungel gleiten und brachte uns weitere Kleinigkeiten, die das Bild ergänzten. Am ehesten wäre es wohl sinnvoll, sich am ersten Tag der öffentlichen Veranstaltung einen Überblick über die Wachen zu verschaffen um dann recht bald mit klaren Vorstellungen planen zu können. Nichts desto trotz ließen uns unsere letzten Erfolge kühn werden, warum nicht auf der Geburtstagsfeier, direkt unter den Augen des Gastgebers?
Bald aber zerschlugen sich diese Hoffnungen, obwohl Hawk kühn in die Verwaltung des Hotels einstieg und dort weitere Informationen erbeutete, war die Zeit einfach zu knapp und die Informationslage zu ungenau, um jetzt schon loszuschlagen.
So blieb wenig, als zu rekapitulieren und uns ein wenig zu gedulden. Es gab viele Ansätze, da war die junge Frau des Gastgebers, über die wir vielleicht Druck ausüben konnten, die Hoteltechnik kontrollierte Licht und Anordnung der modularen Räume, war also ein guter Ort, um unsere Bemühungen zu unterstützen. Die Wachen in den Räumen waren eher nachlässig verteilt und sicherten das Collier nur unzureichend. Dazu gab es gleich mehrere Eingänge, jenen von Außen, der dem breiten Publikum offenstand aber auch ein Verbindungsgang ins Hotel hinein, wo das Gedränge sicherlich weit weniger dich sein würde.
Dem entgegen stand die recht kleine, aber gut aufgestellte Sicherheitsmanschaft der Firma N.Thorn sowie ein handelsüblicher Sicherheitskontrakt samt einiger Klauseln mit Ares Security.

Neben all diesen ermüdenden Kleinigkeiten die es zu erledigen galt, gelang es uns, einen weiteren unserer Mitstreiter in die Kunst der Bekleidung und der Etikette einzuführen. Hawk ließ sich, verführt von Jesters Geld, nur zu bereitwillig in einen chicen Anzug kleiden und würde sicherlich, wenn wir noch ein paar Monate an ihm arbeiteten, die gröbsten Höflichkeitsformen erlernen, um in einer Gesellschaft zumindest nicht sofort als Außenseiter hervorzustechen.
Unser Neuer war zumindest bemüht und hatte, für seinen Anspruch auch gutes Händchen bewiesen, denn er erschien nach einer Weile mit einem dieser fürchterlichen, doch sehr angesagten Anzüge, die ärmellos und abgewetzt den Stil der Straße mit dem der Society in Einklang zu bringen versuchen. Scheußlich, aber irgendwie auch angemessen für einen Soldaten.

Damit waren wir bereit und vollzählig und zu meiner großen Freude stand uns ein Tag in der Kunstausstellung bevor. Ein Tag, an dem man nicht abgerissene Bettler, sondern wahre Menschen traf, mit ihnen plauderte und sich dem Genuss eines guten Glases Champagner hingab, derweil man mit den Damen kokettierte und mit den Herren über die Gesellschaft philosophierte.

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Politik
12.06.2075

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Es war beinahe wie früher, beisammensitzen in geselliger Runde und über Politik und die wahrhaft wichtigen Dinge der Welt philosophieren. Nun nicht ganz wie früher, denn die Perspektive hatte sich gewandelt, aber zumindest ähnlich, denn an unseren Fäden, würde die Politik tanzen.

Doch ich greife vor. Jester rief uns ein paar Tage später an, er klang ein wenig angespannt, obwohl er wie stets, seine Stimmung wohl verborgen hielt. Sein Kontakt, Stadtrat Hess, der wohl bei mehr als einem unserer Runs vertrauliche Informationen beigesteuert hatte, war an ihn herangetreten und hatte sich nun seinerseits Unterstützung erbeten. Die Wahl in Seattle war nur noch zehn Tage hin und wollte er seinen Bezirk sicher gewinnen, mussten noch einige Rädchen bewegt werden. Dies allein wäre ja nun kein Problem, doch zugleich durfte Herr Müller, dem Spitzenkandidaten der Sozialisten, kein Haar gekrümmt werden, nicht einmal durfte dessen Ruf geschädigt werden, oder seine Karriere auch nur ein bisschen stocken. Die beiden waren Freunde, aber der Stadtrat zog es vor, selbst in freundschaftlichem Gerangel um einen Posten die besseren Karten zu besitzen. Ein kluger Mann, wie ich hier anmerken möchte.

Schon seit Jahren hatte ich mich nicht mehr mit Politik befasst, wozu auch und so dauerte es ein wenig die Situation voll zu erfassen.
Stadtrat Hess und seine Konservative Partei hatte ungefähr 37% der Stimmen, die Sozialisten hinter Stadtrat Müller ebenso. Unterstützt wurden die Konservativen vom metamenschenfeindlichen Humanis Policlub und die Sozialisten, von den radikal angehauchten Umweltaktivisten.
Somit gab es in Renton ein Kopf an Kopf Rennen, dass wir zu entscheiden hatten.
Metamenschen Vandalismus um die Konservativen zu stärken schoss uns durch den Kopf, vielleicht als Illusion, gemischt mit einer Truppe Narren, die die Polizei dann verhaften konnte.
Falsche Nachrichten lancieren, entweder gegen die anderen, oder gegen Stadtrat Hess, um dann von einer Schmutzkampagne gegen ihn zu sprechen und einen öffentlichen Widerruf zu erzwingen.
Wahlwerbung manipulieren, indem man die AR ein wenig umgestaltet, oder den ein oder anderen Slogan ändert. Oder aber einfach die Wahlagentur der Sozialisten mit ein paar Fehlern diskreditieren. Die Wahlrede Stadtrat Müllers aus der letzten Wahlperiode, Wahlpräsente die bereits abgelaufen oder von minderer Qualität waren.

Alles gute Ideen, aber noch nicht der zündende Funke, der die Wahl entscheiden würde. Dann war es Jester, der den ersten Volltreffer landete. Die freiwilligen Wahlhelfer, jene die in der Stadt das Rückgrat der Sozialisten waren, jene die ihre Mitmenschen mitrissen und die Wahl katalysierten ausschalten. Manche gewannen im Preisausschreiben, andere fingen sich einen Salmonellen Virus ein und weitere ähnlich gelagerte Möglichkeiten standen im Raum.

Dann war es an mir zu brillieren. Schon zuvor hatte ich vorgeschlagen ein politisch brisantes Werk zu fälschen und den richtigen Stellen zuzuspielen, um z. B. die Umweltaktivisten in Verruf zu bringen und somit indirekt die Wahl zu entscheiden. Doch dabei gab es zu vieles zu bedenken, die Fälschung musste gut sein, das würde kosten und außerdem mussten die Wählerströme prognostiziert werden, schließlich wollten wir ja einen positiven Effekt erzielen und nicht aus Versehen den Wahlkampf der Sozialisten ankurbeln.
Warum dann nicht direkt die Sozialisten angehen? Zu riskant, dass würde sicherlich Stadtrat Müllers Ruf schaden und Stadtrat Hess hatte sehr klar gemacht, dass er solches nicht dulden würde.
Endlich dann der Durchbruch. Redmond!!!
Ihr fragt euch jetzt sicher, was denn der Nachbarbezirk mit der Wahl in Renton zu tun hat und werdet gleich überrascht aufstöhnen. Was wenn in Redmond ein internes Parteipapier erscheinen würde, dass vorschlägt Bezirke zusammenzulegen, um angeblich Verwaltungskosten zu sparen. Eine Datei die vorschlägt Renton und Redmond zu vereinen. Ausgerechnet Redmond, einen der ärmsten Bezirke, wo jeder anständige Bürger sofort fürchten müsste, dass seine sauer verdienten Steuern armen Schluckern in den Rachen geworfen würden. Vielleicht ja auch gekoppelt mit der subtilen Andeutung dafür sorgen zu wollen, SINlose erneut in die Gesellschaft einzugliedern. Ein Fass ohne Boden, dass jeden anständigen Bürger schocken und in die Arme der artig wartenden Konservativen treiben würde.
Der Gedanke wurde gar noch besser, als ein kurzer Blick in die Matrix ofenbarte, dass eine sozialistische Menschenrechtlerin Bürgermeisterin Redmonds war. Die fingierte Datei läge direkt auf ihrer Linie, wäre also umso glaubhafter und wenn die Presse in Redmond einfallen würde, wäre beinahe garantiert, dass sie die Gelegenheit nutzen würde, um sich zu profilieren und ihre ziele voranzutreiben. Selbst wenn sie so zurückhaltend und diplomatisch wäre, wie nur denkbar, wären ihre Worte so radikal, dass es einfach zu einer Wählerwanderung kommen musste, einer Wählerwanderung hin zu den Konservativen, die all diesen radikalen Unsinn ablehnten, wohingegen die Sozialisten ja nun offenkundig mit dieser Wahnsinnigen liebäugelten.
Als kleines Bonbon obenauf kam die Tatsache, dass ein solcher Run eher ein Spaziergang werden würde. Das Wahlbüro in Redmond war ganz sicher nur rudimentär bewacht, die Hardware veraltet und niemand würde sich besonders darum bemühen unsere Datei als externe Fälschung zu entlarven, nicht wo sie doch so gut ins Parteiprogramm passte.

Jester grinste über beide Ohren und auch mir stahl sich ein selbstzufriedenes Lächeln aufs Gesicht. Bald würden wir auf der Siegesfeier des neuen Bürgermeisters stehen und uns, über ein Glas edlen Wein hinweg, zuprosten.

Beglückt nahm ich zur Kenntnis, wie mir Jester eine Flasche edlen Whiskey reichte, einen Tropfen, den ich seit fast fünf Jahren nicht gekostet hatte und den ich mir für einen ganz besonderen Augenblick aufheben würde, um ihn dann gemeinsam mit meinen neuen Freunden zu genießen.

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Ein schneller Run
05.06.2075

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später bekannt als die Chroniken von Zagroschims Wundertaten

Es war ein trüber Montag, erfüllt von einer eher plätschernden Debatte mit Fedge über Urban Brawl und lauwarmem Bier, als sich ein neuer Auftrag anbahnte. Diesmal ging es schnell, sehr schnell, denn es sollte schon heute Abend beginnen. Was es auch immer war …

Ein wenig aufgeregt legte ich meinen besten Anzug an und sorgte dafür, dass der schäbige Look in neuem Glanz erstrahlte. Es sollte ins Bavaria Alm gehen, ein Etablissement, in dem ich früher ab und an vorbei geschaut hatte. Nicht unbedingt mein Stil, aber immerhin eine der Topadressen der Stadt und keine mittelmäßige Absteige.
Ein Taxi fuhr mich die letzten Meter bis dorthin und kaum stieg ich aus, erblickte ich zu meiner Freude und Verwunderung, Isabeaux, diesmal nicht in schäbiger Straßenkleidung, sondern gewandet in ein Kleid, ihre Haare frisiert und sogar mit manikürten Nägeln, überraschender Weise erinnerte nicht einmal ihr Gang noch an ihr sonst so unpassendes Auftreten. Selbstverständlich reichte ich ihr meinen Arm und geleitet die Lady, vorbei an einer wenig bemerkenswerten Sicherheitskontrolle ins Innerte, wo uns eine recht annehmbare Bewirtung und Bedienung zuteil wurde.

Als Hawk auftauchte, empfing uns unser Gastgeber in einem ziemlich stillosen mattweißen Raum, in dem zu unserer Erbauung ein ausgezeichnetes Mahl auf uns wartet. Auch unser Gastgeber, jener Johnson, der auch für den letzten Run verantwortlich war, tauchte auf, um uns Gesellschaft zu leisten und, wie es sich gehört, den Schein geselliger Freundschaft zu pflegen. Er war groß, ziemlich dürr und irgendwie eine Spur unheimlich, keiner, dem man gern begegnet und doch von unleugbarer Faszination. Mag es an seinem untrüglichen Gespür für Zeit und Augenblick, seinem perfektem Gebaren, oder seiner Gabe die Magie zu beherrschen liegen, war es mir doch kaum möglich, Isabeaux die ihr zustehende Aufmerksamkeit zu schenken.

Recht bald kamen wir auf den Auftrag zu sprechen. Eine Untergrundauktion, in der einen Datenchip versteigert werden sollte. Jenen Chip sollten wir besorgen und abliefern. Alles in allem recht einfach, wären da nicht die Details. Die Black Sharks veranstalteten solche Auktionen recht regelmäßig ein bis zweimal im Jahr, waren also Profis. Der Ort der Auktion war nicht bekannt, dazu kam die Tatsache, dass neben unserem Chip auch noch buchstäblich tausende weiterer Artikel versteigert wurden. Da musste man kein Genie sein um zu erraten, dass das Budget für Sicherheit dementsprechend ausfallen würde.
Kurz erlaubte ich mir zu zweifeln, dann straffte ich meine Schultern, ich hatte schließlich einen Ruf zu wahren. Immerhin war und bin ich, Zagroschim der Wunderbare.

Da die Versteigerung schon heute Nacht beginnen sollte, war wahrlich nicht viel Zeit. Ein paar Anrufe später, wusste Isabeaux, wo wir hinmussten und Hawk hatte die Liste der Versteigerungsartikel entschlüsselt und durchforstet. Unser Stick war ein Aztec Produkt, welches meist für Firmeninterna genutzt wurde. Nur lesbar mit einem entsprechenden Modul und wahrscheinlich Teil einer ganzen Reihe gestohlener Module, denn jenes, welches wir diesmal kaufen sollten, ähnelte jenem, dass unser Mister Johnson dem extrahierten Wissenschaftler aus der Brust geschnitten hatte. Ein interessantes Detail, aber, wie mir die anderen erklärten, uninteressant für unseren Auftrag. So fuhren wir also in Wheelz! Auto hinüber zur Versteigerung, welche im großen zerfallenen Stadion in Puyallup in den Barrens liegt.

Vor Ort erlebten wir eine Überraschung, obwohl weder die Matrix, noch unsere Connections viel zu sagen wussten, lief hier ein fröhliches Volksfest, eine Mischung aus Einheimischen Gelegenheitsgaunern und erfahrenen Hehlern, die ihre Waren lautstark an den Mann zu bringen versuchten. Allesamt nutzloser Tand und Kleinkram, dennoch ließen sich Isabeaux und Hawk ablenken und nur meinem vehementen Auftreten war es zu verdanken, dass wir den Auftrag nicht aus den Augen verloren.
Für ein wenig Geld erhielten wir Einlass ins Stadion und einen kleinen Würfel, mit dem wir auf den Auktionen bieten konnten. Recht nützlich wie sich später herausstellen sollte.
Im Stadion verliefen sich die vier bis fünf Tausend Besucher förmlich und vom dichten Gedränge war nicht mehr viel zu spüren. Kein wunder das der aufmerksamen doch leider wieder in Straßenkleidung gehüllten Isabeaux sogleich ein alter Bekannter ins Auge fiel. Jener Meistermagier aus dem Magic Corner schien nicht bloß dort seine Finger im Spiel zu haben, nein er gehörte auch zu den Black Sharks, die hier mit ihrer Versteigerung reichlich Umsatz machten. Ein ziemlich unangenehmer Nebeneffekt, denn wir waren uns alle sicher, dass dieser es uns persönlich übel nahm, dass wir ihn beim letzten Treffen beinahe ins Jenseits befördert hätten.

Für heute war unser Blick jedoch auf den Datenstick gerichtet, dessen Eröffnungsgebot bei knapp 70.000 Nuyen liegen würde, wenn er am dritten Tag der Auktion verkauft werden würde. Die Idee den Stick später dem zukünftigen Besitzer abzunehmen lockte sehr, doch waren wir uns gewiss, dass dieser sich nicht freiwillig davon trennen würden und sorgten uns darum, dass rechte Zeitfenster zu verpassen. Also schlug Hawk kurzerhand vor, wir könnten ja jetzt mal reingehen und nachsehen, was wir so finden. Ein ziemlich unausgegorener Plan, dazu noch viel zu riskant.
Just zu diesem Zeitpunkt musste ich hören, wie Isabeaux Hawk erklärte, ich wäre nicht fähig drei Personen mit einer Verbesserten Unsichtbarkeit zu belegen. Eine Beleidigung und zugleich eine Herausforderung. Ganz sicher war ich nicht dumm genug einfach zu behaupten mir wäre dies ein Leichtes, denn drei gute Illusionen zu handhaben, hat schon seine Tücken und so erklärte ich, vielleicht ein wenig großspurig, solange die Geister uns entdecken könnten, würden die drei Zauber, die natürlich gar kein Problem seien, nutzlos.
Dumm nur dass die hübsche Isabeaux dies geschickt auszunutzen wusste. Wir könnten ja einen Geist beschwören, der uns abschirmt und so die Entdeckung verhindert. Nun war guter Rat teuer, einzugestehen, dass ich dies nicht vollbringen könnte, schied von vornherein aus, aber ein mächtiger Geist und drei Illusionen, war wirklich harter Tobak, es half alles nichts, wollte ich nicht wie ein Angeber dastehen, mussten die Zauber gelingen.

Um unsere Vorbereitungen zu tarnen, gingen wir gemeinsam zu den sanitären Anlagen, augenscheinlich ein sehr verliebtes Grüppchen mit amourösen Absichten. Dort wirkte ich meine Magie und obwohl ich unter der Last, all diese Zauber zu halten, doch ein wenig den Überblick verlor, gelang es mir, jeden einzelnen zauber, samt dem geist perfekt zu gestalten, es blieb sogar noch Luft dem Geist zu befehlen, mich im Fall einer Konfrontation zu schützen.
Geduldig warteten wir vor der Tür zum Unterbau des Stadions bis diese sich öffnete und wir hineinschlüpfen konnten. Ungeduldig nahm mich Hawk auf seinen Arm, angeblich weil ich gestolpert wäre und viel zu laut sei, aber ich denke, er war einfach von meiner Macht so beeindruckt, dass er es für angemessen heilt mir solcherart seinen Respekt zu bekunden.
Nun wurde ich also durch die Gänge getragen und musste für nichts weiteres Sorge tragen, als dass die Zauber nicht verschwammen. Noch nie hatte ich einen so leichten Run erlebt, wir marschierten vorbei an Wachen geistern und Kameras, überwanden eine Sicherheitstür und gelangten beinahe unbehelligt ans Ziel. Ein einziger geist bemerkte etwas und für den war es zu spät, als Isabeaux, erfüllt von einem ihrer Schreckenswölfe, diesen zerfetzte.
Nun gut, ein wenig Nervenkitzel war es schon, insbesondere als die Wachen mit den Schallsuchern kamen, aber mehr als ein paar Tropfen Schweiß kostete es nicht, hinausschleichen und in der Menge unterzutauchen. So glatt war der Run gelaufen, dass wir sogar noch genug Zeit hatten, uns den Auktionen zu widmen und die ein oder andere Sache zu ersteigern.

Ein paar Stunden später übergaben wir den geforderten und die anderen Sticks, strichen einen saftigen Bonus für Pünktlichkeit und die weitere Ware ein und machten uns mit prall gefüllten Taschen zufrieden auf den Heimweg.

In dieser Nacht schlief ich zum ersten Mal seit Jahren tief und fest. Sollte die Welt ruhig spotten, Zagroschim war wieder da und seine Bühne waren die Schatten.

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