Shadowrun 5 Seattle

Verdammter Montag

Aus Zagroschims unveröffentlichten Tagebüchern,
später bekannt als die Chroniken von Zagroschims Wundertaten

Es war ein verdammter Montag, nach zwei Wochen Flaute im Geschäft und horrenden Kosten für eine Sim, die ich nur benötigte, weil Zagroschim sterben musste, hielt ich es für das Beste, den ganzen Frust zu Fedge zu tragen und dort bei ein paar Bier ausführlich hinunterzuspülen.

Die übrigen im Haus waren ohnehin nicht gut auf mich zu sprechen und insbesondere Hawk schien sich darauf zu versteifen, mich lehren zu müssen. So waren wir in einer Squatter Einkaufsmeile gewesen, eher einem Flohmarkt für Dinge zweiter Hand. Es war laut dreckig und stillos, also genau sein Metier. Wenigstens nötigte er mich nicht Flohverseuchten Kram zu kaufen, noch musste ich meine letzten Nuyen für etwas so widerwärtiges wie gebrauchte Straßenkleidung ausgeben, aber es genügte schon, dass er ganz ofenkundig vorhatte mir vorzuführen, wie elend das Leben sein kann. Als ob ich dies nicht nach drei langen Jahren bei Fedge längst verinnerlicht hätte. Bloß weil ich mich ungern in den Schmutz begebe, heißt das nicht, ich wäre blind für die unerfreulichen Tatsachen eines Lebens auf der Straße.

Wenigstens schien sich Wheelz! nicht zu sehr durch Zagroschims Tod verändert zu haben, denn langsam ging mir dieses ZigZag ganz schön auf die Nerven. Warum mussten wir diese Scharade jetzt auch noch im Haus spielen. Nun gut, es machte Sinn sich daran zu gewöhnen, aber gefallen musste es mir ja nicht.
Zum Glück hatten die anderen genug zu tun, insbesondere Jester und Isabeaux schienen beschäftigt einen magischen Zirkel zu gründen und Hawk verschwand ja stets für ein paar Tage nach Hause, ehe er dann wieder hereinschneite, um mich zu belästigen.

Nun aber zurück zu diesem unerfreulichen Montag, der unser aller Leben durcheinander wirbelte. Wie ich später erfuhr, war ich nicht der einzige, dem an diesem Tag Unerfreuliches widerfuhr und so möchte ich kurz abschweifen, um zu berichten, was die anderen erlebten, obwohl ich selbst davon erst weit später erfuhr.

Hawk hatte Post von seinem Matrixgeist bekommen. Direkt auf sein Deck, ohne Spuren oder Absender, ein unberechtigter scheinbar unmöglicher Zugriff. Nun ja, er schien angemessen verärgert zu sein, was mich insgeheim dann doch erheiterte.
Sein geheimer Wohltäter hatte einen Auftrag für ihn, irgendwelche Daten besorgen, direkt aus einem Lonestar Cluster.

Isabeaux wurde von Mr. Cursed, unserem Lieblingsjohnson, angefordert, nur um bei der Beerdigung ihrer Mutter zuschauen zu dürfen. Wie ich erfuhr, war sie schon als kleines Kind fortgelaufen und nun, nach einiger Zeit in den Schatten, traf sie der Verlust ihrer Mutter gleich doppelt hart. Als wäre dies nicht genug, stellte sich heraus, dass es auch noch ein heimtückischer Mordanschlag war. Ein Kerl mit großer Flinte hatte ihren Eltern nach einem Restaurantbesuch aufgelauert und gnadenlos abgedrückt, mitten in Bellevue. Ihr Vater hatte verletzt überlebt, aber durch Zufall oder mit Absicht ließ sich aus der Ferne nicht ermitteln.
An sich schon übel genug, aber mein Verstand galoppierte schon weiter, welchen Grund hatte Mr. Cursed Isabeaux diese Information zuzuspielen.

Zum gleichen Zeitpunkt wurde Jester von John Hess, dem Bezirksbürgermeister angesprochen, ob er nicht, für einen Kollegen von ihm, einen Mord ausführen könnte. Wetwork, wie es hier in den Schatten heißt. Eigentlich nicht ganz unser Stil, aber die Flaute hatte unsere Ressourcen angegriffen und zudem schien das Ganze ein Wirrwar von Fäden zu sein, die scheinbar doch verbunden waren. Wir mussten einfach mehr wissen.

Mir aber wurde wohl die größte Unannehmlichkeit zuteil. Ich spazierte auf Fedges Kneipe zu, sozusagen das einzige Licht an diesem düsteren Montag, als ein stechender Schmerz in meine Brust fuhr und die Lichter verloschen.
Es war wohl eine ganze Weile später, als ich erwachte und in das besorgte Gesicht von Isabeaux blickte. Neben ihr ein Straßendoc, dessen Fähigkeiten wohl seinen unangenehmen Stil vergessen ließen. Scary war das erste was mir einfiel, aber als ich dann auf das Loch in meiner Burst blickte und erstaunt feststellte, dass ich schon wieder, oder besser gesagt, noch immer unter den Lebenden weilte, schien es mir angemessen die Rechnung für diesen, mit einem kleinen Bonus versüßt, zu bezahlen.
Miss Isabeaux berichtete mir von einem Scharfschützen, der von einem fernen Dach auf mich geschossen hatte und natürlich kam mir gleich diese Natter von Darokin in den Sinn, denn wer sonst sollte mit solch ekelhaft unzivilisierten Methoden arbeiten. Derweil Jester den Ort des Geschehens untersuchte, eilte Hawk zielstrebig zur vermeintlichen Position des Mörders, um, da dieser ganz sicher weg war, zumindest ein paar Spuren zu finden.
Eine ziemlich unvorsichtige Idee, wie ihm Jester nachdrücklich mitteilte und wie bestätigt wurde, als wir alle über Comlink hörten, wie Hawk von einer Mine zerfetzt wurde. Sekunden später waren wir unterwegs. Miss Isabeaux mittels eines in sie gefahrenen Geistes, der sie mit ungeheurer Geschwindigkeit dahinjagen ließ, wir anderen etwas ruhiger mit Wheelz! Auto.

Kaum waren wir unterwegs, hörten wir die zweite Detonation, eine weitere Mine, die Hawk trotz größter Vorsicht auslöste. Kurz darauf dann eine noch heftigere, die Treppe war mit Sprengstoff ausgestattet worden und nur Miss Isabeauxs übernatürliche Geschwindigkeit rettete ihren hübschen Hintern.
Endlich auch vor Ort, kraxelte ich, noch immer leicht benommen von meiner Wunde, ins Gebäude und nahm mittels ein wenig Squatterblut die astrale Fährte auf. Unser versuchter Mörder hatte einige von ihnen verletzt und vertrieben und vielleicht war das die Spur die uns zu ihm führte. Ein Geist würde den Squatter schon finden.
Hawk und Isabeaux fanden nicht viel, außer einem Geist der sie aus großer Höhe beobachtete und anscheinend zu unserem Mörder gehörte. Ganz offensichtlich besaß dieser viele Talente.

Erneut in Wheelz! Wagen kam es zu einer etwas unglücklichen Auseinandersetzung zwischen mir und Hawk, der es mir wohl übel nahm, dass ich seine Bemühungen mit spitzer Zunge kommentierte. Im Nachhinein tat es mir schon ein wenig leid, aber wer konnte auch ahnen, dass Hawk gleich beleidigt davon stapfen würde.
Derweil also Miss Isabeaux vom Tod ihrer Mutter erzählte, lief Hawk allein durch die Gassen, nur um von unserem Mörder hinterrücks niedergeschossen zu werden. „Falsche Freunde!“, war der einzige Kommentar.
Es war pures Glück, dass unsere Verbindung noch offen war und wir die Schüsse hörten, aber ohne genauen Ort konnten wir nicht mehr tun, als uns auf ein schnelles Eingreifen vorzubereiten. Glück war es auch, dass die Crows, die örtliche Gang just zu diesem Zeitpunkt aufkreuzte und den Mörder unter Beschuss nahm, ehe er Hawks Lebenslicht auspusten konnte. Endlich konnte er uns ein Signal senden und wir waren unterwegs. Wie der Blitz schoss ich aus dem Auto, beäugte erschrocken Hawks mannigfaltige Wunden und machte mich sogleich daran, diese zu verbinden. Wie gut, dass ich mich mehr als nur ein wenig mit diesem Thema befasst hatte, derweil ich erforschte, ob es nicht doch einen Weg gibt Entzug zu mildern.
Nach einem abrundenden Heilzauber sah die Welt schon wieder freundlicher aus und wir machten uns daran, den Ort des Geschehens zu verlassen. Hier war es zu unsicher und zu allererst mussten wir herausfinden, wer es da auf uns abgesehen hatte.
Hawks Matrixkünste brachten recht bald eine Antwort, jemand hatte ein Kopfgeld auf mich ausgesetzt und anscheinend hatte ein Profi den Auftrag gesichert. Eigentlich eine ziemlich unerfreuliche Sache, aber zumindest die Höhe des Kopfgelds stimmte mich versöhnlich. 150.000 Nuyen!!!

Nun gut, ich konnte mir denken, wer da so viel Geld bezahlt hatte. Dieser Wurm Darokin gab sich wohl nicht damit zufrieden, dass Zagroschim tot war, jetzt sollte mein Tod endgültig werden.

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Zagroschim

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