Shadowrun 5 Seattle

Sitten und Gebräuche einer merkwürdigen Welt

Aus Zagroschims unveröffentlichten Tagebüchern,
später bekannt als die Chroniken von Zagroschims Wundertaten

Endlich mal ein wenig Erfolg und Glück! Mit nicht mehr als ein paar Minuten Aufwand, haben wir, dank Hawk und dessen Kontakt, eine recht erkleckliche Summe verdient. Fast 50.0000 Nuyen, nur weil er einen Tipp bekommen hat und Shooter einen Kontakt bei Lonestar hatte, der unsere Mission zu einem Spaziergang werden ließ.
Mit Hawk im Schlepptau besuchte Shooter die Lonestar Zentrale und während er von einem Kollegen auf höchst legale Art und Weise Informationen über unsere Gegenspieler mit den Tiermasken erhielt, erbeutete Hawk, auf äußerst illegale Weise, jene Datenpakete, die unsere mauen Kassen klingeln ließen. Endlich konnten wir Rose ausbezahlen und daran denken wieder ein wenig zu leben, als bloß zu existieren.
Einzige Merkwürdigkeit an der Angelegenheit war Hawk Beschluss Totem Pole einen Anteil zu verschaffen. Nicht dass ich etwas dagegen hätte, immerhin hätten wir ohne ihn gar nicht erst von den Daten gewusst, aber war es nicht sehr merkwürdig jemanden, den ein solcher Gewinn ganz offensichtlich nicht lockte, auszubezahlen?
Nun ja, zumindest darf Hawk in Zukunft wieder mit seinem mysteriösen Freund Fragespiele spielen und ganz vielleicht ist er ja erfolgreicher als beim letzten Mal.

Kaum war das erledigt, kamen aber schon wieder unerfreuliche Nachrichten. Die Maskenleute hatten meinen Mordkontrakt zurückgehen lassen. Soweit gut, bloß dass der Kontrakt nun wieder offen war und es genug Abschaum gab, der sich mit Zagroschims Tod eine goldene Nase verdienen würde. 150.000 Nuyen, immerhin ließ sich der elende Darokin nicht lumpen. Wenn er etwas wollte, dann wusste er auch, wie er es bekam, bloß dass ich dieses Mal beschlossen hatte, nicht der zu sein, der am Ende in der Gosse lag.

Als ob das nicht genug wäre, bekam Reaper eine Nachricht über sein Satellitentelefon. Sein Leutnant, oder welchen Rang es da auch immer in der Fremdenlegion gab, saß tief in der Scheiße. Natürlich war ich sofort bereit zu helfen, musste aber lernen, dass dies nicht ganz so selbstverständlich war, wie es mir erschien. Hawk zumindest ließ durchblicken, dass er seinen Hintern nicht aus reiner Freundschaft in die Schusslinie stellen wollte.
Aber waren wir nicht ein Team?
Konnte nicht jeder von uns, wenn er es nur wollte, alle anderen ans Messer liefern. Ein Anruf bei gewissen Konzernen, schon würden Jester und die hübsche Miss Isabeaux eingesammelt werden. Ein paar Worte in ein falsches Ohr und von Hawk wunderschönen Leben blieben nichts als Trümmer.
Waren wir nicht längst auf Gedeih und Verderb aneinander gekettet?
Ganz sicher hätte ich es schlechter treffen können. Wer in der Hölle der Schatten vegetiert, darf nicht auf das Glück hoffen, dort gute und treue Freunde zu finden. Freunde, nicht bloß nützliche Kollegen.

Andererseits schien dies nicht für alle von uns zu gelten, oder zumindest auf eine Logik, die sich nur jenen erschließt, die in den Schatten leben. Lange genug leben, um all die kruden Gesetze zu kennen, die das Räderwerk der Finsternis am laufen hielten.
Kaum ein paar Tage zuvor, hatten Hawk und Wheelz! diesen Wetwork Auftrag durchgezogen. Einen Auftrag, mit dem keiner von uns anderen zu tun haben wollte, ging es doch darum Kinder hinterrücks zu ermorden und diese am besten noch zu foltern, oder zu weiß was zu einem Leben in der perversen Welt zu verdammen.
Wir anderen waren sehr zurückhaltend, wollten mit der Geschichte am liebsten gar nichts zu tun haben, oder waren, wie einige von uns, äußerstenfalls dazu bereit den jungen Mann zu töten, statt auch Jagd auf Kinder zu machen.
Die Situation war also klar, wir wollten nicht!
Trotzdem beschied mir Miss Isabeaux, wir dürften unseren Kollegen nicht verbieten ihr Ding durchzuziehen und sei es auch noch so widerlich. Jeder hätte das Recht für sich zu entscheiden.
Vielleicht ja schon, aber galten wir in den Schatten nicht längst als Team. Strahlten nicht alle Taten meiner Gefährten auch auf die anderen aus. Würde nicht in Zukunft mein Name verbunden sein mit dem Mord an Kindern. Warum hatte Hawk das Recht meinen Namen mit so etwas zu besudeln, derweil er sich fürchterlich darüber aufregte, dass ich ihn mit meiner Anwesenheit gefährden würde. Warum durfte er darüber entscheiden, mit welchem Namen ich auf den Straßen aktiv war, schließlich war es, nach derselben Logik, allein meine Entscheidung.
Gefährdete er nicht uns alle, indem er Jester Zuflucht im Alkohol suchen ließ. Nun versteht mich nicht falsch, gegen den ein oder anderen Tropfen gibt es nun wirklich nichts zu sagen, wenn man es, wie ich, im Griff hat. Aber Jester war angeschlagen und dies kann in einem Job wie dem unseren, zwischen Leben und Tod entscheiden.
Wo lag also diese Grenze, ein Team zu sein, gemeinsam zu entscheiden und zu (über-)leben?

Doch zurück zu Reaper und seinem ehemaligen Vorgesetzten. Dieser steckte mächtig in der Scheiße. Tief in den Pujallup Barrons, inmitten des Gebietes der Laesa. Elfen, deren Rassenfimmel dem der Policlubs in nichts nachstand. Verdammte Irre, warum konnten sie denn nicht einsehen, dass wir alle Menschen waren.
Viel wussten wir nicht, außer einem Treffpunkt und der Tatsache, dass es kein Sonntagsausflug werden würde. Der Leutnant steckte in der Klemme und wenn schon ein Mann der Schlacht angezählt in den Seilen hing, sollte man sich Gedanken machen, wie man den Flug der Kugeln ein wenig zu seinen Gunsten manipulieren konnte. Leider blieb uns dafür wenig Zeit, immerhin wollte auch Mr. Cursed unsere Dienste.

So fuhren wir zum Stadion, wo wir das Finale der World League von einer Loge aus verfolgen durften. Sozusagen umsonst. Ausgestattet nur mit dem Nötigsten, diskret gepanzerter Kleidung und einiger Kleinigkeiten am Gürtel, trafen wir dort ein. Die Kontrollen waren kein Problem und auch der Auftrag den uns Mr. Cursed, wegen eines schlechten Bauchgefühls, vermittelte, schien durchaus machbar.
Wir sollten, zwei Etagen tiefer, ein kleines Kästchen mit einem Aztec Datenchip entgegen nehmen und hierher zu Mr. Cursed bringen. Als ob sich dies nicht leicht genug anhörte, versicherte uns unser Johnson auch, dass der Freund, von dem er dieses Paket bekommen sollte, absolut zuverlässig sei und dass von dieser Seite keine Gefahr drohe. Wir mussten also nur darauf Acht geben, dass nicht ein Rudel schießwütiger Fremder hier hereinstürmte, den Boten niedermähte und mit dem Datenchip verschwand. An sich schon eine ziemlich lächerliche Vorstellung, hier inmitten Hunderter, wenn nicht Tausender Wachleute, Wachgeister und einem Sicherheitsüberwachungsnetz, welches zwar diskret, aber ebenso wirksam war. Nun gut, wir würden uns nicht beklagen, wenn nichts passierte.
Schnell waren wir uns mit Mr. Cursed einig. Wenn nichts geschah, würden wir hier das Spiel gucken, uns an den köstlichen Snacks satt essen und zufrieden heimwärts ziehen. Sollte es anderes kommen, würde er uns für unsere Mühen angemessen entlohnen.
Erstaunt betrachteten wir, wie er uns Schutzwesten aushändigte, die uns als Sicherheitspersonal des Stadions oder zumindest einer angegliederten Einheit auswiesen, dazu schwere Pistolen, deren Smartsignal ebenso legal erschien.
Ein hübscher kleiner Trick, der sogar mich beeindruckte!

Was mich weit weniger beeindruckte, war die Unprofessionalität meiner Gefährten. Hawk und Reaper wollten lieber da Spiel sehen, statt sich ein Bild der Lage zu machen. Ich redete mir den Mund fusselig, wir sollten doch die Gänge abschreiten, vielleicht sogar die Loge unserer Zielperson infiltrieren, aber auf jeden Fall vor Ort sein, um bei eventuellen Unregelmäßigkeiten eingreifen zu können.
Warum nicht ein turtelndes Paar auf dem Korridor? Oder ein Streitgespräch unter Kollegen?
Es kam wie es kommen musste, da die Übergabe erst kurz nach der Halbzeitpause stattfinden sollte, machten wir uns zwar überpünktlich auf den Weg, aber von Vorbereitung oder Ähnlichem war nichts zu spüren. Wir können ja eh nur auf das reagieren was passiert! Pah!!!
Kein Wunder also, dass wir, kaum in der Nähe, Schüsse hörten und die ersten neidergeschossenen Wachleute erblickten. Nun endlich rannten wir, aber es war wohl reines Glück, dass unsere Nachlässigkeit keine Folgen hatte, oder zumindest nur geringfügige.
In der Loge lagen vier Angreifer mit Tiermasken, genau solche, wie an dem Attentat auf mich beteiligt gewesen waren und ein toter Mensch mit der Aura eines Bären. Niedergestochen, fast ausgeweidet und ganz offensichtlich tot, bis auf die merkwürdige Tatsache, dass seine Aura nicht verblasste. Uns unsicher, ob es noch etwas zu helfen gab und ob sich das Objekt der Begierde vielleicht noch hier befand, scherten Isabeaux und ich aus, derweil Jester Hawk und Reaper weiterstürmten, um die beiden übrigen Mörder zu stellen.
Als ich später dazukam, musste ich mit Grauen feststellen, dass meine Gefährten recht ramponiert aus der Geschichte herausgekommen waren. Reaper mit einem Schnitt quer über den Rücken und Hawk mit einem Loch im Bauch, dass ganz offensichtlich von einem Kampfzauber stammte. Der dazugehörige Sam lag oben an der Treppe, erledigt von einem Blattschuss Jesters, der Magier lag ein paar Etagen tiefer, halb aufgeschlitzt von einer schweren Klinge.
Natürlich beugte ich mich gleich über meine Gefährten, verband die Wunden, natürlich weit besser als diese Idioten von der Stadionsicherheit und ließ danach meine Macht durch meine Finger fließen, um aus verheerenden Wunden Kratzer zu machen, die innerhalb von Tagen, wenn nicht gar Stunden, verschwinden würden.
Derweil fiel es Jester wie so oft zu, für uns zu sprechen. Dem Sicherheitspersonal klar zu machen, dass wir ihren Job erledigt hatten und uns nun zurückziehen würden, in der Hoffnung, dass es nun keine weiteren Probleme gäbe.

Zurück bei Mr. Cursed gab es einiges zu berichten. Der tote Bär, war nach nur wenigen Augenblicken einfach aufgestanden, hatte sich die Klingen aus der Haut gerissen und war weggetrottet. Ganz offensichtlich war dieser Mensch mit der Aura eines Bären ein Gestaltwandler und ebenso offensichtlich hatten diese Geschöpfe Fähigkeiten die über das was ein Normalsterblicher zu leisten vermochte, weit hinaus gingen. Das war wohl auch der Grund, warum uns Mr. Cursed vorher lächelnd beschieden hatte, wir bräuchten uns um seinen Freund keine Sorgen machen. Danke auch, vielleicht sollten wir Mr. Cursed beim nächsten Treffen genauer auf den Zahn fühlen, statt uns einfach so mit halb garen Informationen losschicken zu lassen.
Doch eigentlich war ich gar nicht zornig auf Mr. Cursed, er war noch einer von den besseren Johnsons, eigentlich wütend war ich auf meine Kollegen, die es schafften, statt mit einer hübschen Stange Geld, mit leeren Händen aus dieser Geschichte herauszukommen.
Einige plädierten dafür, aus reiner Freundlichkeit und aus Gefälligkeit für Mr. Cursed kein Honorar zu nehmen. Was ein Unsinn, selbst ich weiß, dass es in den Schatten nichts umsonst gibt! Andere wollten mehr über die Maskentypen wissen. An sich eine ziemlich gute Idee, aber ganz offenkundig wollte uns unser Mr. Johnson dazu nichts sagen, noch sich in die Karten gucken lassen. So war also auch der Versuch, Informationen statt Geld zu erringen, zum Scheitern verurteilt.
Angeschlagen, aber um keinen Nuyen reicher, kamen wir aus dem Stadion. Nun ja, zumindest war diesmal nicht ich es, der mit einem Loch im Bauch zu kämpfen hatte.

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Zagroschim

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