Shadowrun 5 Seattle

Kollektiver Wahnsinn

Aus Zagroschims unveröffentlichten Tagebüchern,
später bekannt als die Chroniken von Zagroschims Wundertaten

Der Run war vorüber, aber die Probleme sollten gerade erst anfangen.
Immerhin war es Hawk gelungen den fetten Mexikaner zu erschießen und obwohl es mir gelungen war diesen vorrübergehend zu stabilisieren, hatte der hektische Ritt auf Isabeauxs hübschen Schultern ihm den Rest gegeben.
Drek, wie Jester es ausdrücken würde. Dazu kam, dass in dessen persönlichen Aufzeichnungen nicht viel zu holen war. Aber immerhin ein wenig. Wir hatten ein Gesicht zu dem Russen, mit dem der Mexikaner gestritten hatte. Mikael Grosny, einer der Topleute der Russenmafia.
Miss Isabeaux entsorgte den Mexikaner bei ihrem Fleischhändler, aber statt wenigstens noch ein paar Nuyen für die Cyberware zu bekommen, wurde sie noch recht unsanft darüber informiert, das wir die nächste Leiche doch frisch liefern sollten. Als ob das ganze Thema nicht so schon unzivilisiert und ekelig genug wäre.

Am Vorabend, kurz bevor wir uns trennten, hatte ich Jack beiseite gezogen und ihm unter vier Augen recht bestimmt mitgeteilt, dass die drei Schließkästen, welche er in seiner Tasche trug, nur in unserem Beisein zu öffnen waren. So blieb jedem genug Zeit seine Wunden zu lecken und wieder frisch im Kopf zu werden.
Am nächsten Mittag dann, als wir uns in unserer Stammkneipe trafen, legte Jack, unschuldig lächelnd genau zwei Schließkassetten auf den Tisch. Frustriert blickte ich auf, war ich etwa nicht eindeutig genug gewesen?
Also begann ich ihm meinen Standpunkt klarzumachen. Wenn er nicht mit offenen Karten spielt, können wir ihm nicht vertrauen. Wir kannten ihn kaum ein paar Stunden und auch wenn ich große Stücke auf Miss Isabeaux halte, kann ich doch nicht behaupten deren uneingeschränktes Vertrauen bereits zu teilen. Jack hatte sich als Ruhepol und äußerst vernünftig eingebracht und ich mochte ihn auch recht gut leiden, aber noch ein Solostar würde unser Ensemble ganz sicher auseinandertreiben. Wenn wir etwas erreichen wollten, zum Beispiel überleben, dann mussten wir lernen, als wir zu funktionieren.
Natürlich waren alle wieder unterschiedlicher Meinung, Miss Isabeaux verteidigte ihren Freund auf Teufel komm raus, Wheelz! fand in typischer Straßenmanier, dass Dinge die nicht gesagt worden waren und die den Run nur am Rande streiften, wo man natürlich unterschiedlichster Meinung sein kann, kein Vertrauensbruch seien, sondern allein Privatgeschäfte.
Jester schloss sich meiner Meinung an und ebenso Hawk, bei dem ich dies, nach seinen ständigen Unabhängigkeitsbeteuerungen, auch eher aufgesetzt empfand.
Allerdings wurde mal wieder ganz schnell klar, dass wir nicht beschlussfähig waren. So blieb mir nichts, als Jack offen anzublicken und ihm zu sagen, dass wir bereit waren die Probleme, verdeckten Verpflichtungen und anderweitigen Probleme unserer Kameraden zu tolerieren, solange sie uns soweit eben möglich einweihten. Sollte sein unheimlicher Schieber ruhig herum spuken, solange wir eine Vorwarnung hatten, würden wir damit schon umzugehen wissen. Schließlich ging es mir auch nicht zwingend um die Schließkassette, sondern um die fehlende Vorabinfo und insbesondere um seine dreiste Ignoranz, als er mit drei Kassetten abzog und nur zwei zurückbrachte.

Als ob dies nicht genug Ärger wäre, ging es gleich weiter, in den Kassetten fanden sich Wertgegenstände und Bargeld. Ersteres vertickte Jester, zweiteres kam erst mal in die Gemeinschaftskasse. Soweit so gut, doch in zwei Kisten fanden sich Datensticks, mit ziemlich brisantem Zeug. Eine ganze Menge von dem was der Mexikaner abgezogen hatte, recht aktuell und sicher nicht ganz wertlos. Jester sprach sich sehr vehement dafür aus, die Daten asap an Rose zu verkaufen. Zum einen um ihre Kontakte zu mehren und zum anderen, um im Zweifelsfall einige lukrative Aufträge dafür zu erhalten. Hawk war besessen davon zuerst einmal alles zu sichten und wollte nichts davon hören, was Jester vorschlug.
Obwohl ich inhaltlich zu Jesters Idee tendierte und auch Isabeaux die Sache für eine gute Idee hielt, war ich doch weniger davon überzeugt, ob ein oder zwei Stunden mehr, hier einen so großen Unterschied machen würden. Insbesondere im Hinblick auf die Tatsache, dass man damit den Gruppenfrieden nicht erneut ins Wanken brachte.
Jester sah das anders und recht bald schmiss ihm unsere Diva eine Datenkopie vor die Füße und stürmte mit den Worten: „Mach doch was du willst!“ aus dem Raum. Was Jester dann auch machte. Er fand Rose Blankoangebot, alle Daten exklusiv, ohne vorherige Einsicht zum Preis von 20.000 Nuyen einfach unwiderstehlich und da er sich ja sowieso für unseren Entscheider hielt, nahm er das Angebot sogleich an und versprach Rose sogar, dafür zu sorgen, dass Hawk die Exklusivität ihrer Daten nicht beeinträchtigte. Und das alles über eine Leitung, über die unsere Diva mithörte …

Damit war natürlich mal wieder alles durcheinander. Hawk, den wir zur Sichtung der weiteren Daten brauchten war fort und meldete sich auch weder auf freundliche Anrufe noch auf Kommandos oder wutschnaufende Kommentare.
Soweit ausgebremst machten sich Jester und Isabeaux auf den Weg die Wertgegenstände an Jon Dealer zu verkaufen und bei Sam einen guten Preis für die beiden Waffenfoki, welche Miss Isabeaux eingesteckt hatte, herauszuschlagen. Es war weniger als erhofft, aber zumindest ein recht ansehnliches Sümmchen. Zuletzt blieben für jeden von uns gut 10.000 Nuyen übrig, genug für die nächste Miete.

Derweil beschäftigten Jack und ich uns mit Mr. Darokin und Chaos Theory. In den Daten des fetten Mexikaners waren einige Sachen recht deutlich hinterlegt. Darokin war am Abend nach meinem Tod mit dem Mexikaner zusammengekommen und hatte diesem reichlich Geld für Zagroschims Tod geboten. Dieser hatte, wenig später dann, den Hacker Chaos Theory mit der Durchführung beauftragt. Dieser saß also nun auf den 150.000 Nuyen und schaute genüsslich zu, wie diverse Killer sich bemühten, dieses abzugreifen. An sich ja auch ein lauer Job, aber ihr werdet verstehen, dass ich dies ein wenig persönlich nahm.
Schnell war auch Jack klar, dass dieser Wurm von Darokin erst Ruhe geben würde, wenn er den Tod gefunden hatte und dass es bei unseren mangelnden Ressourcen sehr sinnvoll war, diesen Hacker mal zu besuchen, ihm zu sagen, dass der Auftrag mit dem Mexikaner gestorben sei und das Geld umzubuchen.
Bloß dass wir auch dafür Hawk benötigten. Denn wir hatten zwar das Urknallicon von Chaos Theory und wir hatten auch einen Namen, aber auch nicht mehr und Hacker lassen sich nun mal am besten in der Matrix finden.

Es sollte einen ganzen Tag dauern, bis Hawk sich beruhigt hatte. Wir luden also Jack zu uns ein um alles bei einem gemütlichen Frühstück zu erörtern. Nach dem Konflikt am Vormittag und der recht wirren Gruppenhaltung hielt ich es für das Beste auf meinen gesunden Menschenverstand zu vertrauen und zu hoffen, dass es mit Jack besser würde, als mit einem weiteren unabhängigen Mitarbeiter, wie sich Hawk sah.
Jack bekam also seinen Anteil und eine Führung durchs Haus, ehe Hawk uns nun endlich darüber informierte, was er herausgefunden hatte. Chaos Theory war in der Matrix nicht unbekannt. Recht häufig besuchte er einen Matrixclub, anscheinend ohne sich große Gedanken darüber zu machen, was es bedeutete sich regelmäßig irgendwo blicken zu lassen, wenn man nicht gefunden werden wollte.
Dazu kam das Profil, Loyal zuverlässig und erfolgreich, lässt sich leicht ablenken und ist sprunghaft.
Zuerst waren wir verwirrt, aber als Hawk ihm einen Schleicher verpasste und dieser uns den Standort des Hackers lieferte, wurde alles klar. Er war noch ein Kind, der während des Unterrichts und auch sonst wahrscheinlich wenig Besseres zu tun hatte, als sich in der Matrix rumzutreiben.
Umso besser, denn ein Kind war nun wirklich recht leicht einzuschüchtern und gewiss wäre dieser auch nicht versessen darauf, den Rest seiner Schulzeit von einer Zelle aus zu lernen.

Der Besuch bei Chaos Theory, einer jungen rechtaufgeweckten Dame aus gutem Elternhaus mit gleich zwei Bodyguards erwies sich als ziemlich erfolgreich. Die junge Dame war zwar nicht erfreut, aber doch kooperationsbereit. Sie ließ mit sich handeln und zuletzt nahm sie alle Kopfgeldaufträge aus dem Netz. Alle, damit niemand wusste, wo unser Interesse an der Sache lag! Wir erhielten, gar nicht mal so unerfreuliche 20.000 Nuyen pro Nase, 40% von allen Preisgeldern. Und dazu eine neue Freundin, mit der man sicher den einen oder anderen Deal starten konnte. Insbesondere wenn Hawk mal wieder zickte, würde ich mich an meine neue Freundin erinnern und dafür sorgen, dass wir auch ohne ihn zurechtkamen.

Außerdem hatte ich für meinen Teil beschlossen, dass es nun genug war. Ein paar Mal hatte ich es mit freundlichen Hinweisen versucht, ein paar Mal mit dreisten Kommentaren und auch ein paar Mal mit guten Argumenten, doch bisher hatte ich nicht mehr Erfolg unseren wilden Haufen zu einen, als ich es bei einer Schar Hühner gehabt hätte.
Der Spaß war nun vorbei, ich würde meine Armeen um mich scharen und die Flammen der Erneuerung auf all jene herabregnen lassen, deren Verhalten, nennen wir es einmal, ausbaufähig war.

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Kugelhagel

Aus Zagroschims unveröffentlichten Tagebüchern,
später bekannt als die Chroniken von Zagroschims Wundertaten

Es war nicht wirklich schwer Miss Isabeaux Geist zur Skybridge zu folgen. Dieser wusste, welche Aura der Mexikaner besaß und ich würde als denkendes Backup bereitstehen um bei unvorhersehbaren Problemen eingreifen zu können.

So kam es auch, der Geist hatte den Befehl die Brückenauffahrt zu kontrollieren, doch leider kam unser Ziel, oder zumindest eine mehr als wichtige Person mit einem Luftwagen. Außerdem waren die Wachgeister, drei an der Zahl, nicht ganz so dumm und harmlos, wie man es gewohnt war. Insbesondere ein gewaltiger Tiergeist, geformt wie ein mächtiger Minotaurus, machte uns das Leben schwer.

Natürlich sandte ich meine Gedanken und Beobachtungen stets getreulich überbracht von einer Luftdame meinen Gefährten und konnte mir feixend vorstellen, wie verwirrend es für diese sein musste, wenn jeden Augenblick ein Geist bei ihnen auftauchte. Andererseits besser so, als keine Informationen zu erhalten und außerdem war ich auch ein bisschen verärgert, weil sie mal wieder darauf verzichtet hatten ihren Hintern hochzubekommen, mittlerweile musste doch allen von ihnen klar sein, dass es besser war, mundane und magische Aktionen zu koppeln.
Als die Gäste die Skybridge verließen und sich Miss Isabeauxs Geist anschickte die Wagen zu überprüfen, sprang der Tiergeist los und verdrängte den Geist. Danach kehrte er auf seine Position zurück und wartete. Ich harrte bis zuletzt aus, ich wollte sehen, ob der Tiergeist zum Flugwagen gehörte oder nicht, aber als ich nicht länger warten konnte, ohne Gefahr zu laufen den Flugwagen aus den Augen zu verlieren, flog ich, mit Rückendeckung eines Geistes dorthin. Sofort war der Tiergeist da, ignorierte mit Leichtigkeit meinen Geist und traf mich mit einem mächtigen Schlag, der mich zum Rückzug zwang.

Zurück daheim gab es nicht mehr viele Möglichkeiten, Miss Isabeaux verschwand in ihrem Refugium und erschien etwas später mit einem Geist, den sie auf die Suche nach dem Mexikaner schickte. Dieser kehrte auch sogleich zurück und nur wenige Minuten später waren wir auf dem Weg zu unserem Ziel.
In astraler Gestalt folgte ich dem Geist, der mich im ersten Versuch bloß zu einer Kreuzung brachte. Ein Umstand der mir mal wieder verdeutlichte, wie unwissend und weltfremd diese Wesen waren. Eben Werkzeuge, die man geschickt einzusetzen hatte, statt clevere Freunde, auf die man sich verlassen konnte. Eine Weisheit, die die hübsche Miss Isabeaux im Übrigen gar nicht gern hörte.

Was soll ich lange debattieren, der zweite Anlauf brachte uns zu unserem Ziel, einer gehobenen Schrauberwerkstatt, in der, wie ein weiterer Geist bestätigte, der fette Mexikaner noch immer hockte.
Mittels meines Lasermikrofons belauschten wir einen Telefonstreit zwischen dem Mexikaner und seinem russischen Arbeitskollegen, hatten aber nicht die Ruhe eine vollständige Übersetzung abzuwarten, doch auch so war klar, dass der Mexikaner in der Defensive war, wahrscheinlich bekam er Druck, weil etwas nicht so gelaufen war, wie es sollte. Vielleicht waren ja sogar wir dieses etwas!
Hawks Erkundung der Matrix zeigte wenige bis nicht vorhandene Sicherheitsvorkehrungen und so beschlossen wir als nächstes die Informationssuche auf der astralen Ebene zu verfeinern. Ich schlüpfte zum wohl x-ten Mal aus meinem Körper und schwebte durch das Gebäude, um einen kurzen Blick durch die Decke in den Raum zu werfen. Drei Personen am Tisch, zwei aufmerksame Wachen die im Raum patrouillierten. Sehr vorsichtig zog ich mich zurück und musste doch annehmen, dass eine der Personen mich erblickt hatte.

Hawks Ungeduld trieb uns voran, als dieser loszog um den Feind zu stellen, konnten wir anderen nicht länger zögern. Doch der Alarm zeigte uns nur zu deutlich, dass wir entweder zu kurz, oder zu lange gewartet hatten. Wir stürmten los das Treppenhaus hinauf und wurden prompt von zwei Schockgranaten getroffen, die durch die Tür hinein polterten. Und wenig später in das verheerende Sperrfeuer zweier Kampfdrohnen, die Jester arg beutelten und Jack an den Boden klebten, ehe wir anderen diese vernichten konnten.
Mein Geist, der den feindlichen Rigger angreifen sollte, war schneller vernichtet als ich es erwartet hatte und anscheinend war es ihm nicht einmal gelungen sich zu verfestigen und mittels seiner Flammenaura Schaden zu machen.
Egal, wir mussten weiter und endlich gelangten wir ans Ziel. Doch der Feind hatte sich vorbereitet, wartete nur darauf uns zu schaden. Kaum wagte einer von uns, seine Nase vorzuschieben, kam ein ganzer Kugelhagel zurück.

Doch auch wir wussten uns zu behaupten. Miss Isabeaux schnappte sich in ihrer unnachahmlichen Art den feindlichen Adepten, dessen Zauberklingen ihr arg zusetzten. Jester und Jack wussten sich mit Kugeln recht gut zu wehren und so schien niemand zu bemerken, dass diese halsstarrigen Feuergeister sich einmal mehr gegen mich verschworen hatten. Verfluchte Viecher!
Nach und nach endlich gewannen wir die Oberhand, zumal einer der Feinde feige floh. Bald erledigte ein gezielter, aber leider verirrter Schuss den fetten Mexikaner und auch der letzte noch stehende Feind, versuchte durchs Fenster zu entkommen.
Sofort war ich da und stabilisierte den Mexikaner, doch dieser war offenkundig schwer verletzt. Als uns Wheelz! just in diesem Augenblick kontaktierte und von anrückender Polizei sprach, musste alles sehr schnell gehen. Miss Isabeaux durch ihren Geist überirdisch schnell, rannte mit dem Mexikaner davon, Hawk und Jester rannten Richtung Doozer, doch Jack bog in eine andere Richtung ab. Verdächtig schoss es mir durch den Kopf und selbst beschleunigt durch einen fleißigen Luftgeist, folgte ich ihm, nur um zu sehen, wie er recht gezielt nach einer verborgenen Tür suchte, die er auch fand und aufriss. Er erbeutet drei Schatullen, eine davon ganz offenkundig jene, nach der er gesucht hatte und rannte dann Richtung Doozer. Mir selbst blieb ein wenig mehr Zeit, denn mein Luftgeist lenkte meine Füße. Leider nicht genug um alles einzusammeln, aber immerhin blieben auch mir drei kostbare Schatullen, die eventuell geeignet wären unser klammen Kassen zu füllen.
Ich würde mir Jack vornehmen müssen. Wenn er uns informiert hätte, dann hätten alle Schatullen geborgen werden können. Es würde erstaunlich einfach werden, wenn er bei uns bleiben wollte, sollte er sich gleich die Hawk – Allüren verkneifen. Denn ich hatte nicht vor unser werdendes Team, zu einer losen Interessengemeinschaft verkommen zu lassen. Wenn er in unser Team wollte, dann musste er mit offenen Karten spielen und das würde bedeuten, dass er uns verriet, wonach er gesucht hatte und was sein Schieber eigentlich vorhatte. Fortan würden wir vorher wissen worum es ging!

Bald darauf trafen wir erneut zusammen, gespannt was die Schatullen beinhalteten und was der fette Mexikaner zu sagen wusste.

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Lektion 10
Noch schlägt Vernunft die Instinkte

Hi Solo.

Es heisst: “Ein Freund in der Not ist Schlimmer als der Teufel.” und ich kann davon ein Liedchen singen.

Nachdem wir aktuell ein wenig trügerische Ruhe um ZigZag und den Mordauftrag hatten saß der nächste im Team sprichwörtlich bis oberkante Unterlippe in den Fäkalien. Reapers Ex-Chef brauchte Hilfe und die Daten die wir im Vorfeld bekamen waren Mäßig bis Beschissen zu nennen. Einzig, dass wir direkt ins Hornissennest voller Laeser stechen würden – das war klar. Extraktion eines Einsatzteams direkt neben dem vermutlichen HQ dieser Elfenrassisten.

In Kurz: Es lief ganz anders als geplant. Während ich damit Rechnete, dass wir das alte Team von Reaper nur bei der Flucht raus aus dem Laesergebiet unterstützen würden war es eher nur die halbe Wahrheit: Erstmal ging es rein -auch noch ins HQ, bevor es dann raus gehen konnte. Scheisse. Und Reaper altes Team saß zudem auch noch voll auf dem Trockenen. Keine Mun, kein Deck – nicht mal was zu essen!

Also haben sie ein paar Tage still gehalten und wollten dann mit uns da rein.

Ein paar Eil-Besorgungen später und über Hundertausend Credits ärmer, ging es dann los. Es war voll improvisiert und das wussten wir, aber was will man machen? Schnelligkeit war und blieb der Schlüssel zu dieser Aktion – neben einer ungehörig großen Portion Unverfrohrenheit und GLÜCK natürlich.

Und kurz bevor es losging tauchte Hawk plötzlich nicht mehr am Treffpunkt auf. Wir konnten ihn auch nicht auffinden. Weelz observierte das Laeser-HQ, um zu schauen, ob die Laeser ihn geschnappt hatten und dorthinbrachten, aber konnte uns dahingehend keine Bestätigung bringen.

Ich muss zugeben: Ich hatte, allein weil Hawk schon sehr zwiespältig zu dieser Reaper Hilfsaktion stand, nachdem ihm bei der Zagroschim Aktion gehörig in den Arsch getreten worden war, schon angenommen dass er sich einfach verdrückt hatte und später von “Problemen” und einer abenteuerischen Flucht und Irreführung der Gegner berichten/ erzählen würde: Also nicht weniger als das volle Märchenprogram, weshalb ich Weelz anwies die Suche nach Hawk einzustellen und uns mir der Drohne lieber bei der Überwachung/ Aufklärung des Zielgebiets zu unterstützen.

Einige Feuergefechte und abgefahrene situationen später standen wir im Folterkeller der Laeser voller vollgedröhnter – ok, jetzt kommt ein blöder Kalauer – Laeser-Heads und unserem Ziel: Dem Colonell von Reaper.

Während Zig Zag selbigen Transportfähig machte drehte ich aus purer Menschenliebe und Neugier eine Runde durch die anderen Käfige, um denen Fluchtmöglichkeiten zu bieten, wer sie noch nutzen können wollte und könnte, als ich auf Hawk stieß.

Lockere, fucking 15-30 Sekunden stand ich vor der Käfigtür und überlegte ernsthaft ihn einfach dort zu lassen und zu Schweigen – ihn übersehen zu haben. Er war auch nicht in einem Zustand, dass er es bemerken könnte, denn er war voll weg – wie der Rest der anderen Laeser-Opfer auch.

Der Kampf meines Rachsüchtigen, “Gerechtigkeitssinns” oder Instinkts mit meinem Gewissen war lang und schmutzig. Die Sekunden kamen mir vor wie eine Ewigkeit. Am Ende siegte mein Gewissen, weil es sich mit dem Verstand und meinen Skrupeln verbündete.

Mein Verstand sagte, dass wenn die Laeser Hawk behielten, dann würden sie kurz bis mittelfristig herausbekommen wo wir alle wohnten, hießen und sonst auch alles (wenn sie es nicht schon hatten!) und es deswegen nur die Optionen gab: Rausholen oder Erschießen.

Das war dann der Moment in dem meine Skrupel wehrlose zu erschießen dann in den Kampf eingriff und selbst dann war es noch knapp.. Das letzte Tröpfchen war, dass die Anderen den Schuß dann auch gehört hätten und dann wäre nichts mehr mit “Ups. Nicht gesehen. So ein Pech aber auch.”

Naja ist ziemlich ernüchternd zu erkennen, dass die Rachsucht ala: “Du wolltest kein Team – bitte sehr, dann schau doch mal wie du aus der Scheisse rauskommst” – zu “oh aber so gefährdet er uns also lege ich ihn besser um” eskallieren kann.. Die Schatten sind echt Gift für meinen Charakter, besonders mit diesem nachtragenden, fiesen Wesenszug aus meiner Familie.

Letztlich hätte ich es mir aber vermutlich nicht verziehen ihn da auch nur sitzen zu lassen.. von kaltblütig abzuknallen nicht mal zu sprechen. Aber unter Zeitdruck, Angst und unter Adrenalin kommen schon die tierischsten Instinkte durch und wäre ich nur unreflektiert mitgelaufen, dann wäre Hawk jetzt Tod und ich hab Angst, dass es mit ein paar Jährchen mehr an Schattenerfahrung / -abstumpfung irgendwann genau so passieren wird.

Vielleicht ist Hawk auch deswegen so durch. Er steckt schon viel länger in dieser dreckigen Realität der Schatten. Soviel länger, dass er sie sogar als “Freiheit” bezeichnet.

Ich habe Angst davor was diese “Freiheit” mit mir anstellen wird. Doch noch ist es noch nicht soweit gewesen. Heute habe ich noch meinen inneren Kampf gewonnen – Doch ich weiss auch, dass unter meinen Ahnen und Blutlinie auch genügend viele waren, die diesen inneren Kampf verloren hatten und ihr, unser Blut, ihre und meine Rachsucht sang in meinen Ohren ihr verführerisches Lied. Das alte Thule Blut ist ein mächtiger Verbündeter, eine Quelle der Kraft, doch man muss sie lenken und ihr nicht die Zügel schießen lassen. Dies ist MEIN Leben nicht ihres. Ich bediene mich ihrer Erfahrung, ihrer Kraft, unserer gemeinsamen Herkunft, unserer Geschichte. Ich bin der Meister und nicht ihr Sklave. Sie zeigen mir nur die Wege die ich gehen kann, aber ICH treffe die Entscheidungen genauso wie ich die Konsequenzen zu tragen habe.

Jester
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Lektion 9
Runnerteams

Hi Solo.

Es besteht ein fundamentaler Unterschied zwischen WG und Familie und auch zwischen einem Zweckbündnis und einem Team.

Eingespielte Runner-Teams erzielen in den Schatten angeblich bessere Vergütungen, denn sie scheinen A: Verhältnismäßig selten zu sein und B: bringen neben den individuellen Fähigkeiten auch noch den Vorteil mit sich bereits auf einander abgestimmt und
als Team eingearbeitet sein. Dazu gehören u.a. natürlich auch klare Befehlsketten und Kompetenzen, welche im Zweifelsfall und vor allem im Kampf wichtige Sekunden für Angriff, Verteidigung und auch Rückzug schenken und damit die Erfolgswahrscheinlichkeit des festen Teams gegenüber einem individuell gleichwertigen, zusammengewürfelten Teams drastisch erhöhen.

Kurz: Ein festes Team ist bereits ein Qualitätsmerkmal für sich.

Zumindest kann und wird ein Auftraggeber davon ausgehen.

Heute hab ich erkannt, warum es aber scheinbar nicht üblich ist in festen Teams zu laufen. Hier nur einige der erkannten Gründe:

A. Einige Runner sind so Dumm wie ein Meter Feldweg.
B. Einige Runner können oder wollen sich niemanden Unterordnen (Regeln und oder Personen).
C. Einige Runner sind so Paranoid, dass sie niemandem mehr trauen wollen oder können.
D. Einige Runner sie so Narzistisch, dass sie sich für die Krone der Schöpfung halten, so das sie quasi unfähig sind sich in ein Team einzubringen.
E. Einige Runner sind so Defekt, dass sie niemand in seinem Team haben will.
F. Einige Runner haben Vorurteile, die es ihnen unmöglich macht mit bestimmten Anderen zusammen zu arbeiten oder für oder gegen bestimmte Aufträge/ Konzerne/ Gruppen.
etc, etc

Oft genug treffen auch noch Kombinationen davon zusammen.

Vermutlich kann man die Liste beliebig weiterführen. Vermutlich gibt es sogar für jeden Solisten da draussen einen eigenen irrsinnigen Grund.

Ich war als Mitglied unserer “Runner-WG” (ich werde künftig bewusst den Therm Team meiden) der irrigen Annahme aufgesessen, dass wir auch gleichzeitig alle ein TEAM sind, dass sich nur noch finden und an sich arbeiten muss…

.. während ich also noch Mitten im Büffeln und Trainieren diverser Führungsstile in kleinen Sondereinheiten hing, um im nächsten Kampf eventuell mal als Koordinator etwas Struktur und damit Mehrwert bieten zu können, anstatt einfach nahezu wirkungslos Munition an der Körperpanzerung meiner Gegner Platt zu drücken, sprach Zig-Zag das Thema auf seine ganz eigene charmante Art Letztens einfach mal von sich aus an.

Die Reaktion hatte mich schon ziemlich verblüfft, obwohl ich wohl damit hätte Rechnen müssen und können, denn meine Moral und Wertvorstellungen sind einfach nicht Schattenkompatibel – oder einfach nicht Kompatibel mit meiner Gruppe – wer weiss.

Bestes Beispiel hierfür ist Hawk.

Hawk schon lange ein sehr gespaltenes Leben geführt. Frau, Matrix Identität, Runner (und vermutlich noch ein paar mehr).
Er sieht uns nach eigenem Bekunden offiziell als ein Team, aber aus seiner Klärung und Haltung wurde sehr deutlich, dass wir nur eine bequeme Aquiseabteilung für ihn sind.
Er würde mit uns Laufen, sich aber nicht Unterordnen oder Regeln folgen, oder auf eigene, private Runs verzichten und auch diesen nicht irgendwelchen Regeln unterwerfen. Seine Freiheit geht ihm über alles und Regeln sind nur für Andere und Konzerner. Er sieht die Sicherheit und Gemeinschaft nicht, die selbst formulierte und abgestimmte Regeln untereinander geben könnten, sondern nur einen Käfig in den er sich begeben müsste. Er ist sozusagen der Vollblut Anarchist der Gruppe.

Das geht bei Ihm ja auch so weit, dass er nicht Bestandteil unserer kleinen WG ist, sondern nur häufiger Gast mit Zugriff auf die Vorzüge unserer ‘Zentrale’, aber keinen Aufgaben im Haushalt.

Was mir auch sauer aufstößt ist, dass Er, kaum zur Gruppe gestoßen, es auch war, der in einem Auftrag ein schwer verletztes Teammitglied geeken ließ, weil es potentiell Gefährlich werden könnte, wenn es von Doc Waggon befragt werden würde.
Ich konnte die reale Gefährdung damals wie heute nicht wirklich einschätzen, aber hatte mich überrumpeln und von Zauberfees und seinem Wissensvorsprung Vertrauensvoll leiten lassen.
Er ist es auch gewesen, der mir ins Gesicht gelogen hat, dass er den Wetwork Auftag erledigt habe – zu meinem Schutz natürlich! – und dann Tagelang ohne Kommentar zugesehen hat, wie ich langsam dem Suff abglitt und innerlich starb.

Aber EIN schwarzes Schaf in der Gruppe kann ein gutes Team vielleicht sogar auffangen, kompensieren, eventuell zur Besserung erziehen und die schwelenden Streit- und Konfliktpunkte ausgleichen – sprich: Jeweils einen Kompromiss bei unterschiedlichen Ansichten und Meinungen finden.

Doch leider kamen sowohl von Zauberfee, Wheelz und Reaper zu allen Punkten immer nur eine partielle Zustimmung, so dass zu viel grauer Raum blieb, um auch nur daran denken zu können Hawk zu einen minimalen Zugeständnis an eine echte Entwicklung zu einem Team hin zu bewegen.

Jeder von ihnen wollte irgendwo, irgendwie einen Sonderweg, eine Freiheit, eine Ausnahme oder wollte sich schlicht nicht auf einen festen Standpunkt einlassen. Damit war die angeregte Diskussion zur Verbesserung unserer Effizienz und Zusammenarbeit schnell zu einer Diskussion abgedriftet, ob wir überhaupt ein Team sind und sein wollen.

Ausser dem Lippenbekenntnis zur leeren Worthülse Team, kam aber leider nichts substanzielles.

Ich für meinen Teil war ultra kurz davor zu schmeissen – oder gar ähnlich wie Hawk einfach mal einen absoluten Standpunkt vertreten, um ihm mal einen Spiegel vorzuhalten – mit der durchaus realen Gefahr aus dem Team rauszufliegen, bzw. danach selber konsequenterweise gehen zu müssen.

Aber wenn ich eines in den Jahren meiner Verhandlungsführung gelernt habe: Man sollte nicht in der ersten Verhandlung den ganzen Prozess als Gescheitert aufgeben, nur weil die Punkte unvereinbar scheinen.

Fairerweise muss ich aber auch sagen, dass ich mit dieser Vorgeschichte nur bedingt bereit bin noch Kompromisse für Hawk einzugehen. Denn wenn ich eines nicht leiden kann, dann wenn man meine Entscheidung für oder gegen etwas übergeht, mir dann ins Gesicht lügt und sich dann mit Formulierungsspitzfindigkeiten herauswieselt. So agiert man vielleicht im JOB, aber nicht in einem Team – und wäre ihr Betrug aufgeflogen, dann hätte ICH – und nur ich! – den Preis zahlen müssen und diese Gefahr wird weiter über mir schweben.

Also bereite ich Sicherheitshalber schon mal den Absprung in eine Solokarriere vor.
Schritt eins: Eine Unterkunft von der der Rest nichts weiss.
Schritt zwei: Meine Kontakte mehr privatisieren. Am besten einen weiteren Schieber auftun – oder mit Rose über eine Alternative sprechen.

Doch bevor ich mich soweit treiben lasse, werde ich erstmal Zig-Zag vor dieser Kopfgeldjagd beschützen, wenn es mir möglich ist.

Aber sollte sich nicht bald etwas fundamentales tun, bin ich weg. Ich muss mir dann vermutlich besser einen neuen Namen schaffen, aber wirklich schade wäre es vor allem um die echt hilfreichen Team-Kontakte und unseren Magiezirkel.

Naja, vielleicht muss ich ja nicht ganz bei Null anfangen, Vielleicht kommt Zig-Zag ja mit.

Jester
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Lektion 8
Der Lehrgehalt von Urban Brawl

Hi Solo!

Das Urban Brawl Championship Finale war ein Hammer Spiel, angeblich und Ich war LIVE im Seattler Station oben in ner VIP Loge.. wo du quasi IN die Aufnahme 3D hineintreten kannst und voll dabei bist! Schon eine verdammt coole Technik.

Aber bevor du fragst, warum ich dich nicht mitgenommen habe und weshalb ich auf einmal Urban Brawl Fan bin: Ich war dort rein Geschäftlich und hab von der 2. Halbzeit nur Teile mitbekommen.

Aber je mehr ich an die letzten Tage zurückdenke, desto mehr drängt sich mir der Vergleich mit dem antiken Rom auf. Gebt dem Pöbel Brot und Spiele und Aufstände werden im Keim erdrückt.

Die großen Spiele halten alle Gesellschaftsschichten zusammen oder zumindest Ruhig. Gib dem Pöbel etwas, was ihn sein langweiliges Leben vergessen lässt und er ist Glücklich. Zumindest für eine Weile.

Der Drek ist nur, dieser Job hat mir auch deutlich gezeigt, dass meine Jobs in den Schatten auch nichts anderes als Spiele sind und keine ernsthafte Arbeit auf Leben und Tod, Aufstieg und Fall – auch wenn es einem ohne nötigen Abstand meistens so vorkommen will.

Die Johnsons spielen nur mit uns als Spielsteinen. Und während ICH eigentlich immer nur spiele, um zu gewinnen, spielen doch genügend Leute einfach nur für den Spass oder des Spiels willen oder aus Geselligkeit etc.

Und mit Hilfe dieser Perspektive verstehe ich glaube ich langsam auch diese kranken Johnsons, die ich bisher NICHT verstehen konnte und wollte: Johnsons sind auch nur einfach Spieler, die mit Einsätzen spielen und wetten. Gewinnen oder Bespasst werden wollen, oder schlicht aus Gewohnheit oder Langeweile spielen. Und die kranken Typen suchen nicht den Gewinn sondern probieren was aus, oder ihre Spiel Strategie setzt auf Masse statt Klasse, oder sie haben gar keine Strategie, oder sie suchen den Nervenkitzel, oder oder oder.

Und diesmal war es ein erfahrener, eigentlich guter Spieler – Aber ich erkannte ihn nun mehr als SPIELER, als als meinen Auftraggeber. er gehört zu der Sorte die einen JOB hervorragend bezahlen, aber relevante Informationen, wie der Überbringer ist ein Gestaltwandler, macht Euch keinen Kopf, der hält was aus – oder Ja ich weiss welche Tpyen euch Aufgelauert haben, ich dachte mir das auch schon, aber ich hab trotzdem nichts gesagt und werde nun auch nichts mehr sagen, da der Job erledigt ist, egal wie Neugierig ihr seid, oder wichtig die Info für euch privat ist. Ihr seid für mich Spielsteine, keine Spieler.

Selbst als ich einen Testballon startete und auf die üppige Bezahlung des Team verzichtete – du erinnerst dich an mein Problem im Umgang mit dem lieben Geld, ja? – gab es nicht wie erhofft den kleinen Blick hinter die Koulisse, ein paar Brocken an echter, für uns relevanter Information als Bezahlung.

Ja, der Johnson ist fair und zahlt gut – aber damit ist er nur ein anderer Typ von Spieler. Einer der es gewohnt ist mit hohen Einsätzen zu spielen, aber er ist damit nicht unbedingt ein Netterer, er hat nur zumindest Oberflächlich einen meinem ähnlicheren und damit nachvollziehbareren Spielstil.

Ich halte also mal fest: Wir sind alles Glücksspieler. Wir alle spielen unsere Spiele, um uns davon abzulenken, dass wir in einem anderen Spiel nur eine unwichtige, kleine Spielfigur sind die herumgeschoben wird, bis sie womöglich aus dem Spiel fällt. Das ist alles nicht tragisch, solange sie nicht unter Wert geschlagen wurde.

Ich hasse es darauf hoffen zu müssen, dass mein Spieler weiss was er tut und meinen hohen Wert auf dem Spielfeld erkennt – und als Runner hast du mit jedem Job einen neuen Spieler, der dich über das Spielfeld zieht.

Jester
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Lektion 7
Das tiefe Loch der seelischen Abgründe

Hi Solo.

Sorry für meine drek Rechtschreibung. Ich bin Sturzbesoffen.

.. Unglaublich, Jeder Satz dauert gerade locker 10-20 Minuten.

Warum ich so gesoffen habe, will ich dir sagen. Weil das Leben in den Schatten totale Scheisse ist.. und weil der größte Abschaum immer oben auf der dreckigsten Brühe schwimmt.

Wenn es nicht auf Vermittlung und ausdrückliche Empfehlung durch meine Kontakte passiert wäre, dann hätte ich mich mit diesem Crittershit namens Wetwork nie Kontakt treten lassen. Aber der Ruf ist hier unten alles und noch wichtiger dein Ruf bei und der Ruf von deinen Kontakten und wie es leider gelegentlich passiert: Hat die unvorbereitete, arme Jungfrau ausgerechnet den Troll für die Entjungferung gezogen.

KINDER. Eine ganze verfickte zivilisten Familie von denen die meisten Kinder waren! Ich weiss nicht was mich mehr anwidert:

Der schmierige, selbstgefällige und arrogante Auftraggeber, der nicht einfach ein Problem lösen wollte, sondern so final und grausam wie es irgend Möglich war, die Typen, die den Job für mich erledigt haben oder ich selber, dass ich es zugelassen hab, dass sie es für mich tun. Ich wollte keinen Nuyen von diesem verfickten Blutgeld haben, hab alles weitergereicht, obwohl ich das Geld echt dringend hätte brauchen können.
Wichtig war nur, dass ich meinen Kontakt nicht in Verlegenheit gebracht habe und dafür gesorgt hab, dass der Job durchgezogen wird… und fühle nun mich trotzdem so widerlich Schmutzig, als ob ich es selber getan hätte. Ich Ekel mich so sehr vor mir selbst, dass ich die nächsten Monate unter der Dusche schlafen werde UND seither versuche den Drek in mir mit Schnapps zu reinigen und auszukotzen, doch bisher mit nur mäßigen Erfolg.

Alter, sollte es mir irgendwann vielleicht doch auch nur einen Tick besser gehen, dann brauch ich dringend einen unbeschwerten, lockeren Abend ohne Verbindung zu meinem neuen Job. Kopf aus und einfach mal wieder echte saubere Luft athmen. Vielleicht in nem Partyschuppen /-areal an nem Waldrand irgendwo in den Indianerstaaten oder so.

Vielleicht auch einfach so eine Wanderaktion durch Naturparks und Picknick – Mit entsprechend netter Begleitung natürlich – und dann irgendwohin wo die Musik so laut ist, dass man die eigenen Gedanken nicht mehr hören kann.

Sorry. Musste mich gerade auskotzen – bei dir und auf den Sanitäranlagen, sonst wäre ich noch Wahnsinnig geworden. Wenigstens haben sie den Job wie ich wollte schnell und schmerzlos erledigt und nicht die perversen “Sonderwünsche” erfüllt.

Hoffe ich kann mir irgendwann wieder im Spiegel in die Augen schauen ohne das untote, seelenlose Monster dahinter zu sehen. Ich hab Schande über mich, meine Familie und meine Ahnen gebracht… Kinder….das hat nichts mit bösen, finsteren Schabernack und Streichen zu tun. Nichts mit Robin Hood, nichts mit Schädigung derer die es verdient haben und auch nichts mit Ausnutzen des Systems. Ich habe in den Abgrund geschaut und der Abgrund hat zurückgeblickt und geblinzelt.

Er und ich wissen, wenn ich hier nicht mehr rauskomme, werde ich irgendwann fallen und er ist geduldig und hungrig. Ich stürze seit dem jede Nacht, wenn ich erschöpft einschlafe endlos diesen Abgrund hinab, sehe schreiende Kinder in seinen den Wänden verflochten und Ströme von Blut über sie hinabgleiten.

Ich mag mir nicht vorstellen, wie schlimm es wäre, hätte ich mir das beschissene Video auch noch angeschaut oder mich über die anderen Sonderwünsche genauer informiert. Doch meine verfickte Fantasie mahlt die grausigsten Szenarios. Unerbittlich. Nacht für Nacht, bis ich erschöpfter wieder aufwache, als ich zu Bett gegangen bin. Ich bin nun ein Mörder. Ein dreckiges, seelenloses Monster und es spielt keine Rolle, dass ich nicht selber den Abzug gezogen habe. Vermutlich wäre es sogar besser gewesen, denn dann hätte mein Gewissen es verhindern können, ich einen Rückzieher machen können, meine Seele gerettet werden können. Das kann ich niemals wieder Gut machen.

Jester
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Lektion 6
Das Liebe Geld, meine große Charakterschwäche

Hi Solo

Gleich vorweg: Ich will dich nicht anpumpen!

Schöne Scheisse. Weisst du was in den Schatten am Ätzensten ist?

Du bekommst kein festes Gehalt!

Das will einfach nicht in meinen Kopf. Ich glaube ich bin da einfach operativ komplett Blind. Mal bekommt man tausende Nuyen für über die Straße gehen (eher selten, soll es aber geben), mal ehrliches Geld für ehrliche, gefährliche Arbeit, mal KEIN Geld für ehrliche, gefährliche Arbeit, weil der Johnson ein Arschloch ist (siehe die Lekion über Johnsons), manchmal bist du selber Großzügig, weil du Kontakte pflegen willst/ musst und manchmal gibt es einfach GARKEIN Geld zu verdienen, weil dich NIEMAND haben will und/ oder GARNIX zu tun ist!

Hallo!? Ich hab aber fixe Ausgaben! Ganz zu schweigen von meinen Sonderwünschen und plötzlichen Bedürfnissen. Wie kann man auf einmal so auf dem Trockenen sitzen? Das ist undenkbar! Aber aktuell ist hier echt Ebbe sowohl was nennenswerte Aufträge angeht, als auch in meiner Kasse.

Bei einer solchen Gelegenheit fällt mal wieder auf… Ich kann einfach nicht mit Geld umgehen. Es mag mich nicht – und ich mag es nicht – Ich mag die Frauen und das teure Klimbim, dass ich mir dafür hole, aber lange bleibt der Schotter einfach nicht bei mir. Da kann ich machen was ich will. Wenn ich “genug” Geld habe, denke ich irgendwie das ein paar Tausend mehr oder weniger nicht wichtig sind, wenn ich kein Geld habe dreh ich am Rad, dass ich mir nicht mal einen brauchbaren Anzug leisten kann.

Freischaffend sein ist sowas von Ätzend! Und für wirklich JEDEN Scheiss, den man mit SIN im Laden bestellen und kaufen kann (auf Kredit, Finanziert) – braucht man hier BARES und zudem einen Schieber, der einem den total legenen Kram (natürlich mit Aufschlag für die Mühe!) für dich besorgt, weil DU selber nämlich ILLEGAL bist.

Wenigstens ist meine Rose mittlerweile so nett und hat meinen Arsch mal eben mit einem Megakredit freigekauft… Naja, damit kann ich zum Nächsten Auftrag von ihr auch sehr schlecht Nein sagen..

Ich halte fest: wenn ich sparen muss, um mir irgendwann meinen Westwind zu kaufen, dann wird das wohl nie was mit dem Auto. Das blöde Geld will einfach nicht bei mir beiben und es fehlt mir an finanzieller Disziplin und dem Sparsamkeitsgen, dass offenbar einigen hier im Drek eingeimpft worden ist.. der Rest ist vermutlich in teuren Klamotten verhungert. Schöne Scheisse, Ich hasse diesen Darwin!

Jester


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Lektion 5
Die abgefuckteste Regel: Der Umgang mit Johnsons

Hi Solo

Ich habe heute auf die EXTREM HARTE Tour das mit abstand wiederlichste Stück an ungeschriebenen Gesetzen der Schatten derartig in den Hals gerammt bekommen, dass ich noch daran ersticken werde, wenn ich mich nicht bei irgenwem darüber auskotzen kann.

Johnsons.

Es sind Arschlöcher. Sadistische Arschlöcher – ohne Verstand.

Da kommt so ein Suit und gibt uns den Auftrag etwas für ihn zu stehlen. Wir machen das und als wir die Übergabe machen, bescheisst er meine Kollegen, schiesst sie über den Haufen und verschwindet ohne zu Bezahlen. DUMM. GIERIG und SAU DUMM Würde der gesunde Norm nun denken dürfen. Typen die Leute und Dinge finden, Gewaltbereit, Ausgebildet und Bewaffnet sind und für wenige tausende Nuyen auch in gesicherte Bereiche einbrechen um Ihr Geld zu bescheissen ist und kann einfach nur DUMM sein!

So Denk ich mir natürlich: Ok der hat noch ein paar andere Aufträge am Laufen, suchen wir ihn, passen wir ihn ab und zeigen ihm, dass wir das nicht mit uns machen lassen indem wir ihm die Kniescheiben brechen. – Ja ich bin da ein klein wenig Rachsüchtig. Was dich ja nicht wundern sollte, weil die ganze Scheisse mach ich ja auch vor allem, WEIL ich Rachsüchtig bin.

UND JETZT KOMMT DER HAMMER:

Da sagen mit meine Chummer. Nein. Das macht man nicht!

Wie das macht man nicht?! Der Typ hat uns belogen! Nicht gezahlt. Den Vertrag gebrochen!

Sagen sie: Könnte man machen, aber dann nimmt uns KEIN anderer Johnson mehr unter Vertrag!

WIE, die anderen Johnsons finden es ok, wenn ein schwarzes Schaf unter ihnen ist?!

Ja, sie haben sonst Angst, wir würden sie auch über den Haufen schiessen.

KLAR, wenn sie uns bescheissen, dann: JA Verdammt! Das ist der verfickte SINN hinter der AKTION.

Sie: Nein, sie würden denken dass wir das gewohnheitsmäßig machen würden für jede unvorhersehbare Scheisse und generell wären Johnsons überhaupt per se Sakrosankt. Das was passiert ist, ist übliche Scheisse. Wir haben nicht aufgepasst, sind bei der Übergabe überrumpelt worden und konnten ihn nicht vor Ort zwingen zu zahlen. Er kam damit weg – Unser Pech. Thema durch.

UNSER PECH? Der Typ hat tausende Nuyen plus gemacht und auch andere Runner beschissen und wir dürfen ihn nicht klein machen? DAS ist doch die Einladung an jeden Johnson das wieder mit einem zu machen!

Ja, aber nein..

Ich dreh durch. Ausserdem wurde mir erklärt, dass die Johnsons meistens sadistische Ärsche sind, die sogar absichtlich Informationen verschweigen.. WARUM zum TEUFEL sollte man operativ WICHTIGE Informationen verschweigen, wenn damit das ZIEL der Operation potentiell gefährdet wird.

Das will nicht in meinen Schädel. Das ist so Krank, dass ich darauf nicht klarkomme. Diese Leute hier in den Schatten sind so daran gewöhnt der DREK zu sein, dass sie im vorauseilenen Gehorsam sich selber schon als DREK ansehen und NULL Stolz und Selbstwertgefühl zugestehen, sobald es zu Johnsons kommt.

Wird also nichts mit der Rache. Kacke. Diese Demütigung ist schwer zu ertragen. Zagroschim scheint es auch nicht fähig zu sein die Welt aus den Augen einer Rückradlosen Made im gammeligen Fleisch unserer wunderschönen Gesellschaft zu sehen… Das hilft mir gerade ungemein nicht an meinem Verstand zu zweifeln. Nicht ich bin bescheuert, sondern diese Vollblut-SINnlosen.

Warum aber ihnen der Johnson so einschenken konnte, wo doch gerade SIE wussten, dass Johnsons solche Ärsche sind, das konnten sie mir dann nicht erklären… Naja nächstes mal bin ich dabei.. und wenn das Geballer losgeht, bekommt der Johnson, der uns verarschen will ganz ausversehen den einen oder anderen Schuss ins Knie.

Jester
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Lektion 4
Das SIN-Lose dasein

Hi Solo!

Wie die diversen male zuvor möchte ich heute über einen Aspekt schreiben, der sich mir in den letzten Tagen und Wochen in den Schatten als Lektion aufgedrängt und eingebrannt hat.

Heute geht’s um die SINs. Klar, das hätte schon früher kommen können, vielleicht sogar kommen müssen, wenn man bedenkt, dass meine Rache ja nur mit dem “Verlust” oder Verzicht meiner SIN funktionieren kann und ich deswegen schon viel früher gelernt haben sollte, was es bedeutet SINlos zu sein.

Aber das wäre unfair. Eine Reflektion über die SIN bietet mehr Facetten, als ihr schlichtes dasein oder fehlen.

Sie beleuchtet auch unsere Gesellschaft und wie sie funktioniert.

Zum einen vertraut jeder auf seine SIN und kann sich ein Leben ohne sie garnicht vorstellen. Zum Anderen sind die Informationen zu einer speziellen SIN realer als die Person, der sie gehört.

Wenn ich dich frage was du gestern gemacht hast wirst du mir 3,4 Dinge erzählen können und die können stimmen oder nicht, aber was auf deiner SIN steht, bzw. mit deiner SIN gebucht, finanziert und authentifiziert etc wurde – oft ohne dein Wissen – das ist viel mehr und im Zweifel ist das was über die SIN nachvollziehbar ist, auch das was die Behörden als Wahr annehmen und nicht das was du ihnen erzählst – egal wie Wahr du deine Aussage meinst.

Ausserdem spaltet die SIN die Gesellschaft in schöne, kleine handliche Teile. Konzernbürger, Erweiterte Konzernangestellte, Staatsbürger, sowie Kriminelle und SINlose und diese Gruppen noch weiter unterteilt/ differenziert in die verschiedenesten Rechte und Lizenzen der verschiedenen SIN Besitzer.

Alles was du tust läuft über deine SIN. Um in einer Stadt LEBEN zu können benötigst du eine SIN. Selbst wenn du keine hast, nicht einmal eine Gefälschte, benötigst du zumindest
jemanden der eine hat, damit er dir für einen erheblichen PREISAUFSCHLAG, die Dinge des alltäglichen Lebens besorgt.

Deine SIN ist nicht nur deine Wahlberechtigung oder dein Identitäsausweis. Sie IST mehr deine Identität, als du selber.

Hast du keine SIN bist du nicht Existent für den Staat, bzw. vielleicht schon, hast aber keinerlei Rechte und wer keine Rechte hat, der hat auch nichts zu verlangen, melden und… nichts zu verlieren.

Nun kann ja jeder mal so jemanden gebrauchen und das ist ja der Grund für die Existenz der Schatten, aber Suspekt sind und bleiben sie.

Vor kurzen haben wir eine kleine Wahl etwas zu Gunsten des guten John Hess manipuliert.. Ja, genau das waren Zagroshims und mein Werk – und weisst du was?

Wir haben es quasi total legal machen können.. Wir mussten nur das Gerücht streuen, dass Pläne existieren Renton und Redmond zusammenzulegen und schon wählte jeder Rentoner so Erz konservativ, wie er konnte.

Ist ja auch klar, denn es gibt nichts, was der Durchschnittsbürger mehr fürchtet: SINlose auf ihren Straßen, dass sie und ihre Stadtteil mit Verlierern assoziiert zu werden, für diese Looser womöglich noch zahlen sollten – Vom Anstrieg der Kriminalität mal garnicht zu sprechen. Vermutlich sind alleine wegen dieses Gerüchts die Grundstückspreise (und Mieten?) in Renton nicht unerheblich gefallen.

Wie sehr wir an unserer eigenen SIN hängen – und wenn sie nur gefälscht ist – hab ich persönlich nun schon zum 2. mal erlebt, als ich meine eigentlich recht gute “Ersatz”-SIN quasi in Downtown an einer Kontrolle verbrannt habe und für eine Überprüfung geflaggt wurde. Ein Einfacher Scan hat tausende Nuyen durch den Gully gespühlt. Tagelang ohne SIN war mal wieder ein Erlebnis, auf das ich zukünftig gerne verzichten möchte.

Noch schlimmer traf es Zagroshim. Seine eigene ECHTE Existenz quasi vernichten zu müssen, das war eine ganz üble Sache – besonders für den Kleinen, der immer so sehr auf sein großes Comeback hingearbeitet und -gehofft hatte.

Er tut mir wirklich Leid und ich hoffe es wird am Ende auch so noch irgendwie funktionieren, wie er sich das immer erhofft hat. Aber aktuell ist die Existenz als Zagroschim einfach zu auffällig und mittelfristig könnte das sogar tödlich Enden, wenn er sich nicht wirksam aus der Schusslinie seiner Feinde nimmt.

Das ist eine Lektion, die ich mir unbedingt hinter die Ohren schreiben muss!

.. Es gibt nur noch Jester, bis zu dem Tag meiner Rache. Sollte ich früher auffliegen, dann wird es schwer mich zu verstecken und nahezu unmöglich werden irgendwann mal aus den Schatten heraus zu treten und in mein altes Leben zurück zu kehren.

Dieser Traum stirbt und fällt mit meiner wahren SIN, denn sie alleine ist der Beweis, mein Recht und Anspruch auf ein Leben ausserhalb der Schatten und ist gleichzeitig die potentielle Gefahr zu früh aus den Schatten herausgerissen zu werden und dann endgültig alles zu verlieren.

Das war mir zuvor noch nie so deutlich geworden wie in den letzten Tagen.
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Lektion 3
Supe und die platzenden Hamster

Hi Solo.

Die Schatten sind eine eigene Welt bringen jeden Tag wirklich jede Menge neue Drek hervor.

Der neuste Drek nennt sich: Supe – oder so ähnlich und ist eine offenbar magisch aufgepimpte Amokdroge.

Nun würde ich den Drek gar nicht wissen und es mich wie den Rest unserer Truppe nicht weiter stören, wenn der letzte Job mich nicht irgendwie auch in Kontakt diesen Drogensumpf gebracht hätte.

Wir sollten nämlich den Designer dieser speziellen Droge suchen und extrahieren.

Also ab in die Subkultur der Junkheads und Drogendealer.

Was an diesem besonderen Drek schon mal auffällig war: Supe macht Sau-Aggressiv und boostet wohl Massiv die Schmerztoleranz und die körperliche Physis.

Ganz nach dem Motto Höher, Schneller, Weiter und mal so richtig das innere Tier rauslassen.

Die kaum ausbleibenden Opfer solcher Konsumenten, denen wir so über den Weg liefen waren mit Gully Deckeln beworfen oder einfach auseinandergerissen worden. Ganz Üble Scheiße.

Das es denn auch noch Typen gibt, die diese Überreste nach gebrauchter Bio- und Cyberware und vielleicht auch Organen, ausschlachteten überraschte mich nun hingegen schon nicht mehr wirklich.

Langsam aber sicher passen sich meine Erwartungen an den Schmutz und die Denkprozesse in den Schatten an.. wenn mir auch nach wie vor einige Dinge einfach unverständlich bleiben,
so kann ich zumindest verstehen, wenn Leute die ehemals humanoiden Überreste und Brocken für ein paar Nuyen zu Typen schleppen, die verwertbares und Elektro- und sonstigen Schrott recyceln.
Tatsächlich find ich es ganz gut, weil sonst würden wir in den Barrens bis zum Hals in Kadavern stehen… obwohl einige Typen hier würden sich dann vermutlich den kargen Essenstisch mit ein wenig echtem Fleisch aufpimpen..

Mich schüttelt’s ja schon alleine bei der Vorstellung daran ’nen Datenträger oder anderen Fremdkörper im Körper zu haben, auch wenn es mittlerweile Usus zu sein scheint, aber dann auch noch gebrauchten Drek?
Nee danke. Meine Familie predigt seit Generationen schon die Reinheit des Körpers und des Geistes und da ist meiner Meinung einfach was dran. Punkt.

Wie auch immer. Wir machten mit Mühe einen Drogendealer für das krasse, neue Zeug ausfindig, der uns dann mit Hilfe von Hamstern eine Vorstellung von dem Zeug gab:

Die Hamster legten sich in einem irrwitzig, rasenden Amoklauf gegenseitig auf das Brutalste um, bis der Überlebende (immer weiter wachsend) schließlich spektakulär platzte.

Das wäre aber nur eine Nebenwirkung bei Hamstern aber nicht Menschen, wurde uns versichert. Klar, John Doe, und Triple AAA’s sind nur Caritative Vereinigungen mit integrierter Bank.

Mag ja sein, dass ‘Mensch’ nicht platzt, aber dass es trotzdem extremst ungesund sein muss, wurde spätestens mit der Vorstellung wirklich jedem ganz klar!

Zumindest Marketingtechnisch ist es deshalb nicht gerade eine Glanzleistung.

Wie ich im weiteren Verlauf unserer Recherchen hier herausbekam sind alle möglichen Arten von Drogen in starker Verbreitung und
besonders Kampfdrogen werden bei bevorstehenden Kampfeinsätzen, wie wir am eigenen Leib erfahren mussten, bei einigen Individuen durchaus gerne eingesetzt.

Und daher kann ich auch sagen, dass Ihre Wirkung leider auch nicht von der Hand zu weisen ist.
Kein Wunder dass unsere Gesellschaft von Unten bis Oben voll mit diesem Drek ist:
Hier ein Mittelchen für die Leistungssteigerung im Büro, da ein Mittelchen für den Sex, dort gegen die Müdigkeit, da für den “Sport” und dort für den Mut usw.

Btw nimmst du auch solchen Drek? Ich hoffe nicht!

Aber auch den guten, alten Kram sieht man immer wieder: Das edle Tröpfchen.

Da das kleine Drögelchen magische Komponenten hat und die Zauberfee bei der Recherche gerne magische Unterstützung hätte, haben wir Verstärkung gesucht und am Ende eine echte Berühmtheit engagiert.

Kennst du noch Zagroschim den Wunderbaren? Den Bühnenillusionisten? Ja, der Typ auf dessen Show wir vor ein paar Jahren mit, wie hießen die kleine, süße Brünette mit den schönen Pfirsichpopo und ihre Freundin noch mal, waren.

Tja. Was soll ich sagen. Nachdem er abgesägt worden war hat er sich offenbar dem Suff ergeben und so wie er ausschaut war er bis zum Tag an dem wir ihn anheuerten nicht einen Tag nüchtern gewesen.

Das hat mich echt Aufgeregt. Was für ne erbärmliche kleine Wurst! Klar hat es ihm übel mitgespielt und er ist noch viel tiefer gefallen als ich, aber Ich hatte mich auch nicht so hängen lassen.
- und NEIN, ich kann auf jegliche Kommentare deinerseits zu meinem hilflos, verheulten Selbstmitleid in Bierlaune auf deinem Sofa verzichten!
ICH war auf jeden Fall nicht SO Fertig und nicht SO Lange, wie der!

Die kleine Sau hat es aber trotzdem irgendwie hinbekommen uns gut Geld dafür abzuknöpfen. Vor allem weil ich sein Engagement kurz halten wollte. Naja was soll’s. Job durch und fertig ist, dann kann er sich Tod saufen und wir machen weiter – dachte ich.

.. ist dann irgendwie anders gekommen zu seinem und unseren Glück. Er bekam die Kurve und wir ’nen erstklassigen, wenn auch etwas abgehalfterten, Illusionisten für das Team – der genauso Schatten(Realitäts-)fremd war wie ich.

wir halten Fest: Oben wie unten gibt es überall Drogen – Hier unten im Drek sind sie nur irgendwie noch viel Krasser und Tödlicher – und am Ende haben wir sogar eine davon aus dem Programm genommen.

Ich muss unbedingt aufpassen nicht in so einen Drek abzurutschen. Hab mir nie ’nen Kopf darüber gemacht, aber die Typen die so ’n Zeug nehmen sind echt traurige Gestalten und so Fertig will ich nicht Enden.
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