Shadowrun 5 Seattle

Zagroschims Tod

Aus Zagroschims unveröffentlichten Tagebüchern,
später bekannt als die Chroniken von Zagroschims Wundertaten

Am nächsten Morgen, noch leicht verkatert von der ausgelassenen Feier, wurde ich erneut mit Vorwürfen und Anschuldigungen überhäuft. Alle redeten wirr durcheinander, ich sollte einen Plan machen um alles auszubügeln, all das Geld ranschaffen und zugleich noch meine Sin verbrennen, indem ich Zagroschim sterben ließ. Sterben! Jetzt wo ich zurück war!
Es dauerte doch eine ganze Weile, aber zuletzt musste ich einsehen, dass wenn ich mein Geld im Zwielichtreich der Schatten verdienen wollte, es wohl besser war, Zagroschims Spuren zu verwischen. Immerhin war jetzt noch nicht der rechte Augenblick um diesen verdammten Darokin zu erledigen und bis ich genug Geld hätte und einen narrensicheren Plan, konnte ich nur darauf hoffen unerkannt zu bleiben.
Welch hartes Los. Unerkannt! Ein Licht in der Finsternis, dem verboten wird zu strahlen. Eine Motte, wo ich doch der extravaganteste Schmetterling war.

Nachdem meine Entscheidung gefallen war und dabei hatten mich Hawks doch recht rüden Drohungen weit weniger bewegt als Miss Isabeaux einfühlsamen Hinweise, bat ich diese mir über Rose, unsere Schieberin, eine Sin zu bestellen, damit Zagroschim, am Abend seiner Wiederkehr, erneut verschwinden würde. Der größte Trick von allen sollte es werden.

Schnell war geplant, wie wir dieses Problem lösen konnten, derweil Hawk dankenswerter Weise in der Matrix spazieren ging, um digitalen Fährten zu folgen. Er murmelte so unwichtige Dinge, wie das ein unbekannter seine Netzpräsenz hatte verschwinden lassen und er nun unbedingt wissen müsste, welcher unbekannte Gönner dies für ihn erledigt hatte.
Derweil fanden Isabeaux scharfer Verstand und mein Gespür für Dramatik zueinander. Wir würden, über die Verbindung zu Bezirksbürgermeister Hess, Zagroschims DNA mit der einer Gnomenleiche, die Miss Isabeaux aus zwielichtigen Quellen besorgte, vertauschen und später diese Leiche dann bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, am Tatort zurücklassen. Niemand würde wissen, dass nicht Zagroschim den Tod fand. Nun gut, zumindest niemand, der darüber reden würde.
Sam mussten wir einweihen, da er die Rechte an Zagroschims Rückkehr erhalten sollte, natürlich mit bescheidenen Tantiemen für uns. Miss Helena musste es wissen, damit sie sich nicht zu Tode grämte und damit sie Jester, der meinen Manager spielte, ein wenig unterstützen konnte.

So war der Plan ebenso einfach wie brillant, mein Manager besprach mit Wosznik die Details eines Auftritts in den Kostbarkeiten seiner Ausstellung. Eine Westernshow, mit Raubüberfall und humoristischen Aspekten, zwar bloß in bescheidenem Rahmen, da die Möglichkeiten fehlten, aber ein wundervoll kleiner Auftritt.
Derweil alle Augen auf mich gerichtet waren und Jester mich aus dem Publikum mit Hinweisen und Stichworten unterstützte, schlichen sich Isabeaux und Hawk, gemeinsam mit Shooter hinab in den Sicherheitsbereich, wo sie das Collier, nach einer recht blutigen Schießerei, erbeuteten. Von dort ging es weiter, direkt durch den Boden des Hotels in die Tunnel des Orkuntergrundes, die uns für ein horrendes Honorar in Sicherheit führen würden.
Derweil bemerkte ich, oben während meiner Show, dass das Collier nicht wie gewünscht auftauchte, vermutete Raub und machte mich, sehr zum Verdruss der Sicherheitsfirma und des Publikums, unter der gespielten Panik meines Managers, auf, die Diebe zu stellen. Ich war ihnen nah auf den Versen, als dieser übereifrige Shooter seine Rolle ein wenig zu genau nahm und mich in die Schulter schoss. Hölle welch brennender Schmerz, noch dazu so ganz und gar unnötig.
Meine Kameraden verschwanden durch ein mit Phosphorgranaten gebranntes Loch und ich folgte nur Sekunden später, angeblich den gemeinen Dieben auf der Fährte. Dort im Loch lag die Gnomenleiche, direkt neben einer weiteren Phosphorgranate, die diese bis zur Unkenntlichkeit versengen würde und die zugleich den Tunnel für einige Sekunden unpassierbar machen würde.
Hinter uns die Flammen der Granate, trafen wir auf einen schweigsamen Ork, der uns durch die Tunnel, durch enge Stollen, ekelige Abwasserrohre und mehr als einen Umweg bis in die Barrons führte. Fünf Stunden harter Fußmarsch! Ekelig! Widerlich!
Ein Wunder dass sich die Wunden meiner Gefährten nicht entzündeten!

Als ein paar Tage später die Wunden geheilt waren, fuhren Hawk und Isabeaux zur Übergabe mit unserem Mister Johnson. Ich selbst blieb zurück, da mir gesagt wurde, ich solle lieber noch eine Weile von der Bildfläche verschwunden bleiben.
So kam es aber auch, dass ich nicht zur Stelle war, als meine Gefährten betrogen und niedergeschossen wurden. Dieser Bastard eines Johnsons krallte sich das Collier und seine Handlanger mähten mit ihren Sturmgewehren meine vertrauensseligen Gefährten nieder.
Zum Glück erlitt keiner von ihnen mehr als bloß einige unangenehme Blessuren. Ganz sicher hätte ich mich daran gemacht diesen Verräter zu fassen und zu erledigen, aber Miss Isabeaux hielt mich zurück. Sie sagte in den Schatten ticke die Welt ein wenig anders, es wäre an unserer Schieberin sich um das Problem zu kümmern, da es unserem Ruf schaden könne, wenn wir den Mr. Johnson, so gerecht es auch wäre, erledigen würden.
Was für eine Narretei, wir verloren unser Gesicht, wenn wir uns, ohne mit der Wimper zu zucken, anschießen ließen. Die paar Nuyen waren verschmerzbar, aber so eine Dreistigkeit hinzunehmen, lag außerhalb der Vernunft, zumindest jener, die in der wahren Welt herrschte.

Aber da ich nun einmal auf Gedeih und Verderb an meine neuen Gefährten gebunden war, blieb mir nichts als einzuwilligen Ruhe zu bewahren. Derweil machte ich mich daran zu planen, wie denn das Image des neuen Zagroschim in den Schatten so werden sollte. Ein Umhang? Vielleicht eine Spur zu extravagant, aber eine Rose war doch ein schönes Markenzeichen und zugleich ein Versprechen, irgendwann zurückzukehren und meine Rose, die wunderbare Miss Helena, auf immer in die Arme zu schließen.

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Zagroschim

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