Shadowrun 5 Seattle

Lektion 9

Runnerteams

Hi Solo.

Es besteht ein fundamentaler Unterschied zwischen WG und Familie und auch zwischen einem Zweckbündnis und einem Team.

Eingespielte Runner-Teams erzielen in den Schatten angeblich bessere Vergütungen, denn sie scheinen A: Verhältnismäßig selten zu sein und B: bringen neben den individuellen Fähigkeiten auch noch den Vorteil mit sich bereits auf einander abgestimmt und
als Team eingearbeitet sein. Dazu gehören u.a. natürlich auch klare Befehlsketten und Kompetenzen, welche im Zweifelsfall und vor allem im Kampf wichtige Sekunden für Angriff, Verteidigung und auch Rückzug schenken und damit die Erfolgswahrscheinlichkeit des festen Teams gegenüber einem individuell gleichwertigen, zusammengewürfelten Teams drastisch erhöhen.

Kurz: Ein festes Team ist bereits ein Qualitätsmerkmal für sich.

Zumindest kann und wird ein Auftraggeber davon ausgehen.

Heute hab ich erkannt, warum es aber scheinbar nicht üblich ist in festen Teams zu laufen. Hier nur einige der erkannten Gründe:

A. Einige Runner sind so Dumm wie ein Meter Feldweg.
B. Einige Runner können oder wollen sich niemanden Unterordnen (Regeln und oder Personen).
C. Einige Runner sind so Paranoid, dass sie niemandem mehr trauen wollen oder können.
D. Einige Runner sie so Narzistisch, dass sie sich für die Krone der Schöpfung halten, so das sie quasi unfähig sind sich in ein Team einzubringen.
E. Einige Runner sind so Defekt, dass sie niemand in seinem Team haben will.
F. Einige Runner haben Vorurteile, die es ihnen unmöglich macht mit bestimmten Anderen zusammen zu arbeiten oder für oder gegen bestimmte Aufträge/ Konzerne/ Gruppen.
etc, etc

Oft genug treffen auch noch Kombinationen davon zusammen.

Vermutlich kann man die Liste beliebig weiterführen. Vermutlich gibt es sogar für jeden Solisten da draussen einen eigenen irrsinnigen Grund.

Ich war als Mitglied unserer “Runner-WG” (ich werde künftig bewusst den Therm Team meiden) der irrigen Annahme aufgesessen, dass wir auch gleichzeitig alle ein TEAM sind, dass sich nur noch finden und an sich arbeiten muss…

.. während ich also noch Mitten im Büffeln und Trainieren diverser Führungsstile in kleinen Sondereinheiten hing, um im nächsten Kampf eventuell mal als Koordinator etwas Struktur und damit Mehrwert bieten zu können, anstatt einfach nahezu wirkungslos Munition an der Körperpanzerung meiner Gegner Platt zu drücken, sprach Zig-Zag das Thema auf seine ganz eigene charmante Art Letztens einfach mal von sich aus an.

Die Reaktion hatte mich schon ziemlich verblüfft, obwohl ich wohl damit hätte Rechnen müssen und können, denn meine Moral und Wertvorstellungen sind einfach nicht Schattenkompatibel – oder einfach nicht Kompatibel mit meiner Gruppe – wer weiss.

Bestes Beispiel hierfür ist Hawk.

Hawk schon lange ein sehr gespaltenes Leben geführt. Frau, Matrix Identität, Runner (und vermutlich noch ein paar mehr).
Er sieht uns nach eigenem Bekunden offiziell als ein Team, aber aus seiner Klärung und Haltung wurde sehr deutlich, dass wir nur eine bequeme Aquiseabteilung für ihn sind.
Er würde mit uns Laufen, sich aber nicht Unterordnen oder Regeln folgen, oder auf eigene, private Runs verzichten und auch diesen nicht irgendwelchen Regeln unterwerfen. Seine Freiheit geht ihm über alles und Regeln sind nur für Andere und Konzerner. Er sieht die Sicherheit und Gemeinschaft nicht, die selbst formulierte und abgestimmte Regeln untereinander geben könnten, sondern nur einen Käfig in den er sich begeben müsste. Er ist sozusagen der Vollblut Anarchist der Gruppe.

Das geht bei Ihm ja auch so weit, dass er nicht Bestandteil unserer kleinen WG ist, sondern nur häufiger Gast mit Zugriff auf die Vorzüge unserer ‘Zentrale’, aber keinen Aufgaben im Haushalt.

Was mir auch sauer aufstößt ist, dass Er, kaum zur Gruppe gestoßen, es auch war, der in einem Auftrag ein schwer verletztes Teammitglied geeken ließ, weil es potentiell Gefährlich werden könnte, wenn es von Doc Waggon befragt werden würde.
Ich konnte die reale Gefährdung damals wie heute nicht wirklich einschätzen, aber hatte mich überrumpeln und von Zauberfees und seinem Wissensvorsprung Vertrauensvoll leiten lassen.
Er ist es auch gewesen, der mir ins Gesicht gelogen hat, dass er den Wetwork Auftag erledigt habe – zu meinem Schutz natürlich! – und dann Tagelang ohne Kommentar zugesehen hat, wie ich langsam dem Suff abglitt und innerlich starb.

Aber EIN schwarzes Schaf in der Gruppe kann ein gutes Team vielleicht sogar auffangen, kompensieren, eventuell zur Besserung erziehen und die schwelenden Streit- und Konfliktpunkte ausgleichen – sprich: Jeweils einen Kompromiss bei unterschiedlichen Ansichten und Meinungen finden.

Doch leider kamen sowohl von Zauberfee, Wheelz und Reaper zu allen Punkten immer nur eine partielle Zustimmung, so dass zu viel grauer Raum blieb, um auch nur daran denken zu können Hawk zu einen minimalen Zugeständnis an eine echte Entwicklung zu einem Team hin zu bewegen.

Jeder von ihnen wollte irgendwo, irgendwie einen Sonderweg, eine Freiheit, eine Ausnahme oder wollte sich schlicht nicht auf einen festen Standpunkt einlassen. Damit war die angeregte Diskussion zur Verbesserung unserer Effizienz und Zusammenarbeit schnell zu einer Diskussion abgedriftet, ob wir überhaupt ein Team sind und sein wollen.

Ausser dem Lippenbekenntnis zur leeren Worthülse Team, kam aber leider nichts substanzielles.

Ich für meinen Teil war ultra kurz davor zu schmeissen – oder gar ähnlich wie Hawk einfach mal einen absoluten Standpunkt vertreten, um ihm mal einen Spiegel vorzuhalten – mit der durchaus realen Gefahr aus dem Team rauszufliegen, bzw. danach selber konsequenterweise gehen zu müssen.

Aber wenn ich eines in den Jahren meiner Verhandlungsführung gelernt habe: Man sollte nicht in der ersten Verhandlung den ganzen Prozess als Gescheitert aufgeben, nur weil die Punkte unvereinbar scheinen.

Fairerweise muss ich aber auch sagen, dass ich mit dieser Vorgeschichte nur bedingt bereit bin noch Kompromisse für Hawk einzugehen. Denn wenn ich eines nicht leiden kann, dann wenn man meine Entscheidung für oder gegen etwas übergeht, mir dann ins Gesicht lügt und sich dann mit Formulierungsspitzfindigkeiten herauswieselt. So agiert man vielleicht im JOB, aber nicht in einem Team – und wäre ihr Betrug aufgeflogen, dann hätte ICH – und nur ich! – den Preis zahlen müssen und diese Gefahr wird weiter über mir schweben.

Also bereite ich Sicherheitshalber schon mal den Absprung in eine Solokarriere vor.
Schritt eins: Eine Unterkunft von der der Rest nichts weiss.
Schritt zwei: Meine Kontakte mehr privatisieren. Am besten einen weiteren Schieber auftun – oder mit Rose über eine Alternative sprechen.

Doch bevor ich mich soweit treiben lasse, werde ich erstmal Zig-Zag vor dieser Kopfgeldjagd beschützen, wenn es mir möglich ist.

Aber sollte sich nicht bald etwas fundamentales tun, bin ich weg. Ich muss mir dann vermutlich besser einen neuen Namen schaffen, aber wirklich schade wäre es vor allem um die echt hilfreichen Team-Kontakte und unseren Magiezirkel.

Naja, vielleicht muss ich ja nicht ganz bei Null anfangen, Vielleicht kommt Zig-Zag ja mit.

Jester
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Comments

Gobboleone

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